Pflichtprogramm und Kür

Simone Hübener | 24.10.2012
(Bilder: www.sdeurope.org)
Dass die Energieeinsparverordnung (EnEV) erneut verschärft werden soll, steht schon seit Monaten fest. Vor wenigen Tagen haben das Bundesbauministerium (BMVBS) und das Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) nun den Entwurf mit den Änderungen veröffentlicht, was sich in der Amtssprache "Entwurf einer Verordnung zur Änderung der Energieeinsparverordnung (EnEV)" nennt. Der EnEv-Entwurf geht einher mit einem Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Energieeinsparungsgesetzes (EnEG), der nun ebenfalls vorgelegt wurde.

Die wichtigsten geplanten EnEV-Änderungen in Kürze:
- Der Primärenergiefaktor für Strom soll 2014 von bisher 2,6 auf 2,0 und 2016 dann auf 1,8 abgesenkt werden.
- Für den Jahresprimärenergiebedarf bei Neubauten ist eine Absenkung um zweimal 12,5 Prozent geplant.
- Der ursprüngliche Plan zu einer Zwangssanierung von Bestandsgebäuden wurde gestrichen.
- Außerdem soll es ein neues Kontrollsystem für Energieausweise geben, bei dem Stichprobenkontrollen und Vor-Ort-Kontrollen durchgeführt werden.
- Vermieter und Verkäufer müssen bereits in der Anzeige zur Vermietung oder zum Verkauf der Immobilie Kennwerte aus dem Energieausweis aufführen, damit sich der Interessent einen ersten Eindruck über den energetischen Standard des Gebäudes machen kann. Dem neuen Mieter oder Käufer muss künftig dann auch der Energieausweis übergeben werden.

Aufgrund der langen Liste all jener, die diesem Entwurf zustimmen müssen, ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass die Änderungen vor 2014 in Kraft treten. Es bleibt also noch mehr als ein Jahr Zeit, um sich darauf einzustellen.
Die Befürworter und die Gegner dieses Schritts diskutieren allerdings nicht erst seit letzter Woche. Während er für die einen im Hinblick auf die Energiewende unumgänglich und auch ökonomisch sinnvoll ist, malen die anderen Horrorszenarien an die Wand. So ist auf dem Internetportal www.immobilien01.de in einer Meldung vom 16. Oktober zu lesen: "Einige Immobilienunternehmen fürchten gar, dass überhaupt keine Neubauten für Durchschnittsverdiener mehr zu bauen sind." Brauchen wir wirklich diese Panikmache? Wird beim Formulieren solcher Sätze nicht vergessen, dass zum einen die Technik und die Produkte, die zum Bau energieeffizienter Häuser benötigt werden, immer günstiger und besser werden? Dass – vor allem in den Großstädten – auch die steigenden Grundstückspreise das Bauen immer teurer machen? Könnte all dies nicht ein Ansporn für alle Architekten sein, sich noch intensiver mit dem Umbau und der Umnutzung von leerstehenden Büro- und Gewerbebauten zu beschäftigen? Und steht diese erneute Absenkung des Jahresprimärenergiebedarfs nicht in Einklang mit der EU-Verordnung, wonach alle Neubauten ab 2020 als Quasi-Null-Energiehäuser ausgeführt werden müssen?
Damit man diesbezüglich vorankommt und Neues ausprobiert wird, sind Wettbewerbe wie der Solar Decathlon Europe sehr wichtig. Denn junge Menschen versuchen oftmals sehr unkonventionell, die ihnen gestellten Aufgaben zu lösen. Dieses Jahr durfte sich das Team aus Rhône Alpes mit seinem Haus "Canopea" über den Preis freuen, der am 29. September in Madrid verliehen wurde. Platz 2 bekam das Team aus Andalusien für sein Haus "Patio 2.12", der dritte Platz ging nach Rom. Auf den Plätzen 4 und 5 folgen dann die beiden deutschen Teams aus Konstanz und Aachen mit ihren Häusern "Ecolar Home" und "Counter Entropy House". Nähere Informationen zu den Gebäudekonzepten finden Sie hier. Der nächste Solar Decathlon Europe wird 2014 in Paris stattfinden. Wir sind gespannt, wie kreativ die Studenten dann sein werden und wie sie mit den anderen klimatischen Bedingungen der französischen Hauptstadt zurande kommen. Wir wünschen ihnen auf alle Fälle bereits heute viel Spaß bei der Arbeit.

Auf der Webseite der Fachzeitschrift "Gebäude Energieberater" können Sie zum Entwurf der EnEV 2013/2014 folgende Dokumente herunterladen:
Entwurf zur zweiten Verordnung zur Änderung der Energieeinsparverordnung
Nichtamtliche Lesefassung
Entwurf eines vierten Gesetzes zur Änderung des Energieeinsparungsgesetzes
Informationen zum Rechtsetzungsverfahren finden Sie hier.