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Heile, heile Zähnchen

Hinter einer unscheinbaren Fassade fällt der Blick in die ebenerdige Kinderzahnarztpraxis.
Hinter einer unscheinbaren Fassade fällt der Blick in die ebenerdige Kinderzahnarztpraxis.
Die Angst vor dem Zahnarzt sitzt bei manchen Menschen tief, denn die Torturen, die früher mit der Zahnbehandlung verbunden waren, sind legendär. Man denke nur an Thomas Manns Romane, in denen die Zahnheilkunde noch eine unrühmliche Rolle spielen musste. Heute tut bei einer Behandlung durch den Zahnarzt kaum noch etwas weh, aber wer weiß das schon? Um – nicht nur – bei Kindern erst einmal gar keine Angst aufkommen zu lassen, muss man sie ablenken. Auf diese Binsenweisheit mit eine Praxisgestaltung zu reagieren, ist leider immer noch nicht üblich. Das war die Aufgabe der Architekten, die aus einem einstigen Sonnenstudio diese kleine Praxis machen sollten: Eine Art Fantasiewelt zu inszenieren, damit die Kinder nicht mehr an die Zähne, sondern an eine andere Welt denken.
 Im linken Bild ein Behandlungszimmer, rechts der Erschließungsgang.
 Im linken Bild ein Behandlungszimmer, rechts der Erschließungsgang.
Der Pinguin begleitet die Zahnarztpraxis wie ein Maskottchen schon aus früheren Projekten. Er begleitet die kleinen Patienten, die vom Milchzahn- bis zum Zahnspangenalter behandelt werden (maximal 18 Jahre), in eine "arktische Landschaft", die konsequent vom Eingang bis ins neu erschlossene Untergeschoss inszeniert ist. Drei Behandlungszimmer, eine kleine Stube zum Aufwachen nach Narkosebehandlung und die üblichen Nebenräume sind auf schmaler Grundrissfläche geschickt untergebracht, so dass die Enge der Parzelle vergessen wird. Nur die Schranktüren sind in der Senkrechten, dazwischen darf man sich wie zwischen Eisbergen fühlen.
Rechterhand die Schrankwand mit einem Feld für die Lesekundigen, rechts der Blick zur Decke.
Rechterhand die Schrankwand mit einem Feld für die Lesekundigen, rechts der Blick zur Decke.
Im Untergeschoss, das mit einem Deckendurchbruch räumlich dem Eingangsraum zugeschlagen wurde, dürfen sich die Kinder in Wartezeiten austoben. Stück um Stück soll es weiter renoviert und umgenutzt werden – das Umbaugeld muss erst einmal weiter verdient werden. Das Konzept, mit einer architektonischen Fantasiewelt-Inszenierung Patienten vom Übel des Schmerzes, der sich perfide im Gedächtnis festsetzt, abzulenken, könnte auch für "normale" Praxen und Krankenhäuser eine zunehmende Rolle spielen. Architektur muss mit den medizinischen und therapeutischen Erkenntnissen einfach Schritt halten.
Ursula Baus
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Untergeschoss
Grundriss Untergeschoss
Schnitt
Schnitt
„der milchzahn“
Praxis für Kinderzahnheilkunde
2012

Hauptstraße 17
70839 Gerlingen

Bauherr
Dr. Alexander Widmann
Sielmingen

Architekt
12:43 Architekten
Stuttgart

Projektleiter
Steffen Bucher

Bauleitung
12:43 Architekten

Tragwerksplanung
BfB Weipert
Stuttgart

Lichtkonzept
Candela Lichtplanung
Stuttgart

Grafikdesign
Imparts-design
Sielmingen

Fachplanung Dentaltechnik
BF Praxisplan GmbH

Bruttogeschossfläche
125 m²

Baukosten
150.000 Euro Brutto

Fotografie
Christina Kratzenberg






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