Zeichen des Wandels

Das Büro pfeiffer sachse architekten hat kürzlich eine Landmarke zum Ende des Bergbaus im Saarland fertiggestellt. Katja Pfeiffer und Oliver Sachse über den neuen Stahlkoloss im Saartal.
Das Saarpolygon aus der Ferne
Katinka Corts: Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Katja Pfeiffer und Oliver Sachse: Die Bergehalde Duhamel des ehemaligen Bergwerks Saar in Ensdorf ist 150m hoch. Darauf sollte – als Zeichen für das Ende des Bergbaus an der Saar – eine Landmarke entstehen. Diese sollte die über 250-jährige Tradition des Bergbaus im Saarland würdigen und zugleich auf Zukunft, Erneuerung, Aufbruch und Transformation verweisen. Gewissermaßen ein Januskopf, der in Vergangenheit und Zukunft blickt.
«Tor zur Zukunft» - Blick bei Ankunft auf Haldenplateau
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Als treibende Entwurfsidee haben wir das abstrakte Thema des Wandels herausgearbeitet, das stellvertretend für den Strukturwandel der Region im Übergang von der Bergbau- in die Post-Bergbau-Ära steht. Den Wandel in einer konkreten, festen Form erlebbar zu machen, die zugleich mit dem Bergbau assoziiert werden kann, war die Herausforderung. Wir haben die Fragestellung der Aufgabe mit einer begehbaren Großskulptur aus Stahl beantwortet, deren Silhouette aus verschiedenen Perspektiven unterschiedliche Figuren bildet. Diese werden bei der Annäherung und dem Umlaufen der Landmarke als Symbole wahrgenommen. Zugleich verändert sich die Erscheinung der Landmarke mit dem Wechsel der Lichtverhältnisse über den Tagesverlauf. Inspiration waren die Motive des Bergbaus, sei es als Symbole oder als gebaute Zeugnisse der Industriekultur.
Blaue Stunde mit Lichtinstallation
Dreieck
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Ort und Aufgabe gehören untrennbar zueinander. Die Halden sind ein Beispiel für die Überformung der Topografie durch die menschliche Kultur – ein prägendes Element der saarländischen Landschaft, wie wir sie heute erleben. Die Halde Duhamel steht prägnant und weithin sichtbar im Saartal – und auf dieser wollten wir ein weithin sichtbares Zeichen schaffen, das identitätsstiftend für den Bergbau und somit für die ganze Region werden kann. Materialität und Konstruktion referenzieren die Industriekultur, die unterschiedlichen Ansichtsfiguren können als abstrakte Motive des Bergbaus wie das Bergbausymbol Schlägel und Eisen oder einen Förderturm interpretiert werden. Wenn der Besucher auf dem Haldenweg das Haldenplateau erreicht, erscheint das Saarpolygon als eine Figur, die wir als Tor zur Zukunft interpretiert haben.

Wie auch der Horizontweg Hamburg-Georgswerder steht das Saarpolygon auf künstlichem Grund. Was mussten Sie bei der Fundation beachten?
Der Untergrund der Halde hat eine besondere Herausforderung dargestellt; es handelt sich hierbei um eine 150m hohe, über ein Jahrhundert angeschüttete künstliche Erhebung aus dem Abraummaterial der Steinkohleförderung. Das Gründungskonzept ist das Ergebnis eines engen Abstimmungsprozesses mit Tragwerksplaner und Bodengutachter. Das Fundament besteht aus einer bis zu 1,50m starken Stahlbetonplatte, die die beiden Fusspunkte unter der Haldenoberfläche miteinander verbindet.
Blick von unten Richtung Aussichtsplattform
Fassadenausschnitt mit Industrielandschaft im Hintergrund
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Das Projekt war Ergebnis eines europaweit ausgeschriebenen Wettbewerbes bei dem wir den 1. Preis erzielten. Wir haben ursprünglich mit der Idee einer verschweißten Stahl-Konstruktion aus Quadratrohren begonnen. Im Rahmen der Planung haben wir das System auf ein Tragwerk aus T-Trägern mit Schraubverbindung umgestellt, deren Knoten durch Anschlussfahnen und Kopfbleche wesentlich akzentuierter sind. Das zur Ausführung gekommene Tragwerk entspricht den Prinzipien industrieller Konstruktionen wie sie eben auch im Bergbau verwendet wurden.
Eingang zur blauen Stunde
Blick zum letzten Treppenpodest
Aussichtsplattform
Beeinflussten aktuelle gestalterische Tendenzen das Projekt?
Stahl war für uns das naheliegende Konstruktionsmaterial – denn die Stahlproduktion ist eng mit dem Kohlebergbau verbunden – Stahl ist ohne Kohle nicht denkbar. Man könnte sagen, dass der Stahl eine Reverenz an die Vergangenheit macht, während die LED-Beleuchtung im Inneren der Skulptur für eine zukunftsfähige Technik steht.
Blick von Saarlouis auf das Saarpolygon
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Stahl war für uns das naheliegende Konstruktionsmaterial – denn die Stahlproduktion ist eng mit dem Kohlebergbau verbunden – Stahl ist ohne Kohle nicht denkbar. Man könnte sagen, dass der Stahl eine Reverenz an die Vergangenheit macht, während die LED-Beleuchtung im Inneren der Skulptur für eine zukunftsfähige Technik steht.
Luftbild
Grundriss Aussichtsplattform
Schnitt
Landmarke Duhamel - Das Saarpolygon
2016

Halde Duhamel, Provinzialstraße 1
66806 Ensdorf

Nutzung
Landmarke, Denkmal, Aussichtssturm

Auftragsart
Wettbewerbsgewinn

Bauherrschaft
Förderverein BergbauErbeSaar e.V., Ensdorf, Saar

Architektur
pfeiffer sachse architekten, Berlin, Katja Pfeiffer, Oliver Sachse

Fachplaner
Genehmigungsstatik: Gregull + Spang, Stahnsdorf
Lichtplanung:  Lichtvision, Berlin
Elektroplanung: Elektroplan-Schneider, Stadtallendorf

Bauleitung
CP Beratende Ingenieure, Spiesen-Elversberg

Ausführende Firmen
Generalunternehmer: Stahlbau Queck, Düren
Elektroarbeiten/Beleuchtung: GEM Elektromontagen Graber, Saarlouis

Gebäudekosten
1.500.000 € brutto

Fotos
Jan Siefke, Berlin
Luftbild: Winfried Becker (Agentur Becker&Bredel), Saarbrücken © Förderverein BergbauErbeSaar e.V. 

Projektvorschläge Sie haben kürzlich fertiggestellte Projekte oder möchten diesen Beitrag kommentieren? Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!
 Archiv «Bau der Woche»