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Abschiede

Christian Holl | 09.01.2010 | Personen, Preise, Pointen
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(Photo: Benjamin Pritzkuleit; Carsten Nicolai, VG Bild-Kunst, Bonn 2010)
Auch die Fassade war Kunstwerk: Zuletzt gestaltete sie Carsten Nicolai mit der Arbeit autoR

Die kurze schöne Zeit, in der aktuelle Kunst eine Hauptrolle in Berlins Zentrum spielte, ist schon wieder vorbei: Die temporäre Kunsthalle ist seit dem 31. August 2010 geschlossen und wird noch im September vom Schlossplatz verschwinden; zwei Jahre hatte sie dort gestanden, sie war ausschließlich privat finanziert worden. Sie wird also nicht mit der Humboldt-Box in Konkurrenz treten, die über den Neubau des Humboldt-Forums unterrichtet. Der Rohbau dieser immer hin 28 Meter hohen "Box" (Architekten: Krüger Schuberth Vandreike) steht bereits; auch wenn im Moment noch offen ist, wann das Humboldt-Forum eigentlich errichtet werden wird; die Finanznot zwang bekanntermaßen dazu, dass man den Baubeginn erst mal aufschiebt, vor 2014 läuft nichts. Wer die Box-Baukosten trägt, ist offen; sie sollten zu einem nicht unwesentlichen Teil durch Werbung an den Baugerüsten und am Bauzaun des Humbordt-Forums finanziert werden, die es ja nun genauso erst einmal nicht geben wird. Zwar weiß man ja gerade hier, dass man für ein Gerüst keine Baustelle braucht. Statt einer Schlossattrappe an Gerüst wäre eine Werbung an Baugerüst ohne Bau einmal ein ganz besonderes Exemplar zum Thema "Wahrheit in der Architektur", aber so viel Ehrlichkeit wäre dann den Schlossfreunden zuviel des Guten.
Statt weiter zu spotten, soll aber an dieser Stelle eine Persönlichkeit gewürdigt werden, die sich für den Erhalt von Baudenkmälern eingesetzt hat. Seit 1992 war Georg Adlbert Geschäftsführer der Wüstenrot Stiftung; altershalber wird er – ebenfalls zum 31. August – dieses Amt abgeben, Philip Kurz wird ihm folgen. Für die Baukultur in Deutschland ist die Wüstenrot Stiftung ohne Zweifel einer der wichtigsten privaten Akteure. Sie finanziert seit 20 Jahren Stiftungsprofessuren, Forschungsprojekte, Gestaltungswettbewerbe – und eben das Denkmalprogramm, dem etwa das Corbusier-Haus in Stuttgart wie das Stadtbad in Halle, der Einsteinturm bei Potsdam wie der Kanzlerbungalow in Bonn die denkmalgerechte Sanierung verdanken; andere wurden durch Zuwendungen unterstützt. Wir wünschen Herrn Adlbert von Herzen einen langen und erfüllten Ruhestand und seinem Nachfolger alles Gute im neuen Amt. ch

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