Einblicke in die Wissenschaft

Das Stuttgarter Büro Hammeskrause Architekten hat auf dem Lübecker Universitätscampus das Center of Brain, Behavior and Metabolism fertiggestellt. Seit 2015 bauen die Architekten vor Ort weiter – das «Entzündungszentrum Biomedizinische Forschung» soll 2019 bezogen werden können.
Gesamtansicht des Forschungszentrums von der Marie-Curie-Straße
Katinka Corts: Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Markus Hammes und Nils Krause: Für das Konzept des Center of Brain, Behavior and Metabolism (CBBM) war der Aspekt einer interdisziplinären Forschung und fächerübergreifenden Kommunikation zwischen den 33 Arbeitsgruppen von besonderer Bedeutung. Zwei helle, lichtdurchflutete Atrien bilden das Zentrum des viergeschossigen Neubaus. Die raumhoch verglasten Laborbereiche gewähren Einblicke in die Arbeit der Wissenschaftler. Verbindende Wege und Treppen führen vorbei an Treffpunkten wie Teeküchen und Sitzgruppen und fördern den informellen Gedankenaustausch zwischen den Wissenschaftlern. Innovation entsteht nicht in der experimentellen Arbeit, sondern in der Kaffeepause und beim Austausch mit Kollegen – Raum für Kommunikation ist notwendiger Bestandteil eines nachhaltigen Gebäudekonzepts. 
Die Laborcluster gruppieren sich um das natürlich belichtete Atrium
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Inspirierend war der Austausch mit der Universitätsleitung und den involvierten Wissenschaftlern und der intensive Dialog über die Frage, wie entsteht Innovation in der Forschung bzw. wie sehen die Landschaften aus, die interdisziplinäre Kommunikation fördern. Die in der Forschungszusammenarbeit angelegte Philosophie «Von der Zelle zum Menschen» haben wir in ihrer methodischen Vielschichtigkeit für das Hirnforschungszentrum aufgegriffen.

Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Für das enge, viereckige Grundstück auf dem Lübecker Universitätscampus haben wir einen Atriumtypus entworfen. Rund um zwei Innenhöfe sind die Laborcluster gruppiert. Vielfältige Ein- und Ausblicke quer durch das Gebäude bringen die Forschung und die aktive Arbeit in den Laboren in das Zentrum des Gebäudes. Die transparente Eingangszone öffnet sich zur Marie-Curie-Straße und gewährt Einblicke ins Foyer mit multifunktionalem Seminar- und Veranstaltungsbereich. Die kompakte rechteckige Kubatur des CBBM mit seinen charakteristischen, horizontalen Fassadenbändern fügt sich harmonisch in den Campus ein und schafft ein identitätsstiftendes Zentrum für die drei Institute.
Zweiter Lichthof mit verbindenden Treppenläufen, Brücke und eingehängten Besprechungsräumen
Große Sitztreppe für Veranstaltungen mit Blick in die Laborlandschaften und die Auswertebereiche am Atrium
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Alle Beteiligten an einem Bauvorhaben beeinflussen unseres Erachtens die Arbeit. Sei es durch Rahmenbedingungen, Budgets, Termine, Funktionen, Atmosphäre, Stimmung und vieles mehr. Der eigentliche Entwurfsprozess ist eingebettet in diesen Kontext, bleibt aber originäre Aufgabe des Architekten. Die Diskussionen mit Bauherr und wissenschaftlichen Nutzern über Aspekte des Entwurfs erfolgten stets konzeptionell und mit gegenseitiger Empathie.

Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Mit dem Neubau des CBBM haben wir ein überdurchschnittlich energieeffizientes Forschungsgebäude realisiert. Die gesetzlichen Vorgaben der Energieeinsparungsverordnung ENEV 2009 werden um rund 30 Prozent unterschritten und durch die Anordnung der energie-intensiven Laborlandschaften an den überdachten Atrien wird ein sehr günstiges Verhältnis von Außenfläche zu Volumen erzielt. Gebäudehülle und technischen Anlagen orientieren sich am Passivhaus-Standard und gewährleisten einen nachhaltigen Gebäudebetrieb durch Kompaktheit, Tageslichtautarkie und Flächeneffizienz. Räumliche und inhaltlich flexible Forschungslandschaften innerhalb einer robusten und nachhaltigen Gebäudestruktur (Tragwerk und Medienversorgung) wurden im CBBM realisiert.
Lageplan Universitätscampus Lübeck
Grundriss Obergeschoss CBBM
Längsschnitt CBBM
Partner Bau der Woche
Center of Brain, Behavior and Metabolism CBBM
2016

Ratzeburger Allee 160, Gebäude 66
23562 Lübeck

Nutzung
Interdisziplinäres Forschungszentrum der Universität Lübeck

Auftragsart
Zuschlag und Beauftragung nach europaweiten Verhandlungsverfahren (VOF) mit öffentlichem Teilnahmewettbewerb

Bauherrschaft
Bundesland Schleswig-Holstein, vertreten durch Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH)

Architektur
hammeskrause architekten bda, Stuttgart
Markus Hammes und Nils Krause
Stuttgart: Jürgen Naverschnigg, Christiane Weidenbach, Markus Cattaneo, Nicole Steinbach-Falch
Lübeck: Karina Wahrmann, Tal’at Mutlu, Martin Grebniok, Ole Küstermann

Fachplaner
Tragwerksplanung: Krebs und Kiefer Beratende Ingenieure für das Bauwesen, Berlin
TGA und Laboreinrichtung: CRC Clean Room Consulting GmbH, Freiburg
Brandschutz: Halfkann + Kirchner Sachverständigenbüro Brandschutzingenieure, Berlin
Bauphysik: Taubert und Ruhe GmbH, Lübeck
Bauakustik: Akustik Ingenieurbüro Moll GmbH, Berlin
Landschaftsplaner: Trüper, Gondesen und Partner, Landschaftsarchitekten BDLA, Lübeck

Ausführende Firmen
Gebäudeleittechnik: Kieback &Peter GmbH & Co. KG
Heizung: Heiztechnik Mühlhausen GmbH, Mühlhausen/Thüringen 
Lüftung: Klimabaugesellschaft für lufttechnische Anlagen mbH, Frankfurt 
Brandmeldezentrale: Esser, Neuss
Brandmelder: R+S Stolze GmbH, Lübeck 
Aufzüge: Schindler Aufzüge und Fahrtreppen GmbH, Hamburg

Hersteller
Türen: Karusselltüre/ Haupteingang: Dorma Deutschland
Glasrahmentüren: Schüco Jansen International
Außentüren: Schüco Jansen International
Innentüren: Jeld-Wen Deutschland
Brandschutztüren: Teckentrup
Schließsystem: IntraKey technologies
Bodenbeläge Labore und Flure: Kautschuk von nora systems
Bodenbeläge Brücke und Sitztreppe, Besprecher und Galerien: Nadelflies von DLW Flooring
BodenbelägeFoyer: Naturstein, Türkischer Travertin Antik light von REBER Handelsgesellschaft
LED-Downlights Flurbereiche, Foyer, Sanitärbereiche: Trilux
Lichtband Flurbereich EG: Schmitz-Leuchten
LED- Strahler Foyer: Erco
Büro Pendelleuchte: Trilux
Labor Tragschienenleuchte: Trilux
Technik Tragschienenleuchte: Trilux 
Sicherheits-/Rettungszeichenleuchten: CEAG Notlichtsysteme
Schalter/Steckdosen/alle Bereiche: Gira, Giersiepen
Bodendosen/Brüstungskanäle/Kabeltrassen/alle Bereiche: Obo Betterman
Medientechnik (für Steuerung Beamer, Videowall,...): Crestron
Monitore Videowall: Sharp
Trafos/Schaltanlagen: Siemens
WC-Trennwände: Beste Die Trennwandtechnik
Armaturen: Grohe Deutschland
Waschbecken: Keramag Keramische Werke
Wand- und Bodenfliesen: VitrA Bad
Trinkwasserinstallation: Geberit Mepla
Schmutzwasser: Geberit PE-HD
Regenwasser: Saint Gobain
Aktenschränke, Sideboards, Schrankanlagen:  fm Büromöbel
Büroschreibtische, Bürodrehstühle, Bürobesucherstühle: König + Neurath
Konferenztischanlagen: Stegert Möbelwerkstätten
Konferenztische / Klapptische: Brune
Konferenz-, Seminarstühle, Probanten- und Schlaflaborstühle: Four Design
Barhocker: lapalma
Polstermöbel: mitab
Sitzgruppen und Stehtische in Teeküchen, Schreibtische im Schlaflabor: Teamplan
Schließfachschränke in Umkleiden: Schäfer Trennwandsysteme

Energiestandard
30 Prozent unter EnEV 2009 / Gebäudehülle auf Passivhaus-Niveau

Bruttogrundfläche
13.200 m²

Bruttorauminhalt
55.200 m³

Kubikmeterpreis
683 €/m³

Baukosten
30.910.000 €

Gesamtkosten
37.700.000 € netto

Ersteinrichtungskosten
4.220.000 €

Großgeräte (z.B. MRT)
3.110.000 €

Fotos
Werner Huthmacher, Berlin

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