Sandstrand und Dünen

Müntinga und Puy Architekten stellen das Strandbadgebäude in Bad Arolsen fertig. Es inszeniert den Wechsel zwischen grüner Landschaft und freier Liegefläche, erläutert Jürgen Schimmelpfeng.
Standbad mit Neubau und See
Katinka Corts: Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Jürgen Schimmelpfeng: Das Besondere haben wir in der umgebenden Landschaft gesehen; in den bewaldeten Hügeln, dem See, aber auch in der Abwechslung von Ruhe und Geschäftigkeit durch die Besucher.

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Es war uns wichtig Offenheit und Weite zu schaffen – das ist die zentrale Idee der Anlage. Wir haben uns eine schlichte, schöne und zugleich spannende Umgebung für die Freizeitstunden der Besucher vorgestellt, alles sollte jedoch Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen.
Café mit vorgelagerter Lärchenholzterrasse
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Die neu geschaffene Bucht inszeniert einen Wechsel vom bewaldeten Uferbereich zu besonnten freien Flächen. Die vorhandene Hangvegetation ist bis auf die erhaltenswerten Bäume ausgedünnt. Der steile Hang wurde abgetragen und sanft bis zur geschwungenen, nach Westen verlegten Uferpromenade angezogen und mit Sand überworfen. Mit einer leichten Drehung öffnet sich die Bucht nach Süden, wodurch eine starke Beziehung zwischen Wasser, Strand und Promenade entstand. Der langgestreckte, geschwungene Riegel des Strandgebäudes bildet das Rückgrat der Bucht und begleitet die Promenade. Trotz der topografischen Gegebenheiten ist die Barrierefreiheit von zentraler Bedeutung. Das Gebäude, der Strand und auch das Wasser sind mit dem Rollstuhl zu erreichen.
Zugänge zu den Duschen, Umkleiden und Toiletten
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
In der Planungsphase gab es einen intensiven Austausch zwischen Bauherr, den verschiedenen Nutzergruppen und uns als Architekten. Es handelt sich ja um ein generationsübergreifendes Projekt, das viele Altersgruppen anspricht. Auch während der Bauphase ist der Planungsstand immer wieder in der Öffentlichkeit präsentiert und diskutiert worden. Die gewonnenen Erkenntnisse haben wir eingearbeitet.
Gussglasfassade im Bereich der Umkleiden
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Wir haben versucht das Gebäude zeitlos zu gestalten, soweit dies überhaupt möglich ist. Die Haustechnik ist reduziert, auch hier galt das Prinzip der Einfachheit. Auf dem Dach befindet sich eine Solarthermieanlage, die die Heizung unterstützt.
Blick durch das Café auf die Terrasse
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Drei Materialien prägen das Erscheinungsbild des Gebäudes: Der Sichtbeton, der den Hang abfängt und die Decke bildet, folgt den geschwungenen Formen der Landschaft. Seine Formensprache und die feinporig, samtige Oberfläche prägen die Innenräume. Der wetterfeste Baustahl unterstreicht das Bild des kräftigen Riegels, des Rückgrates. Seine rotbraune Farbe bildet ebenso wie das Gussglas einen Kontrast zum Grün der Landschaft. Durch ihre gebogene Montage folgt die Glasfassade dem Gebäudeschwung. Das gleichmäßig einfallende Licht lässt eine schöne, ruhige Innenraumstimmung aufkommen.
Modellfoto Strandbadareal und Gebäude
Lageplan
Grundriss
Schnitt
Partner Bau der Woche
Neugestaltung Strandbad Twistesee Bad Arolsen
2015

Zum Wiggenberg 31
34454 Bad Arolsen

Auftragsart
Direkter Auftrag nach Wettbewerb

Bauherrschaft
Magistrat der Stadt Bad Arolsen

Architektur
Architekturbüro Müntinga und Puy, Bad Arolsen
Gerhard Müntinga, Arno Puy, Jürgen Schimmelpfeng

Fachplaner
Landschaftsplanung: Schulz Landschaftsarchitekten, Kassel
Technische Ausstattung: Ing.-Büro Ernst-Wilhelm Saure, Korbach
Tragwerksplanung: Thomas Böhle Ing.-Büro f. Baustatik, Bad Arolsen

Ausführende Firmen
Elektroinstallation: Fa. Elektro Engelhard GmbH. Bad Arolsen
Dachdeckerarbeiten: Fa. Dirk Grebe Dachdeckerbetrieb, Twistetal-Berndorf
Fassade: Fa. Pistorius GmbH, Diemelsee-Vasbeck
Heizung/Lüftung/Sanitär: Fa. Götte GmbH, Bad Arolsen
Freianlagen: Fa. Boymann GmbH & Co. KG, Glandorf

Hersteller
Stahlfassade: Thyssen Krupp
Aluminiumfenster: Kawneer

Energiestandard
EnEV 2009

Bruttogeschossfläche
400 m²

Gebäudevolumen
1795 m³

Kubikmeterpreis
697 €

Gebäudekosten
1.250.000 € (KG 200-400)
593.000 € (KG 500)        
37.000 € (KG 600)
          
Gesamtkosten
1.880.000 € (KG 200-600)

Fotos
Constantin Meyer, Köln

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