Gesundes Lernklima

Das Bildungshaus am Lindenbrunnen von (se)arch Architekten nimmt in zwei Gebäuden eine Grundschule und ein Kinderhaus auf. Stephan Eberding und Projektarchitekt Boris Berger berichten über das Projekt, bei dem neben der Architektur besonders das schadstoffarme Bauen im Fokus stand.
Ansicht Bildungszentrum vom Neckar
Katinka Corts: Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Stephan Eberding und Boris Berger: Die Aspekte des Passivhauses sollten realisiert werden, ohne Einschränkungen in allen anderen städtebaulichen und architektonischen Aspekten hinzunehmen. So wurde z.B. den Außenbezügen große Wichtigkeit beigemessen. Auch die Aufteilung in zwei Gebäude läuft zunächst den Energiesparaspekten zuwider, liegt jedoch in der städtebaulich als wichtig erachteten Durchlässigkeit und dem Gedanken, jeder Funktion ihr eigenes Haus zu geben, begründet.
Ansicht Schule vom Gartenbereich
gemeinsamer Eingangsbereich
Ansicht Kinderhaus
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Die Gebäude fügen sich in eine offene Parklandschaft ein und stehen in unmittelbarer Sichtbeziehung zu dem oberhalb liegenden Tübinger Schloss. Sie bilden auch für den Außenstehenden keine Barriere mit einem «Davor» und «Dahinter» sondern verbinden, indem sie vielfältige Blickbeziehungen herstellen und zulassen. Auch vom Innenraum aus ist das umgebende Grün überall wahrnehmbar. Es entsteht eine durchgrünte «Schullandschaft», bei der wichtige Wege- und Blickbeziehungen bestmöglich erhalten bleiben. Durch die Lage und Topografie des Grundstücks können die markanten Dachflächen als fünfte Fassade erlebt werden.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen das Projekt beeinflusst?
Die Bauherrschaft hat einen sorgfältig vorbereiteten Wettbewerb ausgelobt. Im weiteren Verlauf war man sich von Bauherrenseite bewusst darüber, dass langfristig sinnvolle Investitionen hinsichtlich der Bau- und Unterhaltskosten sorgfältig abzuwägen sind.
Im Rahmen des Projektes wurde zunächst mit der Stadt Tübingen ein Zielkatalog zum schadstoffarmen Bauen für das Projekt abgestimmt. Gleichzeitig wurden genauer zu untersuchende Bauteile definiert, an denen sowohl die globalen Umweltwirkungen als auch die schadstoffarme Bauweise genauer untersucht werden sollte – Schwerpunkte waren dabei das Dach, die Bodenbeläge, die Außenwände und die Innendecken. Im Planungsprozess wurden dabei jeweils Alternativen untersucht und diese konstruktiv, energetisch und ökologisch vergleichend bewertet. Damit entstand eine vertiefte Entscheidungsgrundlage für den Bauherrn. 
Lernbereich und Mitte im Obergeschoss
Klasse Grundschule
Blick von Grundschule OG ins EG
Welche energetischen Standards sollte das Projekt erfüllen?
Ziel war es, das Bildungshaus im Passivhausstandard zu errichten. Für ein behagliches Raumklima und gute Luftqualität sorgen sowohl ein durchdachtes Lüftungskonzept mit Wärmerückgewinnung als auch eine intelligente Tageslichtnutzung. Außer einem hohen Aufenthaltskomfort für Kinder und Erzieher senkt dies auch die Kosten für die Energieversorgung. Basis für das zukunftsorientierte Energiekonzept war unter anderem die verfügbare Fernwärme mit niedrigem Primärenergiefaktor.

Welches Material trägt besonders zur Wirkung des fertigen Baus bei?
Beide Häuser besitzen eine Fassade aus Zedernholz-Schindeln, die durch ihre Kleinteiligkeit und warme Materialsprache die Maßstäblichkeit und Haptik des Ensembles stärken. Sowohl das Kinderhaus als auch die Schule sind in Holzbauweise errichtet, lediglich für die Boden- und Geschossdecken wurde Stahlbeton verwendet. Sämtliche Materialien wurden hinsichtlich ihrer Schadstoffe und dem erforderlichen Primärenergiebedarf geprüft und sorgfältig ausgewählt. 
zentrale Garderobe Kinderhaus
Gruppenraum Kinderhaus
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Bildungshaus am Lindenbrunnen
2016

Uhlandstraße 38
72072 Tübingen

Nutzung
Grundschule mit Ganztagesbetreuung + Kindertagesstätte

Auftragsart
öffentlicher Architekten-Wettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahlverfahren

Bauherrschaft
Stadt Tübingen, HBA, Tübingen

Architektur
(se)arch architekten bda, Stuttgart

Fachplaner
Tragwerk: Merz+Kley, (Dornbirn, AT)

Bauleitung
Elmar König, Stuttgart

Ausführende Firmen
Holzbau: Fritschle (Uttenweiler)
Holzschindeln: Fa. Wolf, (Schönaich)
Holz-Alu-Fenster: Schwarzwaldeisen (Lahr)

Hersteller
Bodenbelag (Kautschukbelag): Objectfloor Artigo Kayar

Energiestandard
Passivhaus

Bruttogeschossfläche
2.900 m²

Gebäudevolumen
14.440 m³

Kubikmeterpreis
396 €/m³

Gebäudekosten
5.714.261 € (KG 300+400, brutto)

Gesamtkosten
8.362.606 € (KG 200-700, brutto)

Fotos
 Zooey Braun

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