Sanierung Schloss Hohenkammer

Hohenkammer
Architekten
Hild und K
Standort
Schloßstraße, 85411 Hohenkammer
Jahr
2007
Bauherrschaft
Münchner Rückversicherungsgesellschaft AG, München
Team
Andreas Hild, Dionys Ottl, Nina Großhauser, Nikola Bothschafter, Tobias Dorfmeister, Christian Hadaller, Ivonne Hasenbein, Edwige Kielwasser, Sandra Räder, Florian Scherer
Fotografie
Michael Heinrich, Simone Rosenberg

Im November 2007 wurde nach zwei Jahren Bauzeit die von Hild und K Architekten BDA geplante Sanierung des ungefähr 40 km nördlich von München gelegenen Schlosses Hohenkammer abgeschlossen. Die Münchener Rückversicherung hatte das historische Gebäude, das sich in ein weitläufiges Ensemble von Ökonomie, Wirtschaftsgebäuden, um das Schloss gruppierten Villen sowie forst- und landwirtschaftlichen Flächen einfügt, gekauft, um es als internationales Begegnungszentrum mit hohem gestalterischem Anspruch zu nutzen.

Die an Hild und K übertragene Bauaufgabe gestaltete sich vor allem deshalb so anspruchsvoll, weil vorangegangene Jahrzehnte recht unsensibel mit einem der wenigen erhaltenen Renaissance-Wasserschlösser im altbayerischen Raum umgegangen waren: Eine Sanierung in den 70er Jahren hatte das Schloss nahezu auf den Rohbau zurückgeführt, selbst die meisten Holzbalkendecken waren durch Stahlträger mit aufgelegten Porenbeton-Elementen ersetzt worden. Angesichts dieser irreversiblen Zerstörungen wäre jeder Versuch zum Scheitern verurteilt gewesen, einen ursprünglichen historischen Zustand zu definieren und das Gebäude auf diesen zurückzuführen. Das didaktische Konzept klassischer Denkmalpflege, das auf der scharfen Trennung von Alt und Neu beruht, ließ sich schon mangels historisch bedeutsamer Substanz kaum anwenden.

Die Münchner Architekten verwischten stattdessen wie mit dem Weichzeichner die Grenzen zwischen Alt und Neu, entschieden sich für eine atmosphärische Angleichung. Wie in einer fotografischen Langzeitbelichtung verschmelzen die unterschiedlichen Zeitebenen zum einheitlichen Ganzen. Das Sanierungskonzept macht so die Trennung zwischen „hergebracht“ und „modern“ obsolet. Es zollt damit der Erkenntnis Tribut, dass Geschichtliches niemals exakt wiederherstellbar ist, weil es immer nur durch den Filter der Gegenwart wahrgenommen werden kann.

Nicht ein etwaiger „Originalzustand“ also sollte in Hohenkammer rekonstruiert werden. Dagegen war es erklärtes Ziel von Andreas Hild und Dionys Ottl, dem Gebäude seine geschichtliche Würde zurückzugeben. Deshalb wurden Umbauten weitgehend zurückgenommen oder umformuliert. Unzerstörte historische Fragmente wurden sorgfältig erhalten. Im Rahmen einer Purifizierung der Mittel kamen die eher archaisch eingesetzten Materialien Putz, massives Holz und Naturstein zum Einsatz. Dem Ansatz, eine Brücke zwischen Alt und Neu zu schlagen, kommt auch die künstlerische Gestaltung der Innenräume entgegen. In der Tradition der Renaissance sind diese mit Wandmalereien – florale Motive von Martin Schwenk im Schloss, eine Arbeit von Lawrence Weiner in der alten Kapelle – geschmückt.

Gleichzeitig war in den historischen Kontext ein hochmodernes Konferenzzentrum zu implantieren. Komplexe Anforderungen an Technik, Elektrik und Klima machten umfangreiche Eingriffe notwendig. Die notwendigen Einbauten wurden dabei soweit als möglich in den Hintergrund gedrängt. Eine neue Raumorganisation auf historischem Grundriss schafft mehr Weite und wirkt mit ihren eingefügten Zwischenräumen kommunikationsfördernd. Dem historischen dreigeschossigen Hof mit umlaufendem Umgang fällt hierbei eine zentrale Aufgabe zu.

Schloss Hohenkammer kommt nun, nach einer wechselvollen Geschichte als Adelssitz, Militärschule oder Knabeninternat, der Nutzung für Unternehmensschulungen optimal entgegen.

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