Statt Barock

Dresden stärkt seine kulturelle Präsenz mit dem Ende 2016 eröffneten Theaterneubau Kraftwerk Mitte. Detlef Junkers von der PFP Planungs GmbH erläutert das Projekt.
Cortenstahlblech-Fassade mit gläsernem Probenturm
Katinka Corts: Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Detlef Junkers: Nahe des Dresdner Zwingers sollte ein riesiges stillgelegtes Kraftwerksareal mit ehemaligen, nunmehr denkmalgeschützten Maschinenhallen und Turbinenhäusern saniert und zu einem zeitgemäßen Kulturbereich umgebaut und erweitert werden. Während in Dresdens historischer Mitte der Barock im Vordergrund steht, wird hier das industrialisierte Dresden thematisiert.

Es war einzigartig, zwei schon immer in Dresden beheimateten und hochgeschätzten Theatern ein neues gemeinsames Haus zu geben. Am Ort der ehemaligen Energieerzeugung sollten neue kulturelle Synergien entstehen. Ein breites Publikum, von den Kleinsten bis zu den Ältesten, soll so angesprochen und erreicht werden – und auch junge Menschen für die Theaterwelt begeistern. 

Der neue Theaterstandort umfasst vier Spielstätten: die Staatsoperette mit 700 Plätzen, das Kinder- und Jugendtheater TJG mit 350 Plätzen, die Puppenbühne und die Studiobühne (Black Box) mit jeweils 125 Plätzen. Dazu kommt noch die separate kleine Theaterakademie für Kinder- und Jugendgruppen.
Theaterneubau in der denkmalgeschützten alten Maschinenhalle 
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Ziel war es, ein funktionales Gebäude mit höchsten Anspruch an Präsenz im Stadtraum zu schaffen, das auch die Stadtsilhouette ergänzt und bereichert. 

Das Konzept des geschlossenen Sockels – mit aufgestellten, klar definierten Kuben der Bühnen- und Probetürmen und der vorgelagerten historischen Maschinenhalle – gibt der komplexen Entwurfsaufgabe einen modernen und kraftvollen gestalterischen Ausdruck.
Der «Besuchertisch» für Empfänge und Matinéen auf alten Maschinenfundamenten im Foyer
Am Wettiner Platz ist in 900m Luftlinie vom bekannten Zwinger wird eine hochwertige Industriebrache, einem riesigen stillgelegten Kraft­werksareal mit ehemaligen nunmehr denk­malgeschützten Maschinenhallen und Turbinenhäusern saniert, umgebaut und erweitert zu einem zeitgemäßen Kulturbereich, einer urbanen Ergänzung zu Dresdens historischer Mitte. Während diese den barocken Charakter nach vorne stellt, wird hier das oft vergessene industrialisierte Dresden als Ausgangspunkt bewusst gesucht. Zentraler Baustein dieses lebendigen urbanen Kulturraums ist der Theaterneubau.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Die zwingende Vorgabe des Fertigstellungstermins und der verbindlichen Kostenobergrenze hat den Prozess immer determiniert, alle Entscheidungen wurden pragmatisch darauf erfolgreich abgestimmt und getroffen. So konnte das in allen Belangen hochmoderne Theaterbauwerk termin- und kostengerecht an die Stadt Dresden und die Theater übergeben werden.
Der große Saal der Staatsoperette Dresden SOD mit 750 Plätzen
Die Saalschale im großen Saal: fragmentiert, sich auflösend und die gute Raumakustik erzeugend
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Die wesentlichen gestalterischen, funktionalen und technischen Grundzüge waren schon in dem Wettbewerbsbeitrag der PFP Planungs GmbH im Rahmen des mehrstufigen Bieterverfahrens bestimmt. Dieses Konzept war die Voraussetzung für die Kosten- und Terminsicherheit.
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss mit den vier Bühnen
Ansicht von Westen
Kraftwerk Mitte Dresden - Neubau Staatsoperette und „Theater der Jungen Generation tjg“
2016

Kraftwerk Mitte 1
01067 Dresden

Nutzung
Theater und Theaterakademie

Auftragsart
Objektplanung LP 1-5

Bauherrschaft
Kommunale Immobilien Dresden GmbH & Co. KG

Architektur
 PFP Planungs GmbH, Hamburg   
Prof. Jörg Friedrich Architekt BDA
Büroleitung: Detlef Junkers
Projektleitung: Ulf Sturm
MitarbeiterInnen: Götz Schneider, Christoff Oltmann, Phillip Wendt, Lucie Müller, Yvonne Hahn, Sven Ulrich, Jessica Kempe

Fachplaner
Statik: LAP Leonhardt, Andrä und Partner Beratende Ingenieure, Dresden
Gebäudetechnik: IPROconsult GmbH, Dresden (lp1-4); K+S Haustechnik Planungsgesellschaft mbH, Rheinbach
Bühnentechnik: BWKI Bühnenplanung Walter Kottke Ingenieure GmbH, Bayreuth
Bauphysik: ISRW Dr.-Ing. Klapdor GmbH; Institut für Schalltechnik, Raumakustik, Wärmeschutz, Düsseldorf
Brandschutz: Statik -und Brandschutzbüro Burkhart Borchert, Dresden
Außenanlagen: Noack Landschaftsarchitekten, Dresden

Ausführende Firmen
Generalübernehmer: Ed. Züblin AG Bereich Thüringen, Jena

Bruttogeschossfläche
34.970 m²

Gebäudevolumen
204.910 m³

Kubikmeterpreis
348 €/m³

Gebäudekosten
71.500.000 € brutto Baukosten (KG 200-600)
33.000.000 € brutto Baukosten (KG 300)

Gesamtkosten
104.000.000 € brutto

Fotos
PFP Planungs GmbH

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