Aufgemöbelt

Numrich Albrecht Klumpp Architekten haben kürzlich das Charlottenburger Innovations-Centrum (CHIC) in Berlin fertiggestellt. Das bis dahin leer stehende Gebäude wurde in Abstimmung mit der Denkmalpflege energetisch und funktional erneuert und bietet heute Start-Up-Unternehmen flexibel anpassbare Arbeitsräume.
Klar und offen präsentiert sich das neue CHIC im Berliner Stadtraum
Katinka Corts: Worin liegt das Besondere an dieser Bauaufgabe?
Grant Kelly: Das denkmalgeschützte Haus wurde 1960 nach dem Entwurf des Architekten Gerhard Krebs als erstes Bürohaus in Berlin mit einer Stahl-Skelett-Konstruktion gebaut – eine für die damalige Zeit innovative Bauweise. Unsere Aufgabe war es, das seit einigen Jahren leer stehende Gebäude für die Nutzung durch junge Start-Up-Unternehmen umzubauen. Eine Besonderheit war sicherlich, den Bauherrn zu überzeugen, dass das marode Gebäude einen hohen gestalterischen Wert hat und dass es sich lohnt, die ursprüngliche architektonische Qualität wiederherzustellen.

Wie haben Sie sich dem Projekt angenähert?
Das Gebäude ist mit seiner klaren Architektur ein hervorragendes Beispiel für die Moderne der 1960er-Jahre. Die Fassade aus eloxiertem Aluminium und Naturstein haben wir vollständig demontieren und unter Beibehaltung der Proportionen und Profilierung der ursprünglichen Fassade neu aufbauen lassen. Die Leichtigkeit und Transparenz des Gebäudes sollte die Offenheit der neuen, jungen Nutzer nach Außen transportieren. Wir haben an vielen Stellen versucht, die Vorgaben aus dem Denkmalschutz als Chance zu nutzen. So haben wir zum Beispiel die verglasten Aufzugsüberfahrten, die bei der heutigen Aufzugstechnik nicht mehr erforderlichen sind, als offene Besprechungsräume mit Blick über die Stadt gestaltet.
Die zwei markanten Dachaufbauten aus Glas sind heute zu Aufenthaltsräumen umgebaut.
Wie reagiert der Entwurf auf den Ort?
Als Campus Charlottenburg wird das Gebiet bezeichnet, das sich mit der Technischen Universität (TU), der Universität der Künste (UdK) und vielen weiteren Forschungsinstituten rund um den Ernst-Reuter-Platz zu einem überregionalen Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort in der westlichen Stadt entwickelt. Das «CHIC» ist der neueste Baustein dieser Entwicklung und liegt direkt an der prominenten Bismarckstraße. Die Transparenz des Foyers, die offene Sicht von der Straße in den Innenhof und die vier Buchstaben auf dem Naturstein über dem Haupteingang sollen das Interesse an die neuen Nutzung wecken. 
Blick in den Innenhof, der direkt vom Eingangsbereich aus zugänglich ist
Inwiefern haben die späteren Nutzer den Entwurf beeinflusst?
Für die Nutzung durch Start-up-Unternehmen ist eine möglichst große «Variabilität des Bauraumes» (Zitat Bauwelt 1960 / Heft 30 über den damaligen Neubau) ausdrücklich gewünscht. Etwa 300 Arbeitsplätze stehen in unterschiedlich großen Büroeinheiten zur Verfügung. Mit offenen Teeküchen in den oberen Geschossen, mit Stehtresen und Blick auf die Bismarckstraße, Cafeteria im Erdgeschoss und Sitzbereichen im Innenhof haben wir allgemein zugängliche Orte für den Austausch geschaffen.
Blick vom ebenerdigen Sitzungssaal zum Innenhof und zur Mensa
Beeinflussten aktuelle energetische Tendenzen das Projekt?
Bei der Entwicklung des neuen Fassadenaufbaus spielten die aktuellen Anforderungen an Energieeinsparung eine große Rolle. Beim ursprünglichen Aufbau lag die Stahlkonstruktion in einem Achsabstand von 1.81 m direkt hinter der Alu-Lisenen – quasi ohne Wärmedämmung. Um diese Wärmebrücken auszuschließen haben wir die komplette Fassade um ca. 20 cm nach Außen verschoben. Gleichzeitig musste gemäß den aktuellen Brandschutzanforderungen die komplette Stahlkonstruktion brandschutztechnisch verkleidet werden. Dies hat eine intensive Detailabstimmung mit dem verantwortlichen Brandschutzprüfer zur Folge. Und schließlich mussten auch die aktuellen Anforderungen an den Schallschutz berücksichtigt werden: eine große Herausforderung für ein Bürogebäude an der sechsspurige Bismarckstraße.
Die Mensa, ein Ort des Austauschs, der Synergieeffekte zwischen den einzelnen Mietern unterstützt.
Die Empfangshalle mit weißem Carrara-Marmorboden und grünen Natursteinwänden. Zentral befindet sich ein neuer Empfangstresen als Anlaufpunkt für Mieter und Besucher zugleich.
Welche speziellen Produkte oder Materialien haben zum Erfolg des vollendeten Bauwerks beigetragen?
Um den energetischen und schallschutztechnischen Anforderungen gerecht zu werden, haben wir Verbundfenster mit Dreischeiben-Verglasung und integrierten Sonnenschutzjalousien eingesetzt. Die geschosshohen Elemente mit hochgedämmten Brüstungen wurden vorgefertigt und ohne Gerüst mit einem Kran montiert. Somit konnte die Montagezeit erheblich verkürzt werden. Die grünen Natursteinwände (Verde-Alpi-Naturstein) an der Fassade sowie im Innenbereich konnten weitestgehend wieder verwendet werden. Die Natursteinplatten der Wandbekleidungen wurden demontiert und nach den erforderlichen statischen Verstärkungsmaßnahmen der Kerne wieder montiert.
Die bestehende Bekleidung der Freitreppen in den Seitenfoyers blieb erhalten, hinzugefügt wurden eine Oberlichtverglasung und ein umlaufendes LED-Lichtband.
Die Teeküchen an beiden Erschließungskernen sind für alle Mieter zugänglich. 
Partner Bau der Woche
CHIC – Charlottenburger Innovations-Centrum
2015

Bismarckstraße 10–12
10625 Berlin

Nutzung
Bürobau

Auftragsart
Sanierung, Leistungsphasen 2–9

Bauherrschaft
Innovations-Zentrum Berlin Management GmbH (IZBM)

Architektur
Numrich Albrecht Klumpp Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
Projektteam: Grant Kelly, Astrid Hiljegerdes, Hans-Jürgen Keisel, Milanko Moraske, Theresa Grave

Fachplaner
Tragwerksplaner: Krebs + Kiefer Ingenieure GmbH, NL Berlin
Haustechnik HLS: prg Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin
Haustechnik E: bnvb planen & beraten Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin

Ausführende Firmen
Fassaden: Feldhaus, Emsdetten
Außenanlage: Garbe GmbH, Berlin
Trockenbau: Kaefer Constrction GmbH, Dahlewit
Bodenleger: Schandert GmbH, Jüterbog
Dachdecker: Werder Bedachungen GmbH, Leutersdorf

Energiestandard
EnEV 2009

Bruttogeschossfläche
9.500 m²

Gesamtkosten
KGR 200–700: 16.400.000 €

Fotos
Nina Straßgütl

Projektvorschläge Sie haben kürzlich fertiggestellte Projekte oder möchten diesen Beitrag kommentieren? Wir freuen uns auf Ihre Nachricht!
 Archiv «Bau der Woche»