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Leichtgewicht mit Schwierigkeiten

Simone Hübener | 02.08.2012 | Personen, Preise, Pointen
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Die Wohnbebauung in der Hamburger Bebelallee 64-70 bekam von blauraum architekten eine aufs Dach. Insgesamt 47 neue Wohnungen in Holzbauweise mit Treppenhäusern aus Beton entstanden auf den sechs Baublöcken. (Bild: Martin Schlüter)
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Ohne Computer geht bei den Projekten, die Fabian Scheurer von designtoproduction aus Zürich und sein Team realisieren, gar nichts. Bei einem Projekt in Norwegen beispielsweise wurden 14.000 verschiedene Bauteile vorgefertigt. (Bild: Simone Hübener)
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Die Studenten beim Bau des Pavillons (Bild: Projektteam, bestehend aus Institut für Computerbasiertes Entwerfen, Institut für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen und Kompetenznetz Biomimetik Baden-Württemberg)

Holz ist ein nachhaltiges, leichtes und sehr tragfähiges Material, das sich beim Bau von Einfamilienhäusern bereits einen Namen gemacht hat. Doch wie sieht es aus, wenn die gewohnten Pfade verlassen werden, Holz bei viel komplexeren und größeren Projekten verwendet werden soll? Mit solchen "aktuellen Highlights im Holzbau" (so die Ankündigung) beschäftigte sich das Architekturforum Holz³, das von der Gesellschaft für Handwerksmessen GHM und dem Baunetz auf der diesjährigen Dach + Holz veranstaltet worden ist. Eingeladen hatte man Referenten aus verschiedenen Bereichen des Bauwesens, die alle in 45-minütigen Referaten von mehr oder minder aktuellen Projekten und Forschungsvorhaben sowie den Vorteilen und Schwierigkeiten des Bauens mit Holz berichteten. Die Tatsache, dass gerade auch die Schwierigkeiten deutlich herausgestellt wurden, machte die Veranstaltung sehr interessant und informativ und ließ sie nicht zu einer Werbeshow für das Bauen mit Holz verkommen.
So halten sich bei vielen Investoren beispielsweise hartnäckig Vorurteile gegenüber Holzkonstruktionen, da sie diese mit hohen Wartungskosten in Verbindung bringen. Jahrzehnte alte Holzbauten belehren da eines besseren. Der Brandschutz ist – gerade bei größeren Projekten – nach wie vor ein wichtiges Thema, bei dem auch die Behörden gefragt sind. Bei Projekten mit vielen vorgefertigten Teilen verschiebt sich der Arbeitsaufwand von der Baustelle hin zur Planung, was nicht deckungsgleich mit der aktuellen HOAI ist. Und nicht zu vergessen sind kompetente Handwerker, die laut Volker Halbach von blauraum in Hamburg und Fabian Scheurer von designtoproduction in Zürich eigentlich nur noch in Österreich, Südtirol, der Schweiz und Süddeutschland zu finden sind. Dies führt teilweise zu recht kuriosen Begebenheiten: Für den Bau des Haesly Nine Bridges Golf Clubs in Südkorea wurden die Handwerker aus der Schweiz eingeflogen. Vor Ort war niemand zu finden, der die nötige Qualität hätte gewährleisten können.
Sind all diese Probleme erst einmal überwunden, zeigt sich die ganze Schönheit dieses Materials, welche die Teilnehmer anhand von unterschiedlichen Projekten präsentiert bekamen. Ausschließlich von Projekten bestimmt (von einer Ausnahme abgesehen) war der Vortrag von Christian Roedel von der IBA Hamburg, der deshalb auch sehr an der Oberfläche des Themas hängen blieb. Welche Möglichkeiten, aber auch Probleme das Material später bei der Realisierung mit sich bringen wird, muss sich noch zeigen. Das Treehouse Bebelallee in Hamburg von blauraum architekten besticht durch seine Schindelfassade, für die ein Handwerker aus Südtirol 1,4 Millionen Schindeln mit 2,8 Millionen Stahlnägeln angebracht hat. Bei den Projekten von Fabian Scheurer dominierten aufwändige, computergesteuerte Prozesse die Herstellung tausender vorgefertigter Elemente, die wie ein riesiges Puzzle auf der Baustelle zusammengesetzt wurden. Denn oftmals passte jedes Teil nur an eine Stelle. Sehr viel übersichtlicher, aber nicht weniger interessant ging es beim Einfamilienhaus JustK von Amunt aus Stuttgart und Aachen zu – ein äußerst kompaktes Wohnhaus (138 m² Wohnfläche) für sechs Personen. Im Innern wurde das Brettsperrholz nicht mit Gipskarton beplankt, sondern geschliffen und teilweise mit Weißseife behandelt. Achim Menges von der Uni Stuttgart stellte zum einen die beiden Forschungspavillons aus den Jahren 2010 und 2011 vor und darüber hinaus auch klar, worin der Unterschied zwischen computergesteuertem und computerbasiertem Entwerfen liegt. Bei ersterem ersetzt die Maus den Zeichenstift, der Bildschirm das Papier. Ansonsten bleibt alles beim alten, sprich die Eigenschaften des Baumaterials spielen keine große Rolle. Beim computerbasierten Entwerfen hingegen bestimmt das Materialverhalten wesentlich den Entwurf. Und genau so soll und muss es beim Bauen mit Holz sein. Denn dann können seine Vorteile voll ausgeschöpft und die Probleme möglichst früh gelöst werden.

Wer selbst ein Projekt in seinem Portfolio hat, bei dem überwiegend Holz "in technisch einwandfreier Konstruktion" verwendet worden ist, der kann sich damit noch bis zum 12. März um den Holzbaupreis Baden-Württemberg 2012 bewerben.

Am 17. Februar und am 16. März bietet binderholz Bausysteme in Stuttgart und Kösching jeweils das Seminar "Möglichkeiten des massiven Holzbaus" an. Zu Wort kommen hauptsächlich externe Referenten und nur einmal der Geschäftsführer und der Vertriebsleiter des Unternehmens.

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