Fifties reloaded

Fünfziger-Jahre-Ensemble am Dom: rechts das Domforum, in der Bildmitte das 4711-Haus.
Es war einmal eine Bank: Als solche hatte Fritz Schaller 1951-54 das Gebäude an der Ecke gegenüber der meistbesuchten Kirche Deutschlands gebaut, und sein Sohn Christian Schaller veränderte diese Bank für Gemeinwirtschaft bereits 1995-96 zum Informations- und Begegnungszentrum der katholischen Kirche. Für die Schnittstelle zwischen profanem und kirchlichem Weltverständnis sollte dieses Domforum nun verändertem Nutzungsanspruch gerecht werden, und als vorbildlicher Bauherr lobte die Kirche einen Wettbewerb aus, den Martini Architekten gewannen. Wie der Besuch des Papstes in der vergangenen Woche zeigte, muss die Kirche sich öffnen, damit neue Schäfchen bei ihr eine Heimat suchen. Am äußeren Eindruck des denkmalgeschützten Hauses ließ sich nur durch die von Anfang an großflächig verglaste Erdgeschossfassade etwas inszenieren: ein neues, helles und einladendes Foyer.
Die Empfangstheke im jungfräulichen Zustand, wie ihn die Architekten hinterließen, und ....
... in der alltäglichen Benutzung, die sich beim Besichtigen bot.
Ausnahmsweise stellen wir bei der Präsentation vom Bau der Woche mal Profi- und Amateurbild gegenüber. Gezeigt werden soll, wie wichtig eine angemessene Pflege für ein halböffentliches Gebäude wie das Forum ist. Ich kam durch das "Vorfoyer" hinein, in dem – von den Architekten klug positioniert – eine Infotheke mit allerlei Faltblättern, Prospekten, Programmen und so weiter eingerichtet wurde. Dann betritt man links das Hauptfoyer an seiner strahlend weißen, elegant geschwungen Theke aus Corian. Davor stand ein ordinärer Mülleimer, und es fiel der Blick auf vieles, was auf der Theke nichts verloren hat: Blumenstrauß (links), Küchenuhr (rechts), Süßigkeiten, Prospekte und vieles mehr. An der "Beratungsinsel" klebte ein mediokres Plakat, neben ihr standen Getränkekästen, auch auf den Tischen störten unterschiedliche Serviettenständer, die als Infoblattständer missbraucht waren – genau dafür gibt es eben das Vorfoyer. Weil ich mit der Kamera dieses alles aufnahm, kam eine freundliche Domforumsmitarbeiterin auf mich zu, der ich den Kritikermissmut an diesem Vollräumen gern erklärte. Nach einem heiteren Gespräch sammelte sie vieles gleich ein – Nutzer einer anspruchsvollen Architektur begreifen sofort, worauf es ankommt.
Blick vom Eingang ins Forum
Doch zurück zum Umbau der Architekten und dem Konzept der Lichtplaner. Kreuzförmige Unterzüge und ein stilisiertes Kreuz in der Gliederung der – multifunktional bestückten – Wand hinter der Theke überfrachten den Raum keineswegs mit christlicher Symbolik. Nirgends blendet das Kunstlicht: LED Scheinwerfer sitzen über der Bühne, Richtstrahler über der Theke, diffuses und individuell ausrichtbares Licht strahlt aus speziell entwickelten, deckenbündigen Lichtelementen; das Mobiliar wirkt dezent. Bei Dunkelheit leuchtet das Forum hell, aber nicht grell. Mit dem Domforum wird (wie schon mit dem Zugangsbauwerk zum Südturmes des Domes von Kaspar Kraemer Architekten (siehe den Bau der Woche 2009) rund um die Domplatte von der Kirche architektonisch aufgeräumt. Die städtebauliche Ordnung bleibt jedoch Aufgabe der Stadt Köln.
Ursula Baus
Erdgeschoss
Neugestaltung Foyer
Domforum Köln
2011

Domkloster 3
50667 Köln

Auftraggeber
Erzbistum Köln
Köln

Architektur
Martini Architekten
Bonn

Projektleitung
Johannes Martini

Bauleitung
Martini Architekten

Lichtplanung
Licht Kunst Licht AG
Bonn

Nutzfläche
ca. 330m²

Baukosten
K.A.

Fotografie
Constantin Meyer (2)
Ursula Baus (1, 3, 4)