Wunderschöne Kirchen


"Kunst am Bau" suggeriert – oft zu Recht –, dass der Bau in der Regel keine Kunst sei und zusätzlicher Kunst bedürfe, um ein bisschen aufgewertet zu werden. Eine vorzügliche Ausstellung der Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst in München, die sich regelmäßig der Architektur annimmt, zeigt bis zum 10. Juni einfach schöne Beispiele, in denen man Kunst und Bau überhaupt nicht auseinander dividieren mag. Aus Anlass des 50. Todestages des Kirchenbaumeisters Rudolf Schwarz (1897-1961) konzentriert sich die Ausstellung mit Fotografien von Klaus Kinold auf die Kirchen, die Rudolf Schwarz seit den 1920er Jahren baute und zwar immer mit Kollegen, die er zum Teil aus gemeinsamer Ausbildung (Anton Wendling beispielsweise von der Kunstgewerbeschule Aachen) kannte oder als Meister ihres Faches ohnehin schätzte. Ob es die Fenster sind (Anton Wendling in der Kapelle Burg Rothenfels, Georg Meistermann in der Pfarrkirche St. Michael in Frankfurt oder Heilig Kreuz in Essen, Ludwig Schaffrath bei St. Anna in Düren, Wilhelm Buschulte bei St. Maria Königin in Saarbrücken) oder Steinreliefs, Einrichtungen oder Mosaike: Der Anspruch von Rudolf Schwarz an den Raum durchdringt den Kirchenbau als Gesamtkunstwerk, für den er auch eigentümliche Worte fand: die Rede ist beispielsweise von Raum als "heiliger Überfluss", "Weltbehälter" oder der Kirche als "heiliger Reigen". Wiederentdecken muss man Rudolf Schwarz nicht, aber gerade die Zusammenarbeit mit Künstlern anderer Genres verdient Aufmerksamkeit. Wird doch der Baukunst dieser Jahre immer mal wieder Schmucklosigkeit und allzu weltliche Nüchternheit vorgeworfen. Für den Kirchenbau gilt dies sicher nicht, und für Rudolf Schwarz erst recht nicht. Das Einfache, Schlichte adelte Schwarz mit seinen Künstlern zu einer poetischen Baukunst, in der die Werte des Materials, die Ausdruckskraft von Konstruktionen, die Strahlkraft von (farbigem) Licht und stimmigen Formen zu überzeugender Einheit zusammengeführt sind, wie sie in der Baugeschichte selten vorkommt.
In München beeindrucken in besonderem Maße die 25 Fotografien von Klaus Kinold, die auf Barytpapier bis zu einer Größe von 3 mal 1,5 Metern abgezogen sind. Bleibt zu beklagen, dass die schönen Räume der Galerie bedroht sind: Eigentümer Siemens möchte das gesamte Quartier, in dem sich auch die Galerie befindet, abreißen und eine neue Konzernzentrale bauen. Ob darin Platz für die DGFCK sein wird, darf man bezweifeln. ub
Bis 10. Juni in der DGFCK, Wittelsbacher Platz 2 (Eingang Finkenstraße), München, Mo-Fr 14-18 Uhr.


