Goldener Solitär

Das Dach des neuen Busbahnhofs von Gummersbach ragt kraftvoll in die Höhe. Gummersbach brauchte ein solch identitätsstiftendes Zeichen, erklären Tore Pape und Hubertus Schäfer.
Das polygonal aufgefaltete Dach prägt den Ort
Katinka Corts: Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Hubertus Schäfer: In Gummersbach hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Die erfolgreiche Entwicklung des ca. 18 ha großen «Steinmüllergeländes» ist für die Zukunft der Stadt von großer Bedeutung. In diesem Zusammenhang war es wichtig, den Busbahnhof als funktionalen innerstädtischen Verteiler mit hoher Aufenthaltsqualität zu entwickeln. Gleichzeitig galt es, die Chance zu nutzen, ein positives und stadtbildprägendes Signet zu schaffen, mit dem sich die Gummersbacher identifizieren können.
Die fast 100m lange Fußgängerrampe verschneidet sich mit dem Sockelbauwerk und stellt den barrierefreien Zugang zum Bahnhof her. Die Beleuchtung wurde in die Dachfläche integriert. 
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Tore Pape: Die Umgebung des neuen Busbahnhofs ist durch den markanten Felshang unterhalb der Kleinen Bergstraße geprägt. Das polygonal aufgefaltete Dach und das schräg aufgehende Sockelbauwerks greifen die gebrochene Struktur der Felsen auf und bilden ein markantes Polyeder. Das fasst die ansonsten offene stadträumliche Situation und bietet einen atmosphärischen Ort zum Aufenthalt. 

Hubertus Schäfer: Von Beginn an war uns wichtig, dass die Formensprache, Farbigkeit und Struktur des Daches möglichst selbstverständlich und harmonisch in den Belägen weitergeführt wird. In den Fußgängerbereichen haben wir die Architektursprache des Daches in Form von spielerischen  Verwerfungen in der Fläche «weitergesponnen». Durch Richtungsänderungen und minimale Helligkeitsvariationen innerhalb des Pflasterverbandes entsteht Lebendigkeit in den Bodenbelägen.
Die Freitreppenanlage befindet sich im Schwerpunkt der Anlage und bildet den Zugang zur Busplattform.
Das 130m lange Dachvolumen wird von 12 schräg aufgehenden Stützen gehalten.
Was sind die Grundzüge der Grünplanung?
Hubertus Schäfer: Das Pflanzkonzept unterstützt und verstärkt die räumliche Wirkung des Daches. Durch die abwechslungsreiche Verwendung von polygonal angeordneten Gräserfeldern, Frühjahrsblühern und ortstypischen Solitärbäumen wird das gestalterische Leitthema auch in den Grünbereichen weitergeführt und eine landschaftliche Einbettung in die Umgebung geschaffen.
Die indirekte Beleuchtung für die Dachfläche ist in der Glaskonstruktion des Windschutzes integriert. An seiner weitesten Stelle erreicht das Dachsegel eine Breite von etwa 25m
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Tore Pape: Auf den ersten Blick sind es natürlich die goldenen Schindeln aus Aluminiumbronze, die dem Bauwerk einen unverwechselbaren Charakter verleihen. Besonders wichtig war für uns jedoch das präzise Zusammenspiel der dunkel eingefärbten Tragstruktur mit den dem darauf aufliegenden scharfkantigen Dach. Die Sockelfigur besteht aus großen Betonfertigteilen, die bereits bei der Montage millimetergenau aufgestellt werden mussten um später alle Abhängigkeiten im Hinblick auf die polygonalen Dachgrate einhalten zu können. Besonders eindrucksvoll – und das zeigen auch die Reaktionen vieler Wartenden - ist aus meiner Sicht das in die Windschutzverglasung integrierte Beleuchtungssystem, das das metallene Dach bei Dunkelheit als schwebendes Volumen inszeniert ohne dass die Lichtquelle auf den ersten Blick ersichtlich ist.
Seit dem Beginn des Stadtumbaus hat sich auf dem Steinmüllergelände bereits viel verändert. Hier das neue Umfeld der Veranstaltungshalle 32. 
Lageplan
Grundriss
Schnitt
Partner Bau der Woche
Busbahnhof Gummersbach
2015

Bahnhofstraße
51643 Gummersbach

Bauherrschaft
Entwicklungsgesellschaft Gummersbach mbH, Gummersbach

Architektur
 pape+pape architekten, Kassel
Mitarbeit: Thomas Zinn, Janus Kühmstedt, Julian Kühmstedt

Greenbox Landschaftsarchitekten, Köln
Mitarbeit: Markus Pieper, Lisa Gerlach

Fachplaner
Reitz und Pristl Ingenieurgesellschaft, Kassel
Lichtwerke GmbH, Köln

Ausführende Firmen
Rohbau: Fritz Meyer GmbH, Altenkirchen
Betonfertigteile: Anton Schick GmbH + Co.KG, Bad Kissingen
Stahlbau: SAW GmbH, Bochen
Dachverkleidung: Sperber Klempner GmbH + Co.KG, Langenschade
Fassade: Keskin GmbH, Troisdorf
Innenausbau: Kammtec GmbH, Meinerzhagen

Hersteller
Uplights: Insta Elektro GmbH, Lüdenscheid
Downlights: we-ef, Bispingen
Betonfertigteile: Anton Schick, Bad Kissingen
Schindelverkleidung: Böhme Systems, Dresden

Bruttogeschossfläche
ca. 2000 m² (Dach)
ca. 100m² (Servicezentrale)

Gebäudevolumen
ca. 300 m³

Gebäudekosten
ca. 2.500.000 € (Dach)
ca. 350.000 € (Servicezentrale)

Gesamtkosten
ca. 6.500.000 €

Fotos
Lukas Roth, Köln (1-6)
Dietmar Brensing (7)

Projektvorschläge Sie haben kürzlich fertiggestellte Projekte oder möchten diesen Beitrag kommentieren? Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!
 Archiv «Bau der Woche»