Grundschule am Arnulfpark

Farblicher Akzent in „Maigrün“ – In Münchens neuem Stadtquartier „Arnulfpark“ wurde eine Grundschule fertiggestellt, deren modernes pädagogisches Konzept sich in der räumlichen Organisation des Gebäudes widerspiegelt. So bekam jede der vier jahrgangsübergreifenden Lerngruppen ihr eigenes, identifikationsstiftendes „Lernhaus“. Um den Schüler keine dominierende Gestaltung vorzugeben, sondern Spielraum für eigene Kreativität zu schaffen, reduzierten die Planer von Hess | Talhof | Kusmierz Architekten und Stadtplaner aus München die Auswahl der Baumaterialien bewusst auf Sichtbeton, Holz und Glas. Farbliche Akzente setzen allein die Laufbahn und der Allwetterplatz mit maigrünen Kunststoffbelägen von Polytan sowie ein hellrosa Zaun bzw. hellrosa Fassadenelementen. Aufgrund ihrer vorbildlich hohen Architektur- und Raumqualität erhielt die Grundschule am Arnulfpark im Januar 2015 den renommierten „DAM Preis für Architektur in Deutschland 2014“ vom Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt.

Seit dem Spatenstich 2004 konnte das Neubaugebiet „Arnulfpark“ auf dem Gelände des ehemaligen Containerbahnhofs mit neuem Wohnraum für rund 2.000 Menschen und Arbeitsplätzen für etwa 7.600 Menschen bis 2014 weitestgehend fertiggestellt werden. Die zweigeschossige Grundschule mit Tagesheim erstreckt sich entlang der Marlene-Dietrich-Straße auf der Südseite des Schulgrundstücks; ihr Eingang liegt vor Witterung geschützt unter dem hervorspringenden Gebäudekopf an der Helmholtzstraße im Osten. Der nördliche Teil des Baugrunds wurde den großzügigen Pausen-, Sport- und Grünflächen vorbehalten, das solitäre Wohnhaus des Amtsmeisters ist an der westlichen Grundstücksgrenze als räumlicher Abschluss des Schulareals untergebracht.

Lernhäuser als identitätsstiftende, überschaubare Einheiten – Alle gemeinschaftlich genutzten Räume befinden sich ebenerdig zugänglich im Erdgeschoss der Schule. Eine Pausenhalle, die Küche, Mehrweckzimmer, Musik- und Werkräume sowie die um ein Geschoss eingegrabene Sporthalle sind über einen Wandelgang erreichbar. Dieser Wandelgang, etwas nüchterner als Erschließungszone bezeichnet, verläuft neben der im Außenbereich liegenden 50-m-Laufbahn, die durch eine raumhohe, durchgehende Verglasung vom Innenraum thermisch abgetrennt ist. Über der Laufbahn kragt das Obergeschoss rund 8,50 Meter aus, wodurch ein geschützter Pausen- bzw. Sportbereich entsteht. Vom Wandelgang führen einläufige Treppen zu den vier Lerngruppen nach oben. Jede Lerngruppe – mit Kindern unterschiedlichen Alters – bildet eine überschaubare Einheit mit jeweils drei Klassenzimmern, ein bis zwei Tagesheimräumen, einem Sanitärkern sowie einer eigenen Dachterrasse. Die Terrassen, die zwischen den Klassenzimmern und den Tagesheimräumen eingebettet sind und sich auch für Unterricht an der frischen Luft eignen, wurden im Norden über Freitreppen mit dem Pausenhof verbunden sowie im Süden untereinander durch einen Laubengang. Die Verwaltungs- und Lehrerzimmer liegen mit eigener Erschließung ebenfalls im Obergeschoss, im auskragenden Bereich direkt über dem Haupteingang.

Außenraumbezüge entsprechend dem pädagogischen Konzept – Stetige Wechselbeziehungen zwischen Innen- und Außenraum als eine Leitidee des pädagogischen Konzepts werden durch großflächig konzipierte Fenster- und Festverglasungen geschaffen: Alle Klassenzimmer und die gegenüberliegenden Tagesheimräume sind zur jeweiligen Dachterrasse hin vollständig verglast, wodurch Blickbeziehungen innerhalb einer Gruppe entstehen. Die Sporthalle im Untergeschoss, deren Luftraum sich bis zur Decke des Obergeschosses erstreckt, lässt Einblicke sowohl von der Marlene-Dietrich-Straße als auch vom Wandelgang aus zu. Die Laufbahn ist durch ihre Lage am Wandelgang allgegenwärtig in den Schulalltag integriert.

Frische Farben für den Freibereich – Der großzügig bemessene Außenbereich nimmt in etwa die Hälfte des Schulareals ein. Obwohl er auf der Nordseite des Grundstücks liegt, werden Pausenhof und Sportflächen durch die nur geringe Gebäudehöhe und den noch tiefer liegenden Dachterrassen kaum verschattet. Der Allwetterplatz ist im westlichen Grundstückteil angelegt, direkt an der Marlene-Dietrich-Straße, eingebettet zwischen Schule und Wohnhaus des Amtsmeisters. Als Ballfangzaun dienen hellrosa Holzpfosten, die gestalterisch die Holzpfostenkonstruktion der vorgehängten Fassade aufnehmen und sie optisch entlang der Straße fortführen. Als farblicher Akzent zwischen den eher dezenten Baumaterialien Sichtbeton, Holz und Glas wurden die Oberflächen der Sportbeläge von Polytan in Maigrün gewählt. Den Architekten gefiel insbesondere die Frische und Helligkeit des Farbtons – dieser weicht nicht nur augenfällig vom traditionellen Laufbahn-Rot der meisten Schulsportanlagen ab, sondern reflektiert im Bereich der überdachten 50-m-Bahn Tageslicht ins Gebäudeinnere.

Alle Kunststoff-Sportböden von Polytan sind in zahlreichen UV-beständigen Standardfarben erhältlich – darunter auch das intensive Grün der Grundschule. Abhängig vom Einsatzort variieren sie jedoch in ihrem Aufbau: Professionelle Leichtathletikstadien für internationale Spitzensport-Events müssen anderen Anforderungen gerecht werden wie zum Beispiel vielgenutzte Schulsportanlagen. Der langlebige Allzweck-Sportboden Polytan S war im Arnulfpark der passende Kunststoffbelag. Er ist wasserdurchlässig, so dass die Oberflächen rasch abtrocknen. Die glatte und trotzdem rutschsichere Nutzschicht bietet ein gutes Ballsprungverhalten auf dem Allwetterplatz sowie sicheres Sprinten im Bereich der 50-m-Bahn. Geringer Pflegeaufwand und hoher Verschleißschutz runden die Vorzüge des Polytan S ab. 
Hersteller
Polytan GmbH
Ort
Helmholtzstraße 6
München
Jahr der Fertigstellung
2013
Kompetenz Polytan

Bauherr
Landeshauptstadt München

Planer
Architektur: Hess | Talhof | Kusmierz Architekten und Stadtplaner, München (www.hot-architekten.de)
Landschaftsarchitektur: OK Landschaft | Büro für Landschaftsarchitektur, München (www.ok-landschaft.de)
Tragwerksplanung: Christoph Ackermann, München
Landschafts- und Gartenbau: März Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e.K., Dresden

Kenndaten
Wettbewerb: 1. Preis 2007
Bauzeit: 2010 bis 2013 (Schulbetrieb seit September 2012)
Bruttorauminhalt: 22.300 m³
Bruttogeschossfläche: 5.050 m²
Nutzfläche: 3.500 m²

Auszeichnungen
DAM Preis für Architektur in Deutschland 2014
Architekturpreis Beton 2014