Italienisch gastlich

Mediterranes Flair und modernes Ambiente in der Calenberger Neustadt.
Die Piu Espressobar am Rande der Calenberger Neustadt gilt vielen Hannoveranern als Inbegriff von italienischer Gastfreundschaft. Wie es sich für eine richtige Trattoria gehört, dominiert hier eine familiäre Atmosphäre mit hausgemachten Spezialitäten und belebendem Caffè. Nach gut 30 Jahren des Bestehens benötigte der etwas in Mitleidenschaft gezogene Wirtsraum eine Frischekur. Der Familienrat hatte entschieden, dass die Gaststätte durch die Modernisierung seine Rustikalität nicht verlieren sollte, und sie nach wie durch den italienischen Charme von Personal und Verköstigung geprägt sein sollte.
Wenn der Sommer wiederkommt, werden die Fensterbänke besetzt sein.
Der Umbau erfüllt diese Vorgaben und kommt trotzdem feinfühlig daher. Die Architektinnen – selbst häufig Besucher des Etablissements – hatten dabei freie Hand, ein Gesamtkonzept zu entwickeln. Deshalb sind seit den ersten Ideen beinahe zwei Jahre ins Land gegangen, obwohl die eigentliche Renovierung lediglich zwei Monate in Anspruch genommen hat. Freiliegendes Mauerwerk im oberen Bereich der weißen Wände erinnert noch an den ursprünglich provisorischen Charakter. Das sparsam eingesetzte Grün ist eine Reminiszenz an mediterrane Olivenhaine, wie sie in der sardischen Heimat des Bauherren vielfach zu finden sind. Die Farbe wiederholt sich in den Servietten und Bestecktüten.
Einfach, aber nicht grob – hier isst es sich in feiner, familiärer Atmosphäre.
Um dem mittäglichen Ansturm von Geschäftsleuten gerecht zu werden wurden lediglich 60 Zentimeter breite Eichenstehtische aufgestellt. Tatsächlich erlaubt der geringe Platz so eine gleichzeitige Bewirtung von rund 50 Personen. Ein Durchgang im hinteren Teil des Lokals führt zu einem Innenhof. Rechts der Erschließung sind die Sanitärräume durch eine an der Decke und den Seiten offene Installationswand in indirektes Licht getaucht.
Grundriss
Großzügige Panoramascheiben zum Stadtraum schaffen eine helles, freundliches Interieur und gestatten dem Gast freie Blicke auf das Hohe Ufer, die Altstadt und die Marktkirche. Überhaupt ist die Fassade mit ihren unregelmäßigen Fensteröffnungen ein echter „Hingucker“. Schön, dass sich die Front aus brasilianischen Mustang-Schiefer-Platten bis über den Eingang des Wohnhauses erstreckt und so dem gesamten Erdgeschoss ein neues Gesicht verleiht. Die tiefen Laibungen der großen Eichenfenster funktionieren zudem im Sommer hervorragend als Sitzbänke, so dass in den kommenden lauschigen Nächten vor dem Laden italienisches Flair entstehen wird.
Hartmut Möller
Piu Espresso Bar & Trattoria
2010
Goethestraße 22
30169 Hannover

Auftraggeber
Piu GbR, Luca Piu
Hannover

Architektur
Keferstein + Sabljo
Hannover

Projektleitung
Tatjana Sabljo

Tragwerksplanung
bow ingenieure GmbH
Braunschweig

Fotografie
Hartmut Möller (1, 2)
Ralf Mohr (3)