Bezahlbar und zentral

In Mannheim zeigen Stefan Forster Architekten welche Potenziale in der Nachverdichtung liegen: In neun Jahren und vier Bauabschnitten wurden 245 bezahlbare und barrierefreie Wohnungen geschaffen. Im Schwarzwaldblock lebt die Tradition des großstädtischen Blocks wieder auf.
Blick auf die denkmalgeschützte Nordspitze des Quartiers, hinter der sich der Schwarzwaldblock erstreckt
Katinka Corts: Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Stefan Forster: Der komplette Rückbau eines bestehenden innerstädtischen Wohnblocks sowie der Neubau auf der gleichen Grundform war eine Herausforderung. Mit dem Neubau konnten wir auf selber Fläche 85 Wohnungen mehr schaffen und zugleich die Wohnqualität und durchgehend barrierefreie Ausstattung jeder einzelnen Wohnung deutlich erhöhen. Dank der abschnittsweisen Realisierung in vier Bauabschnitten konnten die Bewohner im Quartier bleiben – einer wichtigen sozialen Zielsetzung des Bauherrn, der Genossenschaft Spar + Bauverein 1895 Mannheim, konnte so Rechnung getragen werden.
Die Fassade nimmt den bogenförmigen Verlauf der Schwarzwaldstraße auf
Höhenstaffelung der Fassade an der Schwarzwaldstraße, mit Sockelgeschoss und rückspringendem Dachgeschoss 

Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Das Projekt nimmt die Grundform des Bestandes, den geschlossenen Block, wieder auf. Er wird als eine Addition von gleichen Häusern definiert. Wir wollten damit an die große Zeit des Genossenschaftsbaues, wie zum Beispiel im Wien der 1920er- und 1930er-Jahre, erinnern.

Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Die Grundrisse wurden sehr intensiv mit der Bauherrschaft, einer traditionsreiche Baugenossenschaft, besprochen und an deren Wünsche und Erfahrungen angepasst. Nach dieser Grundrissabstimmung gab es keine weiteren Veränderungen. Die im Wettbewerb vorgeschlagene Typologie wurde beibehalten und nur präzisiert. Nach nun fast neun Jahren – solange dauerte der Bau in vier Bauabschnitten – sieht man, dass der damals erarbeitete Entwurf immer noch tragfähig ist. Das Projekt gefällt den Mietern und wir erhalten derzeit sehr positive Rückmeldungen vom Bauherrn und den Mietern.
Innenhof
Innenhof, Ausschnitt
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Wir haben damals den umlaufenden Klinkersockel vorgeschlagen. Er wertet das Projekt extrem auf und schützt zudem das Erdgeschoss vor Beschädigungen. Die Fassade der Obergeschosse wurde in WDVS ausgeführt. Heute bedauern wir und der Bauherr diese Entscheidung. Die WDVS-Fassade der ersten Bauabschnitte zeigt bereits erste Abnutzungsspuren, sodass es besser gewesen wäre, die Straßenfassade komplett in Klinker auszuführen. Zum damaligen Zeitpunkt stellte das Projekt für die kleine Baugenossenschaft einen gewaltigen Kraftakt dar, immerhin handelt es sich bei dem Block um 20% ihres Wohnungsbestandes. Aus diesem Grund haben wir von einer Klinkerfassade Abstand genommen.

Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen? 
Bei dem Projekt kommen im Grunde ganz gewöhnlichen Produkte zum Einsatz. Neben dem angesprochenen Klinkersockel und der WDVS-Fassade konnten wir die Außenfensterbänke als Betonfertigteile ausführen. Wegen der in Mannheim notwendigen Erdbebenklasse musste der Rohbau fast komplett in Beton hergestellt werden. Andernorts bevorzugen wir im Wohnungsbau eher traditionelles Mauerwerk. Im Treppenhaus kam Betonwerkstein als Bodenbelag zum Einsatz.
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Grundriss Regelgeschoss
Schnitt
Partner Bau der Woche
Schwarzwaldblock
2016

Schwarzwald-, Haardt-, Meerwiesenstraße
68163 Mannheim

Nutzung
Wohnungsbau (245 Wohnungen)

Auftragsart
Wettbewerb 2005, 1. Preis

Bauherrschaft
Spar- und Bauverein 1895 Mannheim eG

Architektur
 Stefan Forster Architekten, Frankfurt am Main
Mitarbeit: Florian Kraft, Ildikó Návay, Andreas Wenger, Jelena Duchrow, Ferdinand Oswald

Fachplaner
Tragwerksplanung: Kannemacher und Dr. Sturm Beratende Ingenieure für Bauwesen – VBI, Frankfurt am Main
Haustechnikplanung: Ingenieurbüro Klöffel GmbH, Bruchköbel

Bauleitung
BGG Architekten + Ingenieure, Bad Homburg

Energiestandard
KfW 40, KfW 70 (4. BA)

Bruttogeschossfläche
26.030 m²

Gebäudevolumen
121.000 m³

Gesamtkosten
ca. 42.000.000 € Netto

Auszeichnung
Nominierung Staatspreis Baukultur Baden-Württemberg 2016

Fotos
Lisa Farkas

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