Konsumtempel

Hinter dem ibis-Hotel verengt sich die Prager Straße mit dem neuen Centrum-Gebäude.
Die Prager Straße in Dresden, bereits kurz nach dem Krieg als rhythmische Abfolge von hohen und flachen Bauten an einer breiten Allee konzipiert, ist heute kaum noch in dieser Nachkriegsform zu erkennen. Zwischen Bahnhof und Altstadtkern grassiert die Fußgängerzonenverschandelung wie überall sonst auch. Nun engt gemäß einem Rahmenplan aus den 1980er Jahren ein Neubau die Prager Straße vor der Trompeterstraße  auf 18 Meter ein. An die Stelle des alten Centrum-Solitärs von 1969-78 rückte jetzt eine Kaufhausgalerie, die den ganzen Block bis zur Reitbahnstraße füllt.
Bekannte Ornamente und neue Fassadengliederung.
Zur Atmosphäre im Straßenzug passt die Fassade dieser Galerie, zu der ein separater Wettbewerb ausgelobt worden war, ausgezeichnet. Das Büro Kulka hatte nicht nur den Fassadenwettbewerb gewonnen, auch das Interieur wurde ihm anvertraut. So bezieht sich die Fassadengliederung jetzt auch auf die innere Nutzungsstruktur – die Trompetergasse zum Nachbarblock (Bauteil II im Lageplan), den der selbe Investor kaufte, ist leider nicht links und rechts einheitlich als Passage gestaltet worden.
Originalgetreue Nachbildung der alten Centrum-Fassadenelemente.
Es fällt natürlich die Fassade auf, die vom Vorgängerbau in ihrer Modularität und Geometrie 1 : 1 übernommen wurde. Sie bietet dem Auge in der großen Straßenflucht Halt und kann als Reminiszenz an die Baukultur der späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre in der DDR gewertet werden. Von der Prager Straße ist die neue Galerie vergleichsweise unaufdringlich erschlossen.
Kurz vor der Eröffnung: die großzügige Passage noch ohne Werbeträger.
Innen bietet sich der Blick in eine rund 100 Meter lange, von oben belichtete Halle, deren Galerien mit einer durchgehenden Treppe erschlossen sind. Dass man an allen Läden vorbeigehen muss, um ins nächste Geschoss zu kommen, bleibt den Nutzern hier zum Glück erspart. Mit einer barock ornamentierten "Innenfassade" überrascht die Atmosphäre dieser Halle, die mit farbigen Lichtinstallationen bespielt werden kann. Im ersten Obergeschoss bricht eine lockere Ladeninszenierung die rigide Längsorientierung angenehm auf. Das Büro Kulka versuchte viel, um dem Galerietypus zu einer ortsspezifischen Identität zu verhelfen – mit Erfolg.
Ursula Baus
EG
Lageplan
Längsschnitt
Querschnitt
Centrum Galerie Dresden
Einkaufszentrum Prager Straße
2008

Prager Straße 15
10069 Dresden

Auftraggeber
Multi Veste Dresden GmbH
Duisburg

Architektur
Peter Kulka Architektur
Dresden

Projektleiter
Philipp Stamborski

Bauleitung
Max Bögl Bauunternehmung
Leipzig

Tragwerksplanung
IMM Ingenieurbüro Müller Marl
Marl

Haustechnik
Protec Planungsgesellschaft
Leipzig

Projektsteuerung
Drees & Sommer
München

Thermische Bauphysik und Schallschutz
Rekowski + Partner
Weinheim

Brandschutz
HHP Berlin
Berlin

Sonderlichtplanung
Lichtvision
Berlin

Lichtplanung
Har Hollands Lichtarchitekt
Eindhoven

Bruttogeschossfläche
106.000m²

Fotografie
Ursula Baus