Friedrichstadt-Palast

1984 eröffnete das Revuetheater mit der größten Theaterbühne der Welt. Es gehört zu den letzten großen Plattenbauten der DDR und prägt mit seinen großformatigen Betonwandplatten in postmodernem Stil, originellen Glassteinfenster in leuchtenden Farben und Kronleuchtern aus gläsernen Milchleitungen eine eigenständige und kräftige Atmosphäre. Nach der Sanierung der Foyers mit Rekonstruktion des zentralen Kronleuchters bauten wir eine Loge in den Zuschauerraum und eine Bar ein. Ein Kranz aus Technikräumen säumt den Zuschauersaal im Hintergrund der gerundeten Sitzreihen. Durch Verlagerungen von Technik- Arbeitsplätzen entsteht in einem dieser Räume neben den technischen Installationen Platz für eine besondere Loge, die wir für den freien Bühnenblick mit Glasbrüstungen bis zum Boden öffnen. Ein privater, individueller Raum mit 6 Plätzen, der vom Saal getrennt ist und doch ein intensives Live- Erlebnis ermöglicht. Unser Gestaltungsansatz integriert die dicken Kabelstränge und die weiterhin genutzten raumhohen Schaltmodule als sichtbare und prägende Elemente. Wie Bäche fließen die Kabel durch lange Aussparungen im neuen Estrich. Der Estrich bleibt sichtbar und roh. Die Kabelbetten sind beleuchtet und begehbar verglast. Ebenso sichtbar belassen wir originales Mauerwerk, alte Deckenversprünge und Lüftungsleitungen. Für die klanglichen Anforderungen belegten wir Wandflächen mit Akustikflächen und grauem Industriefilz. Für die festen und losen Möbel verwenden wir die originalen Farben der Saalausstattungen Orange und Braun. Wie die Kabelströme wirkt die freie Form des Teppichs wie im Raum ausgegossen. Er bildet 3 weiche Inseln, auf denen paarweise 6 luxuriöse Sessel stehen. Jedes Sesselpaar ist einer mit Licht gerahmten, bodentiefen Öffnung zu Saal und Bühne zugeordnet. Eine parabelförmige Bar vereint die Logengäste beim Essen in der Pause. Neben der großen Schaltmodul- Anlage steht zwischen allen technischen Installationen ein langes Sofa in einem großen Rahmen. Raucher nutzen den früheren Umkleideraum der Techniker, dessen raue, unregelmäßige Oberflächen durch den rundum ausgeführten Goldanstrich paradoxen Glamour ausstrahlen. Die eigenartigen Formen von Fenster und Beton- Stützenkopf haben wir in Deckenformen und Verkleidungen fortgeführt. Ausgehend vom Design originaler Pendelleuchten im Haus haben wir eine Stehleuchte entwickelt und die Geometrie des Leuchtenkopfes als Grundlage für den goldenen Vorhang verwendet. Unser Gestaltungskonzept knüpft an Humor, Vielgestaltigkeit und scheinbare Leichtigkeit der Revue an und schöpft die räumliche Eigenständigkeit aus einer unangestrengten, wie beiläufig wirkenden Mischung von naturbelassenem Bestand, modifiziertem Original und neuen Elementen.
Innenarchitekt
Reuter Schoger
Ort
Friedrichstraße 107
Berlin
Jahr der Fertigstellung
2011
Aufgabe
Innenarchitektur, Lichtgestaltung, Farb- und Materialkonzept

Bauherr
Friedrichstadt Palast

Mitarbeiterinnen  
Sandra Rahm, Sandra Schröpfer, Katharina Schuster

Auszeichnungen
nominiert zum German Design Award 2014 und 2015
Kategorie Interior Design / Excellent Communication Design