Selbstbewusste Ergänzung

Die Architekturbüros F29 aus Dresden und Zila aus Leipzig haben kürzlich die Mediathek Burg Giebichenstein der Kunsthochschule in Halle fertiggestellt. Der dreigeschossige, filigrane Holz-Beton-Bau ist stark im Raster und gleichzeitig angenehm zurückhaltend gegenüber seiner Umgebung.
Orientierung zum Campus
Katinka Corts: Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Peter Zirkel: Mit dem Neubau der Mediathek auf dem Campus Design am Neuwerk erweitert die Hallenser Kunsthochschule ihre bisherige Bibliotheksnutzung und richtet das Spektrum stärker auf neue Medien aus. Die Kunsthochschule verteilt sich auf zwei Schwerpunkte im Nordwesten der Stadt Halle: den Campus Kunst an der Burg Giebichenstein und den Campus Design am Neuwerk. Die bestehende Bibliothek in der Nähe des historischen Standortes der Burg Giebichenstein entsprach hinsichtlich Ausstattung, Barrierefreiheit, statischer Tragfähigkeit und Gebäudekonzeption nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Die Ansiedlung auf dem Campus Design soll die Bibliotheksnutzung noch stärker in Bezug zu den Kunst- und Design-Wissenschaften rücken und durch die Nähe zum Stadtzentrum externen Nutzern die Erreichbarkeit erleichtern.
Fenster zur Stadt
Welche Inspirationen liegen diesem Projekt zugrunde?
Die pavillonartige Fassaden- und Gebäudestruktur sucht die optische Nähe zu den Bautypen Remise, Gartenhaus oder Orangerie. Damit ordnet sich der Neubau eindeutig den benachbarten denkmalgeschützten Villengebäuden aus der Jahrhundertwende unter.

Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Mit seiner filigranen Holzfassade bleibt der schlanke Baukörper der Mediathek zwischen den massiven Volumen der benachbarten Villen eigenständig. Die Strenge der Fassaden in Kombination mit ihrer Plastizität und Transparenz unterstützt die achtungsvolle Abgrenzung des Gebäudes zu den opulenten Putz- und Natursteinfassaden der Umgebungsbebauung. Durch die Positionierung des Neubaus an der Südgrenze des Baufeldes wird der unmittelbare Außenraum der Terrassenanlage der Villa Steckner freigehalten und ein Bezug zum  angrenzenden Landschaftsraum des Saaletales geschaffen. In der östlichen Ecke der Südfassade trägt das «Fenster zur Stadt» - eine großzügige Fassadenöffnung – durch wechselseitige Blickbeziehung zum Neuwerk zur örtlichen Verankerung und Identitätsbildung des Neubaus bei.
Zugang zum Campus
Wie hat sich das Projekt vom ersten Entwurf bis zum vollendeten Bauwerk verändert?
Der Wettbewerbsentwurf wurde nahezu 1:1 umgesetzt. Vor allem die Fassade und die innere Struktur des Gebäudes wurden komplett beibehalten. Verändert hat sich lediglich die Abtrennung der Treppenräume, die aus Gründen des Brandschutzes nötig wurde, aber sehr transparent ausgeführt werden konnte. Außerdem wurde die Materialität und Farbgebung der Innenräume weiterentwickelt.
Zeitschriftenlesesaal
Seminarraum mit Blickbezug zur Villa Steckner
Beeinflussten aktuelle energetische, konstruktive oder gestalterische Tendenzen das Projekt?
Die Skelettbauweise mit frei spannenden Flachdecken, sehr schlanken Stützen in Fassadenebene und das robuste Erschließungssystem gewährleisten spätere Anpassungen des Baus. Die schall- und sicherheitstechnisch notwendigen Raumabtrennungen sind weitestgehend mit transparenten Bauteilen gelöst. Durch die unverkleideten Deckenflächen und die Möglichkeit einer manuellen Nachtauskühlung über wettergeschützte Fassadenöffnungen in den Obergeschossen können die Speichermassen des Gebäudes zur Dämpfung der Temperaturamplituden im Sommerfall genutzt werden. Der sommerliche Wärmeeintrag wird durch einen außen liegenden, beweglichen Sonnenschutz gemindert.

Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Gestaltprägend ist der starke Gegensatz zwischen der tragenden Struktur aus Sichtbeton und den Ausbauteilen und der Fassade aus Holz. Dabei verdient vor allem die Möglichkeit zu großzügigen Glasöffnungen in der Pfosten-Riegel-Fassade und in den Brandschutztüren – beides aus Holz – besonderes Augenmerk.
Lageplan
Erdgeschoss
Sockelgeschoss
Längsschnitt
Partner Bau der Woche
Mediathek Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
2015

Neuwerk 7
06108 Halle (Saale)

Auftragsart
nichtoffener Realisierungswettbewerb

Bauherrschaft
Bau- und Liegenschaftsmanagement Sachsen-Anhalt (BLSA), Niederlassung Süd-Ost, Halle (Saale)

Architektur
F29 Architekten GmbH, Dresden mit ZILA Freie Architekten, Leipzig  
Projektteam: Falk Eisenächer, Carina, Fürstenau, Silke Wollenweber, Peter Zirkel, Clemens Zirkelbach, Dirk Lämmel 

Fachplaner
ELT: ABW Elektroplan GmbH, Lutherstadt Eisleben
Freianlagenplanung: Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden
HLS: MLT Medien Licht Technik Ingenieure GmbH, Leipzig  
Ingenieurbau Freianlagen: sigma Umwelttechnik Ingenieurgesellschaft mbH, Halle (Saale)
Bauphysik: Büro für Bauphysik Dipl.-Physiker Manfred Weiße, Halle (Saale)
Tragwerksplanung: R&P RUFFERT Ingenieurgesellschaft mbH, Halle (Saale)  

Ausführende Firmen
Baustelleneinrichtung / Kanal: Helgard Hübner Erd-, Tief- und Rohrleitungsbau GmbH, Halle (Saale)
Spezialtiefbau: GP Papenburg Hochbau GmbH, NL SF-Bau, Halle (Saale)
Erdung / Blitzschutz: Blitzschutzanlagenbau Sult, Merseburg
Rohbauarbeiten: GP Papenburg Hochbau GmbH, NL SF-Bau, Halle (Saale)
Aufzug: ELMA Elektro- und Maschinenbau GmbH, Naumburg
Pfosten-Riegel-Fassade: Seufert-Niklaus GmbH, Bastheim
Holzbekleidung: Scholz Bau GmbH, Halle (Saale)
Fassadengerüst: Prinzing Gerüstbau, Landsberg
Dachabdichtung und Dachbegrünung: Sysdatec GmbH, Landsberg
Schlosserarbeiten: KGM Zerbst GmbH, Zerbst / Anhalt
Tischler (Innentüren): Holzbau Hübner GmbH, Lößnitz
Sanitäranlagen: Jende SHK-Technik GmbH, Bernburg
Heizung / Nahwärme: HSI GmbH, Querfurt
Lüftung / Kälte: REIMA Reinhardt Markl & Co. GmbH, Jessen
Dämmung: Mock-Isoliertechnik GmbH, Bad Langensalza
Elektroanlagen: ETH Elektro-Technik Halle GmbH, Halle (Saale)
Schwachstrom: BFE Nachrichtentechnik GmbH, Leipzig
Zutrittsystem: RUTTE Sicherungstechnik GmbH, Landsberg
Gebäudeleittechnik: Sauter-Cumulus GmbH, Leipzig
Tischler-Innenausbau: Hofmann & Großmann GmbH, Ottendorf – Okrilla
Trockenbau: H. Nitschke Trockenbau & Brandschutzservice e.K., Halle (Saale)
Techn. Anlagen im Außenbereich, Geländebearbeiten: GP Papenburg Hochbau GmbH, NL SF-Bau, Halle (Saale)
Rückbau BE/ Mauerwiederherstellung: Unterschütz Tief- und Galabau GmbH, Sangerhausen / OT Wippra
Freianlagenbau: Otto Kittel Landschaftsbau GmbH, Lützen OT Zorbau
Estrich: elmas-Fußbodentechnik GmbH, Landsberg OT Queis
Fliesenarbeiten: Firma Tilo Hauer, Teutschenthal OT Zscherben
Malerarbeiten: Firma Maler Berger GmbH, Kabelsketal / OT Dieskau
Bodenbelag (Teppich): Raumgestaltung Huppert GmbH, Berlingerode
Holzständerwände Ausbau (UK): Bautischlerei Tillack, Langendorf

Hersteller/Produkte
Pfosten-Riegel-Fassade, Batimet
Karusselltür, GU
Material Einbaumöbel, Koskisen
Holz-Glas-Brandschutztüren, Holzbau Hübner in Lizenz von Sturm
Beleuchtung, Selux

Energiestandard
57 kWh/m²a

Bruttogeschossfläche
2.400 m²

Gebäudevolumen
9.850 m³

Kubikmeterpreis
446 €/m³ (KG 300 + 400)

Gebäudekosten
4.400.000 € (KG 300 + 400)

Gesamtkosten
7.500.000 € (KG 200 – 700)

Fotos
Werner Huthmacher, Berlin

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