Ausblick im Zickzack

Lederer Ragnarsdóttir Oei  haben mit einem neuen Sparkassengebäude in Ulm und der Einbeziehung des Nachbarbaus das Tor zur Innenstadt neu definiert. Heller Ziegelstein verbindet die Objekte optisch.
Blick von der Großen Blau auf die Sparkasse Ulm und den «Neuen Bau» – ein Renaissancegebäude; heutzutage Sitz der Polizeidirektion.
Katinka Corts: Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
LRO: Sparkassen entstanden im 18. Jahrhundert mit dem Ziel, der ärmeren Bevölkerung am Ort die Möglichkeit zu geben, kleinste Geldbeträge gegen Zins anlegen zu können. Gegenüber Banken sind Sparkassen ihrer Region oder Stadt verbunden. Die Ortsbezogenheit ebenso wie der Umgang mit  überregionalen und internationalen Märkten bestimmte den Reiz der Aufgabe.

Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Der wesentliche Gedanke unserer Planung beruht auf der Frage, welche Art von Gebäude in Bezug auf Plastizität und Materialisierung der Stadt an dieser Stelle den besten Mehrwert bringen könnte. Mit dem gegenüberliegenden «Neuen Bau», einem mächtigen Renaissance-Gebäude aus Ziegeln, bildet die Sparkasse den Eingang zur inneren Stadt. 

Ermöglicht wurde die Rückgewinnung der städtischen Dichte durch den Rückbau der Neuen Straße, die in der Nachkriegszeit «autogerecht» ausgebaut worden war. Die Straße bildet im Übrigen eine Kante, die nach Süden hin um ein gutes Geschoss abfällt. Der Baukörper folgt diesem Geländeschnitt, der nunmehr durch die Staffelung im Dachgeschoss ablesbar bleibt. Die südlichen Nachbargebäude stehen in der Dichte altstadttypischer Abstände, so dass von dort das Haus in seiner eigentlichen Größe nicht frontal wahrgenommen werden kann.

Dem sehr geschlossenen Charakter der Steinwand stellten wir Fensterbänder in Zick-Zack-Form aus polierten Edelstahlrahmen gegenüber. Die Vor- und Rücksprünge kommen aus der Überlegung, dass kleine Büroräume durch das erkerartige Vor- und Rückspringen eine viel angenehmere Wirkung haben. Immerhin weisen im Büroraster die kleinstmöglichen Räume eine Breite von 2,7 Metern aus.
Südfassade - Sparkasse Ulm
Verbindungssteg der beiden Neuen Gebäude der Sparkasse Ulm
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Der Entwurf entstand in ständigem Austausch zwischen dem damaligen Baubürgermeister Wetzig (der die Stadt nachhaltig geprägt hat) und der Sparkasse selbst. Der Städtebau und die Kubatur waren bereits im Wettbewerb definiert. Dagegen erarbeiten wir die tatsächliche Materialisierung und architektonische Umsetzung anschließend sukzessiv bis zur Fertigstellung des Bauwerks. Deshalb verändern sich unsere Gebäude oft gegenüber dem Wettbewerb stark.

Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Uns hat der «Neue Bau» mit seinen alten Ziegelmauern sehr gut gefallen. Auch dessen anschließende Mauerteile, die unter einer Brücke hindurch die Neue Straße unterqueren und unmittelbar bis zu dem Neubau der Sparkasse führen. Deshalb lag es nahe, ein ähnliches, wenn nicht sogar gleiches Material für die geschlossenen Wände des Neubaus zu verwenden. Aufgrund unserer Erfahrung mit gebrauchten Ziegeln konnten wir den Bauherrn von den Vorteilen des alten Steins überzeugen. Entscheidend war der Gedanke der Wiederverwendung der Steine für die Ziegelfassade. Dies geschah zuerst aus Gründen der Nachhaltigkeit, wenngleich die ästhetische Qualität den Gedanken des Weiterbauens entscheidend unterstützt.
Fassadendetail – Sparkasse Ulm
Blick auf die Sparkasse Ulm von Süden, im Hintergrund der «Neue Bau»
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnitt
Partner Bau der Woche
Sparkasse Ulm
2015

Neue Straße 60
89073 Ulm

Auftragsart
Wettbewerb 2008, 1. Preis

Bauherrschaft
Sparkasse Ulm

Architektur
LRO Lederer Ragnarsdóttir Oei GmbH & Co. KG Architekten BDA / AI, Stuttgart
Projektleiter: Wolfram Sponer
beteiligte MitarbeiterInnen: Simone Neuhold, Lukas Volz, David Fornol

Fachplaner
Projektsteuerung: Drees & Sommer, München
Tragwerksplanung: Röder Ingnieure, Ulm
Haustechnik: ARGE Conplaning / Schreiber, Ulm/Neu-Ulm
Fassadenplanung: DS-Plan, Stuttgart
Bauphysik: Kurz + Fischer, Winnenden
Geologie: GeoBüro Ulm
Vermessung: Wassermüller, Ulm
Brandschutz: UM+T, Ulm
Abbruch: Max Wild, Illertissen
Verbau: Bauer + Partner, Ulm

Ausführende Firmen
Rohbau: Baresel GmbH, Leinfelden-Echterdingen
Fenster: Dodel Metallbau GmbH, Ulm
Metallbau / Türen: Einenkel Toranlagen GmbH, Ulm
Dachabdichtung / Spenglerarbeiten: Dieter Eitle GmbH, Neu-Ulm
Grobschlosser: HP Müller Schlosserei GmbH & Co. KG, Senden
Verblendmauerwerk: Neuschwander GmbH, Obersulm
Trockenbau: SAT Gebäudesanierung GmbH, Worms
Tischler / Holztüren: Tischler / BS -Türen:  Single Innenausbau GmbH, Frickenhausen
Gerüste: Schäfer Gerüstbau GmbH, Memmenhausen
Putz: Thomas Kast GmbH & Co. KG, Senden
HoBo/ DoBo: MERO-TSK International GmbH & Co KG, Würzburg
Estrich: Ukshini + Ajdini GmbH, Amstetten
Systemtrennwände: Paul Feederle GmbH, Karlsruhe
Schreiner/Innenausbau: Friedrich Hanselmann GmbH & Co. KG, Neuweiler
Schreiner/Einbauschränke: Wolf Ladenbau, Laichingen
Maler: Malerwerkstätten Heinrich Schmid GmbH &  Co. KG, Ulm
Schlosser/Bleche: Gramm GmbH & Co. KG, Friedrichshafen
Naturstein:   Marmor Reichardt, Ulm
Fliesen: Staigmüller-Gaub GmbH, Blaustein
Werbeanlagen: Kaufmann Ulm Lichtwerbung GmbH, Neu-Ulm
Bodenbelag: Ulrich GmbH & Co. KG, Neu-Ulm
Sondermöblierung Birke: Schreinerei Neuendorf, Ulm-Jungingen
Möblierung Umkleiden/ Möblierung Büros: PURIST GmbH, Ludwigsburg
Möblierung: Beratermöbel EG:  dobergo GmbH & Co. KG, Lossburg-Betzweiler
Möblierung Besucherstühle, Stühle Besprecher: fey messe & objektdesign GmbH & Co. KG, Ulm-Jungingen
Möblierung Besprechungstische und Bürostühle: Scheurer & Lecher GbR, Ulm
Möblierung Empfagstheken: wirth | bucher, Bad Waldsee
Vorhänge: Kaipf GmbH – Raumausstattung, Ulm

Hersteller
Fassade: Recyclingziegel, Backstein - Kontor
Dacheindeckung:Kompaktdach 25, Foamglas
Außentüren, -tore:  Wicona
Innentüren: neuform
Beschläge: Hafi
Schließanlage: Keso
Fensterrahmen: Wicona
Sonnenschutz: Eckelt
Teppich: interface sherbet fizz
Linoleum: DLW Colorette LPX
Trockenbau: Siniat
Armaturen: Vola
Sanitärobjekte: Schüschke; Keramag
Fliesen: Villeroy & Boch
Leuchten Innen-, Außenraum: Beta Leuchten GmbH; Louis Poulson; Zumtobel; RIDI
Schalter und Steckdosen: Gira
Möblierung: werner works; Montana Möbel; Rossoacoustic
Aufzüge: Haushahn

Bruttogeschossfläche
8.187 m²

Gebäudevolumen
24.774  m³   

Gesamtkosten
k.A.

Auszeichnung
Nominierung für den DAM Preis für Architektur 2017

Deutsches Architekturmuseum (DAM) Frankfurt

Fotos
Arno Lederer, Lederer Ragnarsdóttir Oei, Stuttgart

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