Im virtuellen Stadtraum

Hirner & Riehl haben das «Häuser-Haus» in Erding entworfen – ohne dass der städtebauliche Kontext bereits gebaut ist. Die Lösung des Dilemmas ist die Urform des Hauses: Die Hütte mit Satteldach.
Drei Satteldachbaukörper bilden den kleinen Platz vor dem Eingang
Katinka Corts: Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Martin Riehl: Die Kindertagesstätte für sechs Gruppen sollte in der Mitte eines zukünftigen Neubaugebietes entstehen, von dem wir lediglich den Entwurf des Bebauungsplanes kannten. Der Ortsbezug war also eher virtuell. Wir mussten ihn sozusagen antizipieren.

Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Da die zukünftige Bebauung aus «unreflektierten» Satteldachgebäuden mit allen Attitüden landläufiger Investorenarchitektur bestehen wird, hatten wir die Idee, den einfachen Satteldachhaustyp, mithin die Elementarform des Hauses entwerferisch zu thematisieren und in eine Architektur für Kinder zu transformieren. Gelegen kam uns dabei natürlich auch die Assoziation Kinderhaus. Im Äußeren sollte sich spielerisch die Hausform präsentieren, im Inneren der Hausraum erleb- und erfahrbar werden. Wir haben aus mehreren Satteldachbaukörpern ein Gebäude entworfen, das wir als «Häuser-Haus» bezeichnen.
Zwischen zwei Baukörpern entstehen Spielterrasse und Balkon
Inwiefern haben Bauherrschaft, Auftraggeber oder die späteren NutzerInnen den Entwurf beeinflusst?
Das Projekt ging aus einem Wettbewerbsverfahren hervor. Damit lag das Gebäude in seinen wesentlichen Teilen fest. Bauherren und Nutzer hatten sich einstimmig für unser Projekt entschieden. Im intensiven Austausch zwischen Bauherrn, Nutzern und Planern während der Realisierungsphase wurden lediglich Details optimiert.
In der zweigeschossigen Eingangshalle wird der Haus-raum  erfahrbar
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Der Auftraggeber wünschte sich ein Gebäude, das die derzeit geltenden Mindestdämmstandards deutlich unterschreitet. Die Außenhaut des Kinderhauses haben wir deshalb den Vorgaben des  Passivhausstandards gemäß ausgebildet. Zum Plusenergiehaus wird die Kita durch eine in die gesamte Dachfläche des Gebäudes integrierte Photovoltaikanlage. Die thermische Energieversorgung erfolgt durch Geothermie.

Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Die Ausführung der Kita in Massivholz gibt dem Gebäude seinen kohärenten Charakter. Dabei war die Wahl, Holz als durchgängigen Baustoff zu wählen nicht nur seiner ökologischen Nachhaltigkeit geschuldet, sondern auch der Tatsache, dass Holzoberflächen eine - nicht nur kindgerechte - Wohlfühlatmosphäre schaffen.  Aus dem Holzbau entwickelte Maße bestimmen das Raster, das dem Bauwerk zugrunde liegt. Dieses Raster gibt sozusagen den Takt des Gebäudes  vor und regelt sowohl die Tragstruktur als auch die Aufteilung der Räume. Selbst die Gliederung der äußeren Weisstannenschalung folgt dem gewählten Maßsystem. 
Haupttreppe
Kindermensa mit Kochnische
Weißtannenfassade aufgeteilt nach Rastermaß
Gesamtansicht von Westen
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Die Ausführung der Kita in Massivholz gibt dem Gebäude seinen kohärenten Charakter. Dabei war die Wahl, Holz als durchgängigen Baustoff zu wählen nicht nur seiner ökologischen Nachhaltigkeit geschuldet, sondern auch der Tatsache, dass Holzoberflächen eine - nicht nur kindgerechte - Wohlfühlatmosphäre schaffen.  Aus dem Holzbau entwickelte Maße bestimmen das Raster, das dem Bauwerk zugrunde liegt. Dieses Raster gibt sozusagen den Takt des Gebäudes  vor und regelt sowohl die Tragstruktur als auch die Aufteilung der Räume. Selbst die Gliederung der äußeren Weisstannenschalung folgt dem gewählten Maßsystem. 
Lageplan
Grundriss Erdgeschoss
Schnittansicht
Partner Bau der Woche
Kinderhaus Erding
2015

Ludwig-Simmet-Anger 3
85435 Erding

Auftragsart
Planungsauftrag nach Wettbewerbsgewinn

Bauherrschaft
Große Kreisstadt Erding

Architektur
 hirner & riehl architekten und stadtplaner, München
Dr. Martin Riehl, Mirek Tobor, Vanessa Bausch

Fachplaner
Landschaftsarchitektur: grabner huber lipp, Freising
Tragwerksplanung: IB Wastl Lippacher, Erding
HLS: IB Vogt, Erding
Elektroplanung: IB Maier-Benesch, Moosburg
Küchenplaner: Reithmayer, München
Bauphysik: IB ABB,  Erdings
Bauakkustik: IB PMI, Unterhaching

Ausführende Firmen
Zimmerei: Bammersperger
Holzbau: Ammer
Baumeister: Rauscher, Schrobenhausen
Schlosserei: Flötzinger, Erding
Einbaumöbel: Schreinerei Landenhammer, Schwindtegg
Innentüren: Schreinerei Thalhammer, Schweig

Energiestandard 
Plusenergiehaus

Bruttogeschossfläche
2.090 m²

Gebäudevolumen
7.314 m³

Gesamtkosten
6.190.000 €

Fotos
Julia Schambeck, München

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