Temporär ergänzt

Philipp Architekten haben eine denkmalgeschützte Heilbronner Villa um einen mobilen Büroraum erweitert. Anna Philipp erläutert den Eingriff und das dahinter stehende Gesamtkonzept.
Die «Blackbox» fügt sich in die Gesamtansicht des denkmalgeschützten Gebäudes ein 
Katinka Corts: Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Anna Philipp: Eine unter Denkmalschutz stehende Villa sollte erweitert werden, da das dort ansässige Büro dringend mehr Arbeitsplatz brauchte. Der springende Punkt war jedoch, dass der Auftraggeber Mieter des Objekts ist und eine Investition nur dann tätigen wollte, wenn er diese auch an einem anderen Ort verwenden könnte. Somit war die Idee eines an verschiedenen Orten einsetzbaren Moduls geboren.

Dabei gab es zwei besondere Herausforderungen: Zum einen das historische Gesamtbild, das nach wie vor stimmen musste, zum anderen die notwendige städtische Genehmigung. In einem ersten Schritt wurde nun die mobile Büroraumerweiterung realisiert, die auf der Dachterrasse platziert wurde, aber eben auch wieder entfernt werden kann. Die Anlieferung über einen schmalen Radweg entlang des Neckars sowie die Installation per Baukran hat großes logistisches Geschick erfordert, aber die Zusammenarbeit mit der Stadt Heilbronn und der Denkmalschutzbehörde war wirklich gut.
Die mobile Büroraumerweiterung schafft zusätzlichen Arbeitsraum für das hier ansässige, expandierende Unternehmen.
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Die Büroraumerweiterung ist Teil eines Konzepts mobiler Bauten, die in aufeinanderfolgenden Schritten realisiert werden können. Jedem Bau ist dabei eine eigene orts- und nutzungsspezifische Funktion zugeordnet, gleich einem Campus. Das im Park bereits bestehende «Lingner-Lab» war eine Inspiration, oder besser gesagt, für beide Projekte war der Containerbaugedanke eine Inspiration: klare, rechteckige Volumen.
Das Konzept, das die Arbeitswelt als Lebensraum mit unterschiedlichen Zonen und Bereichen versteht, sieht vier weitere Elemente vor: 1. eine Silent.Box, die zwischen den Bäumen gleich einem Nest als Rückzugsort dient; 2. eine Combi.Box, die dank des schwenkbaren Whiteboards zum «Summeroffice» umfunktioniert werden kann; 3. eine Work.Area, die gleich einer verglasten Vitrine die sie umgebende Natur spiegelt und im Innern für konzentriertes Arbeiten sorgt; 4. einen Coworking.Space, der den Campus nach außen hin sichtbar macht und gleichzeitig von innen den Blick auf den angrenzenden Neckar freigibt.
Im Innern ist alles aus OSB-Platten gefertigt
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Die 1811 im klassizistischen Stil gebaute Villa Mertz wurde seinerzeit für den Unternehmer Christian Mertz als Landhaus erbaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Villa fast ganz zerstört und 1960 nahezu originalgetreu wieder aufgebaut. Die realisierte Erweiterung hebt sich zwar äußerlich durch seine schwarze Farbe und moderne Modulbauweise ab, das Gebäude insgesamt nähert sich aber seinen baulichen Ursprüngen aus dem Jahr 1811 an: Es schließt eine Baulücke aus der Wiederaufbauzeit. Dieses Spiel mit dem Gegenüber, dieser Dialog zwischen alt und modern, ließ so einen einzigartigen Kontrast entstehen.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Grundvoraussetzung für den Startschuss des Projekts war die Zustimmung des Eigentümers der Villa Mertz, Dr. Friedrich Mertz, der schon von Kindesbeinen an Zeuge des architektonischen Wandels ist. Seine Worte: «Es ist schön zu sehen, dass Leben in der Villa herrscht uns es immer weiter geht – Veränderung gehört zum Fortschritt dazu.»
Gesamtansicht mit Park und Neckar
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Der Gedanke des Wandels sollte auch im Innern des neu geschaffenen Südflügels greifbar sein, daher wurde der Raum hinsichtlich seiner Sitz- und Arbeitsmöglichkeiten bewusst so gestaltet, dass er flexibel für verschiedene Zwecke genutzt werden kann. Er ist Ideen-Werkstatt, Besprechungsraum und Ruheort zugleich. Die Idee war, ein ganzheitliches Raumerlebnis zu schaffen. Boden, Decke, Wände, Tisch, jedes Möbelstück in dem Raum ist aus OSB-Platten gefertigt, also ein sehr einfaches aber echtes Material. Man betritt ein ganz ruhiges Raumvolumen, das nur durch den Raum wirkt, wie eine Skulptur, aus einem Material gefertigt. 
Gesamtkonzept
Lageplan
Grundriss 2. Obergeschoss
Schnitt
Partner Bau der Woche
mobile Büroraumerweiterung
2015

Rosenberg 1
74072 Heilbronn

Auftragsart
privater Bauherr

Bauherrschaft
Lingner Consulting New Media GmbH, Heilbronn

Architektur
 Philipp Architekten BDA, Untermünkheim
Entwurf: Anna Philipp
Projektleitung: Steffen Huss

Fachplaner
Bauphysik: Ing. Büro Rath, Metzingen
Statik: Hans-Jürgen Schmid, Schorndorf

Ausführende Firmen
Holzbau: baukunst philipphaus, Untermünkheim

Hersteller
OSB-Platten: Egger
Aluminiumverbundplatten: Alucobond
Fenster und Türen: Internorm
Sonnenschutz innen: Warema

Bruttogeschossfläche
21 m²

Gesamtkosten
k.A.

Auszeichnung
best architects 17
nominee german design award 17

Fotos
Lingner.com

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