Schule im Wald

Wulf Architekten haben die Hessenwaldschule in Weiterstadt mitten auf einer Lichtung im Wäldchen gebaut. Eine lokalpolitische Entscheidung, sagt Tobias Wulf, die den Kindern nun eine ganz besondere Lernumgebung schafft.
Die Hessenwaldschule befindet sich in einer Waldlichtung nahe der Ortschaft Gräfenhausen, einem Ortsteil von Weiterstadt (Darmstadt).
Katinka Corts: Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Tobias Wulf: Der Standort dieser Schule ergibt sich aus dem geometrischen Mittelpunkt der Ortsteile im Landkreis Darmstadt-Dieburg, aus denen die Schülerinnen und Schüler stammen. Dass sich dort ein kleines Waldgebiet befindet, hat dieser lokalpolitischen Entscheidung offenbar keinen Einhalt geboten. Eine Schule im Wald also, das ist sicherlich nicht der Normalfall für einen Schulstandort. Wir haben die Schule mitten auf die vorhandene Lichtung gesetzt, sodass der Wald ringsum spürbar ist. Dadurch entstehen unterschiedliche Außenräume zwischen Schule und Wald.
In die Fassaden aus hellgrau geschlämmtem Sichtmauerwerk sind große, liegende Fensteröffnungen mit tiefen Laibungen eingesetzt. 
Die ruhig gestalteten Pavillons sind als solche deutlich ablesbar.
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Wenn man sich wie wir viel mit Schulbau beschäftigt und auch viele Schulbauten realisiert, sucht man nach einem Anlass für Besonderheiten des Entwurfs. Diese sind hier einerseits durch den Ort und andererseits durch das pädagogische Konzept gegeben. Die eigentliche und für uns übergeordnete Inspirationsquelle ist aber das Bewusstsein über die Bedeutung von Bildung. Die kulturelle Bildung unserer Kinder bestimmt die Zukunft unseres Zusammenlebens. Es gibt also kaum bedeutungsvollere Bauaufgaben als den Schulbau. Wer den Schulbau als Alltagsaufgabe oder gar Zweckbau sieht, handelt unserer Meinung nach verantwortungslos.

Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Die Hessenwaldschule ist ein kohärentes Ensemble von Lernhäusern auf der Waldlichtung. Es war aber nicht unser Ziel, den Wald etwa durch die Verwendung von Holzfassaden oder Baumstützen im Entwurf zu thematisieren. Die Lernhäuser haben massive Fassaden in geschlämmtem Sichtmauerwerk. Wichtig ist uns, dass der Wald auch im Gebäude spürbar bleibt, nicht jedoch durch Glasfassaden, sondern durch gezielt gesetzte Fenster. In der zentralen Halle sorgen die gefalteten und perforierten Sonnenschutzelemente für eine besondere Licht- und Schattenstimmung.
Diese «öffentliche Mitte» beinhaltet die Gemeinschaftsbereiche wie Aula, Musikraum und Pausenhalle.
Der perforierte Sonnenschutz vor der umlaufenden Galerie schafft eine Lichtstimmung, die der unter Bäumen ähnlich ist. 
Die «Lesepodeste» zonieren den flexibel nutzbaren Bereich zwischen den Klassenräumen und schaffen Rückzugsorte im Forum.
Blick vom Lehrerzimmer in das Forum
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren Nutzer den Entwurf beeinflusst?
Die gesamte Baustruktur unterscheidet sich grundsätzlich von konventionellen Flurschulen. Wir haben das Lernhauskonzept bereits bei anderen Schulbauten umgesetzt und wissen um die baulichen Chancen und Risiken, letztere insbesondere in Bezug auf den Brandschutz. Letztlich geht es darum, das richtige Maß an innerer Offenheit und Nutzungsflexibilität zu finden, ohne das Budget zu sprengen. Die hohe Qualität des Baus verdanken wir auch einem verständnisvollen Bauamt und einer angemessenen Kostenvorgabe. Bauen für die Bildung kann nicht billig sein
Detailausschnitt
Südlicher Eingangsbereich
Schwarzplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitte
Hessenwaldschule Weiterstadt
201
6
Wolfsgartenallee 8
64331 Weiterstadt

Auftragsart
VOF Verfahren nach vorgeschaltetem nichtoffenem Wettbewerb (1. Preis)

Bauherrschaft
Da-Di-Werk, Eigenbetrieb für Gebäude- und Umweltmanagement des Landkreises Darmstadt-Dieburg, Darmstadt

Architektur
 wulf architekten, Stuttgart
Projektgruppe: Alexander Vohl, Camilo Hernandez, Carina Kleinecke, Boris Peter

Fachplaner
Tragwerksplanung: Erfurth & Mathese, Dresden
Landschaftsarchitekt:  Adler & Olesch, Mainz
HLS Planung: Wüst und Partner, Erlenbach
Elektroplanung: e-plan, Griesheim

Örtliche Bauleitung
atp architekten ingenieure, Offenbach am Main

Ausführende Firmen
Rohbau: Otto Heil GmbH & Co KG, Eltingshausen
Glasdach: BMK Bergström GmbH, Neu-Isenburg
Dachabdichtung: M.A. Schäfer Dachbedeckung GmbH, Bad Homburg
Zimmermann: Holzbau Lehmann GmbH, Pfaffen-Schwabenheim
Fassade: Schindler Fenster & Fassaden, Roding
Verblendmauerwerk: Neuschwander GmbH, Brackenheim
Betonfertigteile Fassade: Faber & Schnepp, Hoch- u. Tiefbau GmbH & Co. KG, Langgöns
Betonboden: R. Bayer Betonsteinwerk GmbH, Blaubeuren
Mikroperforierte Akustikverkleidung aus Holz: Akustik & Raum AG, Olten (CH)
Aufzug: Schäfer-Aufzüge GmbH, Waldeck
Innenausbau: MS Elementbau GmbH, Seeheim-Jugenheim
Schreiner: Lindner Objektdesign GmbH, Arnsdorf
Schlosser: MSS Metall- & Stahlbau Schmickler GmbH & Co.KG, Remagen
Estrich: AK Bau GmbH, Griesheim
Klassenraumcontainer: C/S RaumCenter GmbH, Frankfurt am Main
Elektro- und Haustechnik: ELEBA, Ehrenfriedersdorf
Beleuchtung: Niklas Gehnich, Weiterstadt
Hydrophobierung: PSS Interservice GmbH, Berlin
Erdbau- und Baumfällarbeiten: Walter Transporte + Erdbau e.K., Groß-Umstadt
Außenanlagen: August Fichter GmbH & Co. KG, Raunheim
Sanitär: Dornhöfer Automation & Haustechnik, Mainz-Kostheim
Grundleitungen / Wasserhaltung: W. Liebig GmbH & Co. KG, Groß-Bieberau
Gerüstbau: GBG Gerüstbaugesellschaft Alexander Bühler mbH, Friedrichsthal
Sicherheit: AVN- Security GmbH , Groß-Umstadt
Blitzschutz: Püschel GmbH, Dieburg
Lüftungsanlage: AHD Lüftungsbau GmbH, Höchst im Odenwald
Heizungsbau: Sperber GmbH Technische Gebäudeausrüstung, Altenbamberg
Malerarbeiten: Maiklor, Saulheim
Bodenarbeiten: Raumausstatter Jens Eidner, Schneeberg
Fliesenarbeiten: Fliesen-Amrhein GmbH, Frammersbach
WC-Trennwände: SANA Trennwandbau GmbH, Luhe – Wildenau

Hersteller
Abhangdecken:  Lindner AG
Schulmöbel: VS Vereinigte Spezialmöbelfabriken GmbH & Co. KG
Büromöbel: OKA Büromöbel GmbH & Co. KG

Bruttogeschossfläche
9.541 m²

Gebäudevolumen
40.036 m³

Gesamtkosten
ca. 25.800.00 €

Fotos
 Brigida González

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