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Nuancenreiche Übergänge


	Eine originelle Konstruktion lenkt den Blick ins Freie. Die Bohlen begrenzen die Durchbiegung der Dachplatte, müssen aber nicht auf den Wänden aufgelagert werden.
Eine originelle Konstruktion lenkt den Blick ins Freie. Die Bohlen begrenzen die Durchbiegung der Dachplatte, müssen aber nicht auf den Wänden aufgelagert werden.
Rechtzeitig im Jubiläumsjahr zum 50-jährigen Bestehen der Grundschule auf dem Tempelhofer Feld konnte im vergangenen Oktober die neue Mensa eingeweiht werden. Sie gehört zum Programm, mit dessen Hilfe Grundschulen im Land für den Ganztagesbetrieb ertüchtigt werden. Wenn auch ein kleines Vorhaben, so war es doch eine Herausforderung, den Mensabau innerhalb nur weniger Monate – in den Sommerferien – zu errichten. Drei Monate betrug am Ende die Bauzeit, etwa 300 Schüler nehmen nun die Ganztagsbetreuung in Anspruch. Mit dem Neubau wird der windmühlenartig in drei Gebäudeflügeln organisierte Hauptbau zur Straße hin um einen vierten, kürzeren Flügel ergänzt. Das Konzept, das möglichst viele zum Freien orientierte Flächen schafft und so Innen und Außen eng miteinander verwebt, wurde fortgeführt und erweitert. In der kleinen, feinen und mit viel Liebe zum Detail errichteten Mensa wird das Thema des Übergangs zwischen Innen und Außen auf vielfältige und originelle Weise behandelt. Eine große, über die Gebäudebreite geführte Glasfaltwand öffnet die Mensa zum Freiraum, über die Knicke in der Glaswand wird der Übergang komplexer und nuancenreicher. Jenseits der Glasfassade schließt ein Holzdeck an, lässt Öffnungen für die Bäume, die bereits vorher hier standen, und senkt sich zu einer Sandfläche hin ab.

	Durch die Konstruktion ergibt sich bei angeschalteter Beleuchtung ein Lichtspiel, das entfernt an eines unter Blattwerk erinnert. Im Sinne dieser Stimmung sind auch die dezenten Farben gewählt.

Durch die Konstruktion ergibt sich bei angeschalteter Beleuchtung ein Lichtspiel, das entfernt an eines unter Blattwerk erinnert. Im Sinne dieser Stimmung sind auch die dezenten Farben gewählt.

Das Dach der Mensa schiebt sich über den Baukörper hinaus ein Stück weit über das Holzdeck, seine sichtbare, außergewöhnliche Konstruktion vermittelt auf unkonventionelle Weise zwischen Innen- und Außenraum, zwischen Bäumen und Haus – reichen doch die Äste einer 50 Jahre alten Eiche über den Neubau. Statt einer üblichen Leimholzbinderkonstruktion wurde eine aus Konstruktionsvollholz entwickelt, in der kürzere Spanten aus Berliner Baubohlen (zwischen 80 und 380 Zentimeter lang) mit einer 50 Zentimeter starken Dachscheibe aus schichtverleimten Furnierplatten kraftschlüssig verbunden wurden, um deren Durchbiegung zu begrenzen. Die Spanten laufen nicht durch, sie werden nicht gestoßen, ein Spielraum entstand für verschieden lange Spanten und deren Abstand untereinander. Innerhalb dieser Regeln wurden die Spanten so angeordnet, dass sich eine Richtung ergibt, ein geordnete, rhythmische, aber keine starre Struktur, die an das Astwerk eines Baumes orientiert.
Ein Deck aus Eichenholz setzt den Innenraum fort und verbindet beide Zonen miteinander.
Ein Deck aus Eichenholz setzt den Innenraum fort und verbindet beide Zonen miteinander.
Bevor die Kinder in diesen großen Raum kommen, werden sie durch ein Foyer und einen Raum zur Ablage der Schultaschen in kühlen leichten, Blautönen geleitet, an den sich wiederum ein niedrigerer, introvertierter Übergang anschließt, der lediglich von einem Oberlicht erhellt ist. Dann erst betreten sie den sich zum Grün öffnenden Raum, aus dessen Wänden die Spanten zur Decke führen und von dort ins Freie leiten.
Christian Holl
Perspektive
Perspektive
Isometrie Lageplan und Grundriss mit Abwicklung der Wand- und Deckenflächen als Faltmodell.
Isometrie Lageplan und Grundriss mit Abwicklung der Wand- und Deckenflächen als Faltmodell.
Schnitt
Schnitt
Mensa der Schule
auf dem Tempelhofer Feld
2009

Schulenburgring 7
12101 Berlin

Auftraggeber
Bezirksamt
Tempelhof-Schöneberg


Architektur
ludloff + ludloff
Berlin

Projektleitung
Corinna Noack

Haustechnik
Riethmüller.Plan
Berlin
Matthias Rietmüller

Tragwerksplanung
Arup Ingenieure und Planer
Berlin

Bauphysik
Müller BBM
Berlin
Frank Hülsenberg

Akustik
Akustik Ingenieurbüro Moll
Berlin
Annika Moll

Bruttogeschossfläche
280 m2

Baukosten
800.000 Euro

Fotografie
www.christiangahl.com (1)
Werner Huthmacher (2, 3)





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Soeben wurde der Baulöwe Jürgen Schneider zum Theaterstar: Dadurch kommen sich Immobilienbranche und Baukultur durchaus noch nicht näher (http://www.theater-projekt-stuttgart22.de/SchneiderInhalt.html, Bild: Daniela Aldinger)
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