Schlichtung erfolgreich

Simone Hübener | 03.07.2012
Im Juli oder August soll die neue Kölner Zentralmoschee nun eröffnet werden. (Bild Wilfried Dechau)

Diese erfreuliche Nachricht wurde vergangenen Freitag auf einer Pressekonferenz in Köln bekannt gegeben. Denn die DITIB und Paul Böhm haben sich darauf geeinigt, dass sie bis zur Einweihung der neuen Zentralmoschee zusammenarbeiten werden und dass Böhm "der DITIB beratend zur Verfügung steht, um die Fertigstellung des Baus in gestalterischer Hinsicht zu begleiten" (siehe Pressemitteilung der DITIB vom 2.3.2012). Hinsichtlich der Baumängel, welche die DITIB beanstandet, soll ein unabhängiger Gutachter eingeschaltet werden und den Sachverhalt in einem "selbstständigen Beweisverfahren" klären. Nun darf man also wirklich darauf hoffen, dass die neue Zentralmoschee, die im Juli oder August eingeweiht werden soll, zum Vorzeigeprojekt wird.

Zur Chronik, die wir in der letzten Ausgabe des eMagazins veröffentlicht haben, erreichte uns noch am selben Tag ein Leserbrief. Diesen möchten wir Ihnen nicht vorenthalten:


Liebe Frau Hübener,
vielen Dank für Ihren heutigen Artikel im eMagazin von www.german-architects.com. Die Thematik ist sensibel und mir ist bewusst, dass es nicht einfach ist, einen Artikel über dieses hochemotionale Thema zu schreiben. Erlauben Sie mir dennoch einige Anmerkungen.
Sie schreiben in Ihrem Artikel Folgendes: "Bei der Bürgerbewegung 'pro Köln e. V.', die vom Verfassungsschutz beobachtet wird, stieß der Entwurf allerdings nicht auf Gegenliebe. Sie befürchteten (und tun dies bis heute) eine Islamisierung, bezeichneten die DITIB auf ihrer Webseite als verlängerten Arm der türkischen Regierung in Deutschland (tatsächlich untersteht die DITIB der Regierung in Ankara) und sammelten 20.000 Unterschriften gegen das Projekt. Im Mai 2007 jedoch scheiterte das Bürgerbegehren aus rechtlichen Gründen."
Dazu möchte ich Sie auf Folgendes hinweisen: Bei der sogenannten "Bürgerbewegung pro Köln e.V." handelt es sich um eine hochgradig rechtsextremistische und islamophobe Wählergruppe. Im Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen wird die Gruppe wie folgt beschrieben: "Das Oberverwaltungsgericht Münster stellte dazu fest, dass 'hinreichende tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht von Bestrebungen des Klägers [pro Köln] gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung vorliegen', die diese Überwachung rechtfertigen. Seit 2011 wird sie im Verfassungsschutzbericht NRW als verfassungsfeindlich eingestuft." (Quelle: wikipedia.de, 29.2.2012)
Somit müsste die Bezeichnung "Bürgerbewegung" ebenfalls in Anführungszeichen gesetzt werden. Zudem fehlt eine Erwähnung bezüglich der "rechtsextremistischen und islamophoben" Bestrebungen dieser populistischen Wählergruppe. Denn darum handelt es sich, um eine Wählergruppe, welche mit den islamophoben Ressentiments vieler rechtskonservativer Bürger spielt. Sie haben nicht einfach nur 20.000 Unterschriften gesammelt. Gerade der Bau der Kölner Zentralmoschee wird von diesen Populisten missbraucht, um gegenüber der muslimischen Bevölkerung in Köln Hass zu schüren.
Sie wiederholen in Ihrem Artikel zudem die gern genutzte Parole von "pro köln e.V." und allen anderen islamophoben Vereinigungen in Deutschland, dass die DITIB der verlängerte Arm der türkischen Regierung in Deutschland sei, und bestätigen dies in Ihrem Kommentar " (tatsächlich untersteht die DITIB der Regierung in Ankara)". Nach selbiger Theorie ist die gesamte "Katholische Kirche" der verlängerte Arm der römisch/ vatikanischen Regierung und versucht seit Jahrhunderten den deutschen Staat zu unterwandern.
Meiner Meinung nach kommt Ihr Artikel auch gut ohne den gesamten von mir genannten Abschnitt aus, sofern Sie nicht die rechtsextremistischen Bestrebungen und die hetzerische Kampagne als solche auch erwähnen. Ich möchte mir nicht ausmalen, wie es wäre, wenn es zur Praxis wird, "Meinungen" rechtsextremistischer Vereinigungen in Artikeln zu erwähnen und diese auch noch eine Bestätigung finden (sei es nur in einem Teilbereich).
Ich hoffe Sie verstehen meine Einwände und überdenken diesen von mir angesprochenen Passus in Ihrem Artikel.
Beste Grüße,
Luigi Pantisano

Passend zum Thema und mit Paul Böhm als einem der Referenten veranstalten der Bund Deutscher Architekten BDA gemeinsam mit dem türkischen Architektenverband TSMD im Deutschen Architektur Zentrum DAZ am 12. März ein Symposium mit dem Titel "East in West". Laut Ankündigung "soll die transformative Beziehung zwischen östlichen und westlichen Kulturen und deren architektonische Ausprägung im städtischen Kontext" diskutiert werden. Weitere Informationen finden Sie hier.