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Ingenieurbau – Kunst?

Ursula Baus | 02.16.2011 | Personen, Preise, Pointen
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Félix Candela (Bild: Pressebild TU Berlin)
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Fritz Leonhardts Köln Deutzer Brücke von 1946-48 in einem Foto von Hugo Schmölz (Bild: Pressebild saai)
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Mario Rinke, Joseph Schwartz (Hrsg.): Before Steel. The introduction of structural iron and its consequences. 236 Seiten, ca. 200 Abbildungen, 16 x 24 cm, Hardcover, englisch, 40 Euro, ISBN 978-3-7212-0756-9

Félix Candela (1910-97) gehört zu den großen Konstrukteuren, die man selbstverständlich kennt. Insofern ist die Ausstellung zu seinem 100. Geburtstag, die in seiner Heimatstadt Madrid entstand und bis zum 1. März an der TU Berlin gezeigt wird, keine Entdeckungsdokumentation. Sie darf aber als Wiederentdeckung gewertet werden, mit der einmal mehr die Vielfalt hervorragender Baukultur aus den 1950er und 1960er Jahren ins Gedächtnis gerufen wird. Candela war zwar als Architekt ausgebildet, begeisterte sich aber für die Arbeiten des Bauingenieurs Eduardo Torroja (1899-1961) und widmete sich fürder dem Betonschalenbau. Begleitend zur Ausstellung gibt es drei Vorträge: am 1. und 15. Februar sowie am 1. März, jeweils 18 Uhr an der TU, Gebäude 13b, Hörsaal B.
Sehr sehenswert ist auch die Ausstellung "Fritz Leonhardt: Die Kunst des Konstruierens", die in Karlsruhe und Berlin schon gezeigt wurde und nun vom 16. März bis zum 21. April in Weimar gastiert (Bauhaus-Universität, im oberen Foyer des Hörsaalgebäudes, Marienstraße 13). Das gesamte Spektrum des Ingenieurbaus, in dem Leonhardt (1909-99) tätig war, ist hier mit Modellen sowie ausgezeichneten neuen und alten Fotografien und Plänen aufgearbeitet. Mehr und mehr, aber leider immer noch viel zu wenig begreifen Ingenieure, dass sie sich mit ihrer Berufsgeschichte mehr in die Öffentlichkeit wagen müssen – nicht etwa im PR-Sinne, um sich bessere Marktchancen zu erschließen oder an Renommee zu gewinnen. Vielmehr sind sie der Gesellschaft Rechenschaft über ihren Berufsstand, ihr Berufsethos und ihre Berufsgeschichte schuldig.
In dem Zusammenhang sei auf ein neues Buch aus dem Kreis der ETH Zürich hingewiesen, in dem ein bautechnisches Thema (Baustoff Eisen) weiter als üblich gefasst wird und das wechselhafte Verhältnis zwischen Architekt und Ingenieur sowie deren jeweiliges Selbstverständnis einbezogen sind. In "Before Steel" rückt der historische Kontext an einen gebührenden Platz im Bauingenieurwesen. Die Aufsatzsammlung liefert facettenhaft einen Einblick in die frühe Zeit der Architektur mit und aus Eisen, ihre Bedeutung für statische Wissenschaften, die allmähliche Profilierung des Ingenieurs gegenüber dem Architekten. So schön das Buch gemacht ist – elegantes und abwechslungsreiches Layout, passable Fotos, guter Druck und ausklappbare Bilderbögen –, so sehr vermisst man einen deutschen Text. Sollte doppelte Textmenge ein Problem sein, könnten Verlage auch mit Downloads verschiedener Sprachfassungen den Lesern einen willkommenen Dienst erweisen. ub

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