Ein Spiegelbild des Unternehmens

Umicore stellt nicht nur Katalysatoren her, sondern auch Zink-Spezialerzeugnisse. Deshalb war es ein Wunsch des Bauherrn, dass diese vorbewitterten Steckfalzpaneelen für die Fassade verwendet werden.
Der Entwurf eines Industriegebäudes zwingt die Architekten oftmals in ein ziemlich straffes Korsett, denn der genau festgelegte Betriebsablauf bestimmt die Zonierung des Grundrisses, die lichte Höhe der verschiedenen Geschosse, die Anzahl und Größe der Öffnungen. Dass trotz all dieser Vorgaben ansehnliche Architektur entstehen kann, zeigt die neue Musterfertigung für Autoabgaskatalysatoren auf dem ehemaligen Degussa-Gelände in Hanau. Eine alte, 135 Meter lange und nur 16 Meter breite Halle verwandelten Cyrus Moser Architekten aus dem benachbarten Frankfurt in eine moderne, energieeffiziente und flexibel nutzbare Forschungsstätte mit dazugehörender Verwaltung.
Die unterschiedliche Nutzung der beiden Geschosse – Technik unten und Verwaltung oben – lässt sich an der durchgängigen Fassade nicht ablesen.
Der Gebäudebestand war in mehreren Abschnitten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts als Klinkerbau errichtet worden, allerdings mit ganz unterschiedlicher Qualität. Deshalb konnte nur die eine Hälfte erhalten werden, während die andere einem zweigeschossigen Neubau gewichen ist. Die vom Bauherrn geforderte Nutzfläche wäre auf einer Etage nicht unterzubringen gewesen. Das Kennzeichen dieses langen Riegels ist der hohe Kopfbau, in dem die Technikzentrale untergebracht ist und auf dessen Stirnseite der Firmenname in großen Lettern prangt. Als geschlossenes, mit Zinkpaneelen bekleidetes Volumen steht er im Kontrast zum darunterliegenden Gebäudeteil. Schmale, vertikale Öffnungen gliedern die dort in grauem Putz ausgeführte Fassade, die sich ganz gleichmäßig mit einem Rastermaß von 1,50 Metern über die beiden Längsseiten erstreckt. In doppeltem Abstand montierte Betonstützen und Unterzüge überspannen den Innenraum stützenfrei, so dass er flexibel genutzt werden kann und immer eine gute Belichtung gewährleistet ist.
Auf Wunsch des Bauherrn sind die Innenräume so hell wie möglich gestaltet.
„Innen regierte der Willen des Nutzers“, meinte Oliver Cyrus beim Ortstermin in Hanau. Doch obwohl hier einzig und allein die Produktionsabläufe die Architektur bestimmen, brauchen sich CMA für ihre Arbeit nicht zu verstecken. Denn wo immer möglich, gaben sie Fluren, Büroräumen und Aufenthaltsbereichen einen feinen Schliff, hinterließen ihre „Duftmarken“. So wurde beispielsweise die alte Dachkonstruktion erhalten, auch wenn sie nun stellenweise von großen Lüftungskanälen komplett verdeckt wird. Und: Der Bauherr ließ sich davon überzeugen, dass sich an der Farbe Apricot die Geister wesentlich stärker scheiden als an einem neutraleren sandigen Ton, mit dem die Wände in der Technikabteilung nun gestrichen sind.
Weiß ist auch im Obergeschoss die bestimmende Farbe. Nur der Bodenbelag ist dunkelgrau. Durch diese Farbwahl erscheint der Raum größer, sie verleiht im Eleganz und Großzügigkeit.
In der Büroetage des Neubaus kehrt der Chic zurück, den man von den anderen Projekten der Architekten kennt – obwohl aus Kostengründen die lichte Höhe geringer ist als ursprünglich geplant und der Raum dadurch gedrückter wirkt. Über strahlend weiße Türen gelangt man in die Einzel- oder Doppelbüros, langgestreckte Festverglasungen sorgen für das nötige Quäntchen Blickkontakt zwischen Flur- und Arbeitsbereich. Und er kann dazu dienen, den Kollegen zu einer Tasse Kaffee oder Tee in die Mitarbeiterlounge einzuladen, die mit bequemen, modernen Möbeln dazu einlädt. Vom direkten Zugang zur großzügigen Loggia ganz zu schweigen.
Simone Hübener
Grundriss Erdgeschoss (oben) und Grundriss Obergeschoss (unten)
Technikum und Verwaltungsgebäude Umicore Hanau-Wolfgang
Umicore AG + Co. KG

2010
Rodenbacher Chaussee 4
63403 Hanau-Wolfgang

Auftraggeber
Umicore AG + Co. KG
Hanau-Wolfgang

Architektur
cma cyrus I moser
Frankfurt am Main


Projektleitung
Melanie Meffert

Realisierungsmanagement
cma/ da dobberstein architekten

Tragwerksplanung
Herzog + Meister IB für Baustatik

Gebäudetechnik
esf Ingenieure gbr

Elektroplanung
epp Elektroplanung Plitzkat

Bauphysik
ITA, Ingenieurbüro für Bauphysik

Bruttogeschossfläche
4.375 m²

Baukosten
4,95 Mio. € netto

Fotografie
Andreas Moser