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Herausgeputzt

Die neuen Treppen, die aufgrund von Brandschutzvorschriften angebracht werden mussten, sind an den Seiten mit roten Eternitplatten bekleidet.
Die neuen Treppen, die aufgrund von Brandschutzvorschriften angebracht werden mussten, sind an den Seiten mit roten Eternitplatten bekleidet.
Seit der Erfindung des Wärmedämmverbundsystems und des immer größer werdenden Dämmwahns sind verputzte Fassaden bei vielen in Misskredit geraten. Doch mit ein bisschen Kreativität und den richtigen Handwerkern lassen sich auch aus diesem Material ungewöhnliche, schön anzusehende Fassaden herstellen. So geschehen bei den beiden Erweiterungsbauten der Berufsbildenden Schule im rheinland-pfälzischen Montabaur. Die Architekten konnten einen Strukturputz realisieren, in den rote Natursteinsplitter eingestreut worden sind. So entstand eine zartrosa Oberfläche, die bei Sonnenschein leicht schimmert. Gerahmt wird das Ganze von hellgrauen Betonfertigteilen.
Dieser Bauteil beherbergt drei neue Klassenräume und dient als zweiter Eingang in das große Schulgebäude.
Dieser Bauteil beherbergt drei neue Klassenräume und dient als zweiter Eingang in das große Schulgebäude.
Aus Kapazitätsgründen musste der bestehende Baukörper, der vor mehr als dreißig Jahren errichtet worden war, um neue Klassen-, EDV- und Sozialräume erweitert werden. Kennzeichnend für den Bestand ist eine Hofbauweise. Besonders ausgeprägt war dies bislang nur zur Hangseite, auf der Talseite schob sich lediglich ein Baukörper aus dem ansonsten glatten Fassadenverlauf heraus. Baurmann Dürr Architekten haben die beiden Neubauten nun so angeordnet, dass auch auf der Talseite ein Wechsel zwischen Klassentrakt – Hof – Klassentrakt entstanden ist.
Die Stützen, die das auskragende Dach tragen, schlängeln sich wie ein Mäander vom Boden an die Decke und wieder zurück.
Die Stützen, die das auskragende Dach tragen, schlängeln sich wie ein Mäander vom Boden an die Decke und wieder zurück.
Optisch heben sich die Neubauten deutlich vom angrenzenden Altbau ab. Mittels feiner Details stellten die Architekten jedoch eine Analogie her. Die schlanken, hochformatigen Fenster haben ebenfalls graue Blendrahmen und einzelne gelbe Profile – eine Reminiszenz an den Bestand. Sie sind jedoch nicht beliebig angeordnet, sondern markieren die wenigen Stulpflügel, an denen im dreigeschossigen Trakt im Notfall die Feuerwehr anleitern kann. Technische Vorschriften werden also nicht als unumgängliches Übel betrachtet, sondern geschickt in das Konzept integriert.
Simone Hübener
Die Berufsbildende Schule Montabaur aus der Vogelperspektive; oben in der Mitte und oben rechts die beiden neuen Anbauten.
Die Berufsbildende Schule Montabaur aus der Vogelperspektive; oben in der Mitte und oben rechts die beiden neuen Anbauten.
Lageplan
Lageplan
Berufsbildende Schule Montabaur
Bestand 1980
Erweiterung 2010

Von-Bodelschwingh-Straße
56410 Montabaur

Auftraggeber
Kreisverwaltung des Westerwaldkreises
Montabaur

Architektur
baurmann.dürr architekten
Karlsruhe

Projektleitung
Martin Dürr

Bruttogeschossfläche
Erweiterung 2.050 m²
Bestand Brandschutz/San. 17.500 m²

Baukosten
Erweiterung
KG 300/400/500/600 brutto 2,6 Mio. €
Bestand Brandschutz /Sanierung
KG 300/400 brutto 1,5 Mio. €
KG 300/400/500/600 brutto 4,1 Mio. €

Fotografie
Simone Hübener (1-3)
Andreas Steinebach (2)

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