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Neues Band durch alte Mauern

Eine neue Zugangsrampe bereichert den öffentlichen Raum.
Eine neue Zugangsrampe bereichert den öffentlichen Raum.
Kamp-Lintfort muss man eigentlich nicht kennen. Am Niederrhein gelegen, wuchs die Großgemeinde mit dem beginnenden Bergbau, der auch Siedlungen und zum Teil ansehnliche Ziegelarchitektur bescherte. Aber die Ortsmitte ist ein schauderhafter Verhau von Verwaltungs- und Kommerzbauten aus den 1960er bis 1990er Jahre, so dass man für jedes Projekt dankbar ist, das den öffentlichen Raum auch mit seiner Geschichte reizvoll erhält. Die Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft Grafschaft Moers nahm sich für ihren neuen Sitz eines Altbaus an, der nicht einmal denkmalgeschützt war und ließ ihn von jungen Architekten passgenau umbauen – ein kluger Entschluss, dessen Ergebnis überzeugt. Eine Perle der Baukunst mag das 1913 gebaute Schulhaus nicht gewesen sein, aber es weist Qualitäten auf, an denen die Architekten anzuknüpfen wussten.
Der Empfangstresen – im Boden erkennt man das dezent verlaufende "Band".
Der Empfangstresen – im Boden erkennt man das dezent verlaufende "Band".
Am Eingang bereichert jetzt eine neue, elegant modellierte und beleuchtete Rampe den öffentlichen Raum. Früher lag der Schuleingang auf der rückwärtigen Seite, jetzt betritt man den Bau in der Hauptachse und wird dann nach rechts zum Empfang geleitet. Schon hier lässt sich das Entwurfsmotiv der Architekten erkennen – ein neues Band, entlang dessen sich der Umbau und die Umnutzung erschließen. Der Umbau kam einer Kernsanierung gleich und manifestiert sich trotzdem wie eine dezente Innenausstattung. Die Einrichtung – gläserne, in Holzrahmen gefasste Innenwände und -türen, außerdem Tische, Tresen und ornamentierte Deckenelemente – wurde von den Architekten komplett selbst entworfen.
Konferenzzimmer; die Fenster werden bei Medienpräsentationen mit Holzfaltelementen abgedunkelt. Das Band der Erneuerung zieht sich ins Mobiliar hinein.
Konferenzzimmer; die Fenster werden bei Medienpräsentationen mit Holzfaltelementen abgedunkelt. Das Band der Erneuerung zieht sich ins Mobiliar hinein.
Nicht zuletzt dank eines alten Fliesenbodens, der erst bei der Sanierung "auftauchte", fügen sich Alt und Neu zu einer angenehmen, sympathisch bescheidenen, aber gestalterisch anspruchsvollen Atmosphäre. Funktional und im Erscheinungsbild ist es den Architekten gelungen, Materialien und Formen passend zur alten Bausubstanz zu neuer Einheitlichkeit zu fügen. Die Entscheidung der Bauherrschaft, auch einen nicht denkmalgeschützten Bau im Interesse eines stadträumlichen Zusammenhangs und kontinuierlicher Substanzpflege zu erhalten und neu zu nutzen, muss man hoch schätzen.
Ursula Baus
Transparenz durch nahezu raumhohe Glastrennwände.
Transparenz durch nahezu raumhohe Glastrennwände.
Lageplan
Lageplan
Erdgeschoss
Erdgeschoss
Obergeschoss
Obergeschoss
Wilhelmschule, Isometrien
Wilhelmschule, Isometrien
Wilhelmschule
Umnutzung und Modernisierung zu
einem Bürogebäude
2011

Wilhelmstraße 45
47475 Kamp-Lintfort

Auftraggeber
Grafschaft Moers
Siedlungs- & Wohnungsbau GmbH
Kamp-Lintfort

Architektur
bob-architektur
Köln

Projektleitung
Karl-Friedrich Horrer

Bauleitung
Grafschaft Moers
Herr Lehmann

Tragwerksplanung
Ingenieurbüro Mentges
Siegburg

Landschaftsarchitekten
johannes böttger büro urbane gestalt
Köln

Rohbau
Fa. Klein
Kamp-Lintfort

Fassaden
Fa. van Heekeren

Bruttogeschossfläche
1.450 m²

Baukosten
1,1 Mio. €

Fotografie
Matthias Zosel, Wibke Scharpenberg

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