50Hertz Netzquartier

Das „50Hertz Netzquartier“ nimmt die volumetrischen Vorgaben des städtebaulichen Masterplans (B-Plan-Entwurf) auf. Architektonisch präsentiert sich das Bauwerk als Überlagerung von drei verschiedenen Strukturen: dem horizontalen Rhythmus der Geschoßebenen, dem außenliegenden Tragwerk (netzartige Struktur), und den innenliegenden orangenen Kernen. Die tiefen Geschossplatten bieten Raum für unterschiedlichste Bürokonzepte. So kann jede Abteilung und jedes Team maßgeschneiderte Raumaufteilungen nutzen. Jedes Geschoß bietet mehrere Balkone als Freibereiche, die als Arbeitsplatz, zur Kommunikation oder zur Kurz-Erholung genutzt werden können.

Das statisch voll wirksame außenliegende Tragwerk aus weißen Stahl-Verbundstützen (Dia-Grid) ermöglicht stützenfreie Innenräume entlang der Fassade und somit eine flexible Innenraumnutzung. Das Tragwerk bestimmt seine Gestaltung. Das Fachwerk bildet ein Netz aus regelmäßig angeordneten diagonalen Stützen, das den Unternehmenszweck von 50Hertz (Netzbetreiber) abstrakt symbolisiert und eine Referenz an das Eisenbahnareal mit seinen Stahlbrücken und Viadukten rund um den Hamburger und Lehrter Bahnhof darstellt. Aus der regelmäßigen Diagonalstruktur wurden einzelne Stützen entfernt. Einzige Bedingung dabei war, dass eine noch leicht zu bewältigende freie Spannweite von rund 8,3 m im Kragplattenbereich nicht überschritten werden durfte. Diese spielerische Herangehensweise führte zu einem geometrisch komplex verwobenen Äußeren, ein Fachwerk aus druck- und zugbelasteten Stützen.

Die orangenen Kerne lenken den Blick durch das außenliegende Netz tief in das Innere des Gebäudes. In den Kernen sind alle Lifte, Treppenhäuser, Schächte, Haustechnikräume und, WCs gebündelt. Zwei der drei Kerne sind leicht gekippt.

Der Entwurf schafft Räume, die den angestrebten Kulturwandel des Unternehmens hin zu einer offeneren sowie dialog- und teamorientierteren Arbeitsweise Rechnung tragen.

Die Idee des mit Outdoor-Workspaces durchzogenen, tiefen Baukörpers ermöglicht die Gestaltung von verschiedenen Nutzungskonzepten. Jedes liefert einen anderen Workflow, eine andere Arbeitsplatzqualität und -atmosphäre. Jedes Layout steht für ein anderes Verhältnis zwischen konzentriertem Arbeiten, informeller Kommunikation und Gärten (Outdoor-Workspaces). Während der Planung konnte jede Abteilung des Unternehmens ihr Arbeitsumfeld selbst definieren. Kein Geschoss des Hauses gleicht einem anderen – es entstanden verschiedene Arbeitswelten mit individuellen Qualitäten.

Nachts werden einzelne Stützensegmente des außenliegenden Tragwerkes illuminiert und es entstehen dynamische Linien, die an Sinuskurven erinnern. So wird in der Dunkelheit aus einer Netzstruktur eine Linienstruktur und das Erscheinungsbild des Bauwerkes wandelt sich.

Das Projekt erhielt als erstes Gebäude die Auszeichnung DGNB Diamant.
Ort
Heidestraße 2
Berlin
Jahr der Fertigstellung
2016
Auszeichnung
DGNB Diamant

Fotografie
Hans Georg Esch