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Mendelsohn und Mendelsohn

Petra Bohnenberger | 14.12.2011 | Personen, Preise, Pointen
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So strahlt der Chemnitzer Schocken in neuer alter Pracht. (Bild: U. Wohmann, Landesamt für Archäologie Sachsen)
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Die Friedhofskapelle in Allenstein, Außenansicht (Bild: Jacek Sztorc)
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Der Blick in die schon freigelegte Kuppel mit dem goldenen Davidstern (Bild: Jacek Sztorc, Archiv Borussia)

An Erich Mendelsohn führt kein Architekturstudium vorbei, obwohl oder gerade weil viele seiner Bauten nicht mehr stehen. Wenn man durch Bücher über seine Werke blättert und die alten Fotografien sieht, dann könnte die Architektur auch heute entstanden sein. Sie war spektakulär für die damalige Zeit, sie begeistert noch heute durch ausgefallene Details und überzeugende Funktionalität bei ungewöhnlich stimmigen Formen und Proportionen.
Einen großen "Karrieresprung" machte Erich Mendelsohn, als er begann, für den Konzern Salman Schocken Kaufhäuser zu planen und zu bauen. Dabei entwickelte Mendelsohn ganz neue Verkaufskonzepte. Die Innenräume wurden durch Fensterbänder belichtet, woraus sich der Synergieeffekt ergab, dass das Gebäude auch eine interessante Nachtansicht bekam. Dieses Thema zieht sich durch die meisten seiner Kaufhausbauten. Chemnitz war das dritte Schocken-Projekt. Vom ersten Bau in Nürnberg ist nichts Mendelsohn-typisches mehr geblieben, der Stuttgarter Schocken wurde – als unmodern verschrien – abgerissen. Umso erfreulicher sind die Nachrichten über den Chemnitzer Bau, der einer Verjüngungskur unterzogen wurde. Ende November wurde nach zweijähriger Bauzeit das Gerüst von der Fassade abgebaut und nun erstrahlt sie wieder in hellem Kelheimer Auerkalk und dunklen Fensterbändern. Im nächsten Jahr soll der Innenausbau voranschreiten, dann wird auch die gelungene Nachtansicht sichtbar sein.
Ähnliches Glück ist einem weiteren Mendelsohn-Bau beschieden, der aber bisher keinerlei architektonisches Interesse hervorrief. Mendelsohns erstes Bauwerk war die Friedhofskappelle in seiner Heimatstadt Allenstein, die er noch während seines Studiums für die kleine jüdische Gemeinde bauen durfte. Die Gebäude wirken von außen schlicht und unscheinbar. Doch im Innern kommen wahre Schätze zum Vorschein. Unter einer Putz- und Farbschicht taucht die ursprüngliche, unheimlich farbenfrohe Originalgestaltung auf. Blau leuchtende Mosaike, Ornamente in Blau, Grün, Rot und Gold und Flächen in Rotviolett, alles zeigt Mendelsohns enge Verbindung zum Münchner Künstlerbund Blauer Reiter. Der Verein "Freunde der Borussia" hat sich der Aufgabe angenommen und viel Unterstützung und die Finanzierung – auch aus dem Regionalentwicklungsfond der EU – für die "Ausgrabung" organisiert. Für den Eigenanteil sucht der Verein weiter nach zahlungskräftigen Spendern, die unter anderem die Restaurierung der Flügeltüren mitfinanzieren. Sie können auch spenden unter www.freunde-borussia.de.

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