Modernisierte Moderne

Petra & Paul Kahlfeldt Architekten bauten zusammen mit Meyer Voggenreiter Projekte die «C/O Berlin Foundation» im Berliner Amerika Haus um. Dabei bewiesen sie einen sensiblen und intelligenten Umgang mit dem Projekt der architektonischen Moderne.
Ansicht Hardenbergstraße
Katinka Corts: Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Petra Kahlfeldt: Das Amerika Haus Berlin (Architektur: Bruno Grimmek) wurde im Rahmen der Internationalen Bauausstellung Interbau 1956/57 mit Mitteln des Marshallplans erbaut. Es etablierte sich an einem hochzentralen Ort in Berlin als Informations- und Kulturzentrum der Vereinten Staaten von Amerika. Zu Lasten der originalen bauzeitlichen Einbauten und Innenausstattungen wurde im Jahr 1995 versucht, die einstige Bedeutung mit einem neuen Konzept und technischem Equipment wiederherzustellen – ohne Erfolg. Im Dezember 2012 bot sich dann die überzeugende Gelegenheit, das international hoch angesehene Haus einer neuen Nutzung zu überlassen. Das  Besondere an dieser Bauaufgabe war, die ursprüngliche Eleganz und Fragilität sowohl im Bau- als auch im Raumgefüge des Amerika Hauses wieder herauszuschälen und mit einem neuen Museum, der äußerst lebendigen Fotoinstitution C/O Berlin, zu präsentieren.
Die neue Museumsnutzung die das  C/O Berlin durch eine nach innen orientierte Geschlossenheit einfordert, stellt einen räumlichen Konflikt hinsichtlich der zeittypischen Offenheit des Gebäudes nach außen hin dar. Dieses haben die Ausstellungsgestalter Meyer Voggenreiter und Wolfgang Zeh mit der Anlage einer neuen langgezogenen, parallel zur Straßenfassade angeordneten Wand gelöst. Von der Straße aus gesehen belebt diese die ganze Erdgeschossfassade, obwohl große Teile des Erdgeschosses als Ausstellungsräume von den Fassaden abgetrennt sind.
Ausstellungsraum Erdgeschoss
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Das Konzept zur äußeren und inneren Gestaltung basierte auf dem Wunsch, soviel wie möglich vom bauzeitlichen Raumgefüge und den Resten der bauzeitlichen Innenausstattung des Hauses zu belassen. Der ursprüngliche Entwurfsgedanke war, die Räume und die Innenausstattung in einem Zusammenhang lesbar und unmittelbar sinnlich erfahrbar zu machen.

Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Der neue Standort von C/O Berlin liegt in Charlottenburg,  in der Nähe des Museums für Fotografie, das die Helmut Newton Stiftung und die Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek beherbergt. Das Gebäude selber orientiert sich mit seiner historischen Baukörpergliederung und seinen großzügig verglasten Fassadenflächen an der Längsseite zur Hardenbergstraße. Diese Transparenz verleiht dem Haus einen offenen, transparenten und einladenden Charakter und signalisiert somit auch dem neuen Besucher eine leichte Zugänglichkeit.
Ausstellungsraum Flaggenkubus 1. Obergeschoss
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Die fragilen Architekturmerkmale, die die Architektur der 1960er-Jahre auszeichnen, stellen zugleich eine Schwierigkeit bei der «Ertüchtigung» technischer Standardverbesserungen dar. Die großen Fassadenverglasungen ermöglichen zwar lichtdurchflutete Räume, lassen diese aber auch im Sommer aufheizen bzw. im Winter stark auskühlen.Im Zuge des Einbaus der neuen Technik für Heizung, Klimatisierung und Lüftung mussten die neuen Wand- und Deckenkonstruktionen den «Erneuerungsdruck» aufnehmen, um so die bauzeitlichen Originalkonstruktionen zu entlasten und die neue Technik zu verstecken. Das Erfordernis eines notwendigen zweiten Rettungswegs vom ersten Obergeschoss in das Erdgeschoss und von dort direkt ins Freie hat nicht nur zu einer neuen Treppe geführt, sondern auch einen Museums-Parcours ermöglicht, den es zuvor nicht gab.
Unteres Foyer Erdgeschoss
Unteres Foyer Erdgeschoss
Lageplan
Grundriss Erdgechoss
Grundriss 1. Obergeschoss
Partner Bau der Woche
C/O Berlin Foundation im Amerika Haus
1956 und 2014

Hardenbergstraße 22-24
10623 Berlin

Nutzung
Ausstellungshaus für Fotografie

Auftragsart
Direktauftrag

Bauherrschaft
C/O Berlin Foundation, Berlin

Architektur
mvprojekte mit Wolfgang Zeh
in Zusammenarbeit mit
Petra und Paul Kahlfeldt Architekten Studio
B19 Holger Sack als Architekt für die BIM

Fachplaner
TGA: Ridder und Meyn
Statik: Ingenieurbüro Jockwer
Lichtplanung: Adam

Ausführende Firmen
Statik:IB Jockwer + Partner, Berlin
Haustechnik: Ridder & Meyn mbH, Berlin
Brandschutz: Dipl. Ing. Frank Jastram, Berlin
Schadstoffgutachter: U.C.A. Dr. Werner Knauf + Partner, Berlin
Grundwasservermessung: IB Gerlach-Sommerfeld-Flemming GbR, Berlin 
SiGeKo: KSG Koordinationsbüro für Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen, Berlin
Lichtplaner: XXLight Olaf Adam, Berlin   
Planung Außenanlagen: Neumann Gusenburger GbR, Berlin
Beratung Denkmalpflege:  Autzen & Reimers, Berlin

Bruttogeschossfläche
3.200 m²

Gesamtkosten
k.A.

Fotos
David von Becker Photography

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