„Einhaus“ am Hang

Peter Petz | Podest | 04.04.2012
Harter und Kanzler Architekten gewinnen den Wettbewerb um die Zweizügige Realschule im Markt Murnau. Ludwig Harter stellt sich unseren Fragen zum Wettbewerb.
Ansichten, Skizzen
Welche Vorstellung von Schule/Lernen liegt Ihrem Entwurf zugrunde?
Maria Montessori, Hartmut von Hentig oder Sonja Riegel: So unterschiedlich die pädagogischen Konzepte im Einzelnen auch sein mögen, allen gemeinsam ist die Überzeugung, dass Lernen durch Baulichkeit gefördert wird, die von stimulierender Vielfalt und integrativer Offenheit geprägt sind, durch Räumlichkeiten die nicht einen, sondern viele Wege und Möglichkeiten bieten zur Erfahrung, Austausch, Wahrnehmung und kreativem Lernen.
Die Schule hat als öffentliches Haus bezüglich seiner Außendarstellung einen Vorbildcharakter wahrzunehmen.
Lagepläne, 2- und rechterhand 3-zügig
Wie sind Sie mit der vorgefundenen Topografie umgegangen? Wie gestalten Sie sie Freiräume?
Der Topografieverlauf des Grundstücks wird in den Entwurf integriert und sowohl innerhalb des Gesamtensembles mit seinen Außenflächen, als auch im Inneren des Gebäudes erlebbar gemacht. Das Hanggrundstück hat eine Höhendifferenz von ca. 7 m von Ost nach West. Dementsprechend staffeln sich die Freiräume auf 3 funktional differenzierte Ebenen.
Durch die Gebäudestellung mit dem zurückgeschobenen östlichen Annex entwickelt sich ein großzügiger Eingangshof, während der Pausenhof, der Topografie folgend, sich bis tief unter das hangabwärts auskragende Volumen der Schule schiebt. Der nach Westen fallende Hang wird leicht modelliert und durch eine Natursteinmauer abgefangen. Nach Süden, zur Weindorfer Straße wird der Pausenhof über eine übergrünte, schattenspendende Pergola räumlich gefasst. Die Sporthalle, als späterer Bauabschnitt am Fuß des Hanges, ist bereits in das Freiraumkonzept integriert.
Schnitt Pausenhofebene
Wie organisieren Sie die Zwei/Dreizügige Realschule?
Zentrales Element der Schule ist die über alle Geschosse „durchgesteckte“ lichte Halle. Das gesamte Raumkontinuum erschließt sich über Galerien um das innere Atrium. Aus der Gebäudetypologie resultiert eine übersichtlich organisierte Grundrissstruktur mit einfacher Orientierung und vielseitigen innenräumlichen Beziehungen und interessanten Ausblicken in die Landschaft.
Ansicht, Erdgeschoss
Ansicht, Schnitt, 1. und 2. Obergeschoss
Welches architektonische Thema war Ihnen besonders wichtig?
Die Klarheit eines „Einhauses“ am Hang, sowie direkte Verbindungen zwischen Innen-, und Außenräumen lassen einen Ort der Identifikation entstehen, der infolge seiner städtebaulichen Präsenz eine bleibende Adresse für die Schüler hinterlässt.
Die Schule ist so gesetzt, dass einerseits der Außenraum an attraktiven Stellen großzügig durch das Gebäude „hindurchwirkt“, andererseits Orientierung und Transparenz der Innenräume präzise auf die reizvolle umgebende Landschaft reagiert.
Fassadendetail
Welche Materialstrategie schlagen Sie vor?
Das Bauwerk soll in seiner Ganzheit geprägt sein von klaren, einfachen Details. Die Natürlichkeit der Materialien bestimmt das Farbkonzept.
Die Außenhaut aus zum Beispiel geschichtetem Naturschiefer, sorgt für ein natürliches und zugleich prägnantes Erscheinungsbild. Der Nutzung zufolge werden robuste, langlebige Materialien eingesetzt, die im Zusammenhang von Investitionskosten und Bauunterhaltungskosten stehen und gleichzeitig ein „würdiges“ Altern voraussetzen.
Modell (Foto: stadt.bau.plan GmbH, Darmstadt)
Gibt es schon einen geplanten Fertigstellungstermin?
Fertigstellungstermin 1. BA: August 2014

Die komplette Wettbewerbsdokumentation finden Sie in
wa 04/2012
Zweizügige Realschule im Markt Murnau
Begrenzt offener Wettbewerb mit Bewerbungsverfahren

Jury
Prof. Dr. Thomas Jocher, Vors.
Prof. Hans Klumpp
Christoph Schreyer

1. Preis
Harter und Kanzler Architekten
Freiburg

2. Preis
Behnisch Architekten
München

3. Preis
Kramm Architekten
Stuttgart