Klopstockstraße

Für das Zentrum des Hansaviertels entwarf Alvar Aalto ein 8-geschossiges Wohnhaus. Wir sanierten eine der Wohnungen nach einem Eigentümerwechsel. Es galt, einen gestalterischen Weg zu entwickeln, der abseits gängiger Wohnungsbaustandards,unprätentiös und zeitgemäß auf Aaltos Gestaltung eingeht, ohne in einen Retro- Stil zu verfallen. Das Hansaviertel ist mit Grünanlagen und Freiflächen ein denkmalgeschütztes Ensemble am westlichen Rand des Berliner Tiergartens. Es wurde im Rahmen einer internationalen Bauausstellung INTERBAU BERLIN 1957 errichtet. Seitdem gedeiht in der damaligen „Stadt von Morgen“ der von den Landschaftsarchitekten Hermann Mattern und Hertha Hammerbacher gestaltete Außenraum. Je nach Wetterlage und Jahreszeit erzeugt er in den Wohnungen vielfältige Farb- und Lichtstimmungen. Besonders bei Aalto ist das harmonische Ineinandergreifen von städtebaulichem Ideal der durchgrünten Stadt und funktionalen Wohnungsgrundrissen spürbar. Schlafzimmer, Küche und der zentrale, sogenannte „Allraum“ umfassen von drei Seiten eine zimmergroße Loggia, großzügig lenkt sie den Blick auf die Weite draußen. Bei bedecktem Himmel entfalten zarte Farbtöne an Wänden und Decke, die an sonnigen Tagen auf den ersten Blick weiß erscheinen, ihre Farbigkeit. In der Küche sind es Gelbtöne, im Allraum Rosa. Oberhalb der Zimmertüren haben wir die Wände geöffnet und rahmenlose Verglasungen als Oberlichter eingesetzt. Die kompakten Räumen wirken nun größer und der Allraum dank seitlichem Streulicht noch heller. Die gut erhaltenen originalen Einbauschränke behielten unverändert ihren Platz. Auch einige der Leuchten sind original, darunter eine, die der Bauherr zwischen dem entsorgten Hausrat eines Nachbarn fand.
Innenarchitekt
Reuter Schoger
Ort
Klopstockstraße 30
Berlin
Jahr der Fertigstellung
2008
Aufgabe
Umbau einer Wohnung im Alvar-Aalto-Bau

Auszeichnungen
Deutscher Innenarchitekturpreis 2008 Anerkennung
nominiert zum German Design Award 2014