Kein kühler Schuppen

Die Gartenmauer, in der die Eingangtür versteckt ist, wird auf der einen Seite zum Sockel, auf der anderen zum Tor für die große Doppelgarage.
Architektonisch bis ins letzte Detail gestylte Wohnhäuser vermitteln bisweilen den Charme eines Kühlschranks. Man fröstelt schon beim Gedanken daran, hier leben zu müssen. Die Oberflächen sind glatt und wirken kühl, die Möbelstücke haben ihren festen Platz und wollen am besten nicht von der Stelle bewegt werden, alles ist aufgeräumt wie in einem Museum. Die Villa Mainblick in Kelkheim im Taunus überrascht dagegen mit einer gelungenen Kombination aus einer klaren architektonischen Sprache und einer Einrichtung, die weiche Materialien und runde Formen prägen. Dies erzeugt eine gemütliche, wohnliche Atmosphäre.
Wer sich von der Hauptstraße dem Haus nähert, bekommt allerdings zuerst einen völlig anderen Eindruck. Denn fast ohne Fenster präsentieren sich die lange Ost- und die schmale Südfassaden. Das Badezimmerfenster hat der Architekt hinter einer der Fassade vorgesetzten Wand versteckt, die wie eine Schublade aufgezogen zu sein scheint. Die Westfassade ist dagegen großzügig verglast, gibt den Blick frei auf die nahe gelegenen Berge und lässt viel Tageslicht ins Haus.
Der rohe Estrich belebt mit seiner Struktur den ansonsten sehr ruhig wirkenden Raum.
Durch eine kleine Tür in der mit Blechen verkleideten Gartenmauer gelangt man in den geschützten Innenhof und von dort in den großzügigen, hellen und offenen Eingangsbereich. Die hellgrauen und reinweißen Wänden, Decken und Böden kombinierte der Architekt mit einem hochflorigen Teppich in einem warmen Dunkelbraun, der in die Trittstufen der Treppe eingelegt ist, einen angenehmen Kontrast erzeugt und dem Raum die nötige Wohnlichkeit zu verleiht.
Der Küchenblock mit Spüle, Herd und Arbeitsplatte und der offene Kamin sind miteinander zum zentralen Gestaltungselement des Hauses verbunden.
Auch im Wohn-Essbereich, im Arbeitszimmer und in den privaten Räumen im Obergeschoss setzt sich dieses Spiel zwischen kühler Architektur und wohnlicher, geradezu einladender Einrichtung fort. Das Sofa gleicht einer Erholungsinsel, die so gestaltet ist, dass man von zwei Seiten darauf Platz nehmen kann.Einmal blickt man hinaus in den Garten, das andere Mal auf eine fensterlose Wand, an der ein großer Flachbildfernseher angebracht ist. Der große runde Esstisch wartet geradezu auf die Gäste. All diese Elemente tragen dazu bei, dass man sich in diesem Haus wirklich wohl fühlt.
Simone Hübener
Das Arbeitszimmer ist direkt an den Wohn-Essbereich angegliedert. Mittels einer Schiebetür, die hinter einem großen Schrank versteckt ist, lässt es sich aber auch abtrennen und somit ungestört nutzen.
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Obergeschoss
Querschnitt mit Blick nach Süden
Villa Mainblick
2011

Kelkheim / Taunus

Bauherr
privat

Architekt
cma cyrus I moser
Frankfurt

Maßgeblich beteilgte Fachplaner
Baucon Ingenieure

Maßgebliche Firmen / Produkte
Deltalight: Link / Ultra In / Ultra Twin
Dornbracht: Supernova / Elemental Spa
Royal Mosa / Via Tiles
Varenna Lange Innenausbau
Himacs
Annen Fenster
Militzer Treppen
Rosskopf & Partner
R&S Metallbau
Schreinerei Priester

Nettowohnfläche ohne Keller
246 m² + Terrassen

Fotografie
cma