Wechselspiel

Für die Fassade ließen die Architekten hundert Jahre alte, recycelte Ziegel verarbeiten.
Dass sich frisch Erlerntes besser einprägt, wenn sich Theoriestunden und kreative Phasen – insbesondere Sport und Musik – abwechseln, ist schon lange bekannt. Leider hält diese Erkenntnis noch immer viel zu selten Einzug in die Stundenpläne der allgemeinbildenden Schulen. Mit dem Hamburger Sprach- und Bewegungszentrum, kurz: SBZ, ist es nun zumindest punktuell und außerschulisch gelungen, diese sinnvolle Verbindung herzustellen – nicht nur organisatorisch, sondern auch architektonisch. Denn in dem flachen, kubischen Baukörper werden die beiden Gebäudeteile Lernen und Sport ebenso selbstverständlich zusammengefügt wie die sprachlichen und sportlichen Angebote.
Die nach oben konisch zulaufende Treppe dient bei Veranstaltungen auch als Tribüne.
Eine Fassade aus recycelten Ziegeln mit großen, zum Teil verspiegelten Glasflächen und Fensterbändern hüllt die verschiedenen Raumtypen Turnhalle und Unterrichts-/ Bewegungsräume ein, die auch sehr unterschiedliche Volumina beanspruchen. Dadurch erscheint das Gebäude nach außen als Einheit. Dank des innenarchitektonischen Konzepts mit durchgängigen Materialien und Farben für Sport- und Lernbereich setzt sich dies auch im Innern fort. Die Materialien, die in der Turnhalle verwendet wurden, wirken genauso hochwertig wie in den restlichen Bereichen, die knalligen Farben finden sich hier wie dort.
Im Inneren des Gebäudes leuchten kräftige Farben, während es von außen zurückhaltend und gediegen wirkt.
Die Lernenden und die Besucher des SBZ werden aber zuerst von einem großen, schlicht gehaltenen Foyer empfangen, in dem sich auch ein kleines Café befindet. Wer allerdings vom Haupteingang aus nur wenige Meter weiter geht, dem strahlt der farbenfroh gestaltete Treppenraum entgegen. Dieser zieht die Menschen fast magisch hinauf in den großzügigen Flurbereich des Obergeschosses, der als Verteiler zu den verschiedenen Unterrichts- und Bewegungsräumen dient. Gleichzeitig gibt ein über die ganze Flurbreite reichendes Panoramafenster von dort oben den Blick frei in die Turnhalle. Die Verknüpfung der verschiedenen Angebote wird an dieser Stelle in der Architektur deutlich sichtbar.
Die ruhige und disziplinierte Gestaltung der Turnhalle lässt die farbigen Flächen bei den Oberlichtern besonders gut zur Geltung kommen.
In den Unterrichtsräumen nahmen die Architekten die Farben wieder zurück, denn hier gilt die Konzentration der Sprache und dem Lernstoff. Für eine kurze Entspannung kann der Blick nach draußen in die Baumkronen des angrenzenden Parks schweifen, die aufgrund der bereits erwähnten großen Fenster sehr schön zu sehen sind. So ist es nicht zuletzt die architektonische Qualität, die dazu beiträgt, dass das SBZ von verschiedenen Gruppen und Organisationen gerne und rege genutzt wird Es hat das Potential, dem Stadtteil weit über die IBA hinaus einen guten Dienst zu erweisen.
Simone Hübener

Mit diesem Bau der Woche schließen wir unser Spezial zur IBA Hamburg ab. Passend dazu lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des eMagazins ein Resümee dieser Internationalen Bauausstellung von Andreas Denk, dem Chefredakteur der Zeitschrift „der architekt“.
Grundriss Erdgeschoss mit Umgebung
Grundriss Obergeschoss
Längsschnitt
Querschnitt Treppenhaus
Partner
Sprach- und Bewegungszentrum
2013

Rotenhäuser Damm 40
21107 Hamburg

Bauherr
GMH | Gebäudemanagement
Hamburg GmbH
Hamburg

Architekten
eins:eins architekten
Hamburg

Projektleiter
Oliver Lauber

imagine structure GmbH
Herr Künstler

Ebert Ingenieure
Herr Schmanns

Sumbi Ingenieure
Herr Krämer

Ingenieurbüro Eulitz
Herr Dunger

Akustikkonzept
Herr Pirschel

TGA
Horst Busch Elektro-Technik GmbH
Herr Janko

Montage- und Gebäudetechnik
K-TEC GmbH
Herr Stolze

Bruttogeschossfläche
BGF(b): 2.044 m²

Baukosten (KGR 300+400)
3.576.500 €

Fotografie
Bernadette Grimmenstein