Weiß und transparent

In intensiven Gesprächen mit Vertretern der Universitätsverwaltung, den Wissenschaftlern und dem Generalunternehmer haben Veauthier Architekten den Neubau Forschungsgebäude für IT Sicherheit der Universität des Saarlandes entwickelt. Wir sprachen mit Andreas Veauthier über das Projekt.
In dem Neubau befinden sich rund 135 Büroarbeitsplätze, Besprechungs- und Konferenzbereiche sowie ein Hörsaal.
Thomas Geuder: Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Andreas Veauthier: Unser Bauherr, die Universität des Saarlandes, wollte mit diesem Gebäude den dritten Eingang zum Universitätscampus städtebaulich aufwerten. Insofern steht das Gebäude sehr prominent und sichtbar am Rand des Campus. Die strenge, modulierende Fassade mit springenden Fensterbändern und -brüstungen verweist auf die IT-Nutzung im Inneren.

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Forschungsgebäude müssen heutzutage nicht nur exzellente Einrichtungen für einzelnen Forscher sein. Entscheidend ist vielmehr, ob die Architektur das Kennenlernen und Zusammenarbeiten der Forscher untereinander fördert. Das bedeutet, dass Forschungsgebäude einsichtig gestaltet werden sollten und zur unerwarteten Kommunikation der Nutzer anregen müssen. Wir haben dies unter anderem dadurch erreicht, dass wir ein sehr großes Foyer über alle vier Geschosse geführt haben und dort mit Brücken und Arbeitsebenen ein Miteinander in den Mittelpunkt des Hauses gestellt haben.

Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Der Neubau ist der Außenpunkt des Universitätscampus. Er flankiert eine übergeordnete Landesstrasse und stellt durch seine Querstellung eine Schwelle zum Campus dar. Das Grundstück war vor der Baumaßnahme leicht bewaldet, der Rest war eine Brache. Heute kann man von außen genau ablesen, was hier stattfindet. Dass an diesem Ort einmal nichts war, kann man sich nicht mehr vorstellen.
Im raumhoch verglasten Erdgeschoss liegen Präsentationsräume, repräsentative Konferenz- und Arbeitsräume und der Hörsaal.
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Wir haben das Gebäude in einem ungewohnt intensiven Teamwork mit den Vertretern der Universitätsverwaltung, den Wissenschaftlern und dem Generalunternehmer entwickelt. Im angelsächsischen Sprachraum kennt man dafür die Bezeichnung «Hybrid Design Build». Insbesondere der Einfluss der Nutzer, also der Forscher, auf die Ausbildung der Räume und Materialien war immens bei diesem Projekt. Die nahezu wöchentlichen Besprechungen habenhaben letztendlich zu einem unheimlich intensiven, verdichteten Entwurfsprozess geführt.

Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Am Anfang stand ein sogenannter «Kalkulations-Entwurf» für den Generalunternehmer, der ja an einer öffentlichen Ausschreibung teilgenommen hatte. Der GU benötigte die Massen und Qualitäten. Wir haben ihm im Rahmen seiner Ausschreibung einen Vorentwurf erstellt, also eine erste Vorstellung vom Gebäude. Nachdem der GU dann den Zuschlag erhalten hat, saßen die Wissenschaftler mit am Tisch – und wir haben wieder von vorne angefangen. Natürlich geschah das auf Basis des ersten Vorentwurfs, aber diesen haben wir schließlich Woche für Woche modifiziert. Letztendlich hat sich vieles verändert. Die permanente Begleitung der Wissenschaftler bis zur Fertigstellung des Hauses und dieses besonders intensive Teamwork waren für mich eine interessante, neue Erfahrung.
In den Obergeschossen befinden sich unterschiedlich große Büro- und Besprechungsräume.
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Es waren weniger energetische oder konstruktive Parameter, die den Entwurf geprägt haben. Für mich neu war der Verzicht auf einen außenliegenden Sonnenschutz durch die Kompensation unglaublich hoch qualifizierter Gläser im Zusammenhang mit den Induktionsanlagen in den einzelnen Räumen. Der Schwenk weg vom außen liegenden Sonnenschutz ging übrigens auf die Universitätsverwaltung zurück, die an solchen Bauteilen immer wieder einen enormen betrieblichen Aufwand stemmen muss. Prägend für das Projekt war eher die unglaublich kurze Zeitvorgabe von 21 Monaten für die Planung und die Realisierung des Forschungsgebäudes. Diese Vorgabe hing mit Fristen verschiedener Fördertöpfe zusammen. Hätte der GU das Gebäude 6 Wochen später fertiggestellt, wären der Universität mehrere Millionen Euro an Förderung weggebrochen. Insofern stand alles, was wir erdachten, zeichneten und ausschrieben immer wieder unter der Maßgabe einer konfliktfreien Genehmigungsfähigkeit und Umsetzbarkeit. Förderlich dabei war sicherlich, dass der Neubau des Cispa nicht unser erstes Hochschulgebäude auf dem Campus ist. Wir haben in den letzten 10 Jahren bereits mehrere Universitätsgebäude in Saarbrücken in ganz unterschiedlichen Konstellationen realisieren können. Wir kannten die meisten Beteiligten also ganz gut, und die wussten auch, was sie von uns erwarten können. Gerade weil das Bauen heutzutage mehr und mehr von Konflikten geprägt ist, bin ich ganz froh darüber, wenn es auch mal ohne Streit läuft und die Kraft ausschließlich in die Optimierung des Entwurfes gehen darf.
Eine einläufige Treppe begleitet das ansteigende Foyer über vier Etagen. Sie ist der einzige Farbakzent in dem ansonsten weiß gehaltenen Haus.
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Zwei Bauteile sind hier sicherlich zu nennen: Die Fassadenmodulation wird von einer besonders intensiv-weiß erscheinenden, hinterlüfteten Fassade verstärkt. Hier kam eine relativ neuartige Beschichtung der Aluminiumbleche in «Phoenix-white» der Firma Ebener zum Einsatz. Ein Produkt, auf das unsere Nutzer letztendlich bestanden haben, nachdem sie es einmal gesehen hatten. Die zweite Anforderung, die die Wissenschaftler an unseren Entwurf hatten, bestand in der Offenheit der unterschiedlichen Raumbereiche. Dies wurde in den innen liegenden Fluren, in denen enorme Brandschutzanforderungen an die Rettungswege erfüllt werden mussten, durch den Einsatz vollverglaster Trennwände der Firmen Drum und Hörmann erreicht.
Die Eingangshalle verspringt kaskadenartig über vier Etagen und ermöglicht so auf jeder Etage fließende Arbeits- und Kommunikationsflächen mit Bezügen zueinander.
Der Hörsaal mit 100 Sitzplätzen ermöglicht eine Orientierung in den Außenraum. Seine Akustikdecke spiegelt das Thema des Hauses wider.
Ausschnitt der Hörsaal-Fassade.
Kennzeichnend für den Neubau ist die strenge Fassade mit springenden Fensterbändern und –brüstungen. Diese Modulationen liegender Cluster verweisen auf die IT-Nutzung im Inneren des Gebäudes.
Grundriss Erdgeschoss
Längsschnitt
Lageplan
Partner Bau der Woche
Neubau Forschungsgebäude für IT Sicherheit der Universität des Saarlandes
2015

Campus E9.1
66123 Saarbrücken

Auftragsart
GÜ-Vergabe nach öffentlicher Ausschreibung

Bauherrschaft
Universität des Saarlandes

Architektur
Veauthier Architekten GmbH
Entwurf: Andreas Veauthier
Mitarbeit: Jörg-Martin Schreiber, David Eder, Mark Block

Fachplaner
Enerventis GmbH & Co KG
WPM Ingenieure GmbH
High Light GmbH

Bauleitung
OBG Hochbau GmbH

Ausführende Firmen
OBG Hochbau GmbH
Enerventis GmbH & Co KG

Hersteller
Bodenbeläge textil: Forbo Fabromont
Bodenbeläge Feinsteinzeug: Cesar
Innenverglasungen: Drum Systeme
Innenverglasungen Brandschutz: Hörmann
Fassadenbleche und Beschichtung Ebener/HD Wahl
Fassade: Schüco
Stoffe Hörsaalbestuhlung: Kvadrat Umami
Induktionsgeräte: Hersteller/Fabrikat SLT
Bodenkonvektoren: Kampmann
Heizkörper: Zehnder, Henrad
Deckendrallauslässe Besprechungsräume: Trox
Sanitärobjekte: Hersteller/Fabrikat Vigour
Sanitäraccessoires: HEWI, Keuco, Alape
Waschtische: CONTI, Vigour
Armaturen: Grohe, Shell
Schalter: Merten
Büro-Leuchten: WILA, XAL, Zumtobel
Pendelleuchten Foyer:  Baulmann
Lichtleisten / Linienleuchten: XAL
Beleuchtung Hörsaal: XAL, LTS, Wever & Ducre
Leuchten Treppenhäuser und untergeordnete Bereiche: Trilux
Außendownlights: Bega
Mastleuchten: Schreder
Effektbeleuchtung Showroom, Präsentation: Instalight
Beleuchtung Kaskadentreppe: Selux, Bega
Brandmeldeanlage: Siemens
Sicherheitsbeleuchtung: Gessler
Bodentanks und Elektroverteiler: Hager
EDV-Datenschränke: Rittal
Türsprechstelle: Behnke

Energiestandard
EnEV 2013

Bruttogeschossfläche
5.200 m²

Gebäudevolumen
16.300 m³

Kubikmeterpreis
730 € (brutto)

Gebäudekosten
9.800.000 € brutto

Gesamtkosten
12.000.000 € brutto

Fotos
Veauthier Architekten

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