Und da waren es schon elf

Die 11 ist in diesen Tagen eine wichtige Zahl – allerdings nicht nur beim Fußball. Denn seit Kurzem gibt es in Deutschland auch elf "Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst". Nach Bauten wie dem Stuttgarter Fernsehturm, der Schwebefähre in Osten-Hemmoor (siehe diesen Link) und dem Alten Elbtunnel in Hamburg (wir berichteten) reiht sich nun die König-Ludwig-Brücke in Kempten ebenfalls in die Liste ein. Diese Eisenbahnbrücke, die 1852 nach vierjähriger Bauzeit eingeweiht wurde, zählt zu den ältesten erhaltenen hölzernen Eisenbahnbrücken der Welt. Zu dieser Besonderheit gesellen sich drei weitere, die alle zusammen ausschlaggebend waren für die Auszeichnung dieses Bauwerks. Zum einen wurde bei dieser Brücke das Tragwerk nicht aufgrund bislang gemachter Erfahrungen dimensioniert, sondern mit Hilfe theoretischer Grundlagen bemessen – und zwar in Deutschland eines der ersten Male. Zum anderen ist die Brücke noch weitgehend im Originalzustand erhalten, was bezogen auf den Baustoff Holz hierzulande ebenfalls eine Seltenheit ist. Zu guter Letzt konstruierten die Ingenieure das Gitterwerk des fünf Meter hohen Brückenträgers nach dem Howeschen System. Benannt nach William Howe, der es entwickelt hat, fand es Mitte des 19. Jahrhunderts den Weg von Amerika nach Europa und verbindet technische und ökonomische Vorteile, wie eine hohe Tragfähigkeit und eine wirtschaftliche Bauweise. (Mehr zu diesem System können Sie hier und hier nachlesen.) Ausführliche Informationen zur Geschichte der Brücke, die heute nur noch von Fußgängern und Radfahrern benutzt wird, zu ihrer Konstruktion und zum Holzbrückenbau im 19. Jahrhundert im Allgemeinen hält die neue, sorgfältig gestaltete Broschüre bereit, die analog zu den zehn vorangegangenen Bänden pünktlich zum Festakt erschienen ist. Diese, alle älteren Publikationen sowie ein Schuber mit den ersten zehn Büchern können hier bestellt werden.
Mehr Informationen zu den bislang ausgezeichneten Bauwerken finden Sie unter www.wahrzeichen.ingenieurbaukunst.de.
Während in Kempten ein bauliches Kunstwerk ausgezeichnet, die Arbeit der Ingenieure gewürdigt und in der Öffentlichkeit Interesse dafür geweckt wird, tritt man in Düsseldorf den Denkmalschutz mit Füßen. Denn dort wurde nach einem jahrelangen Streit am 12. Juni beschlossen, dass der Tausendfüßler "für die Entwicklung unserer Innenstadt" weichen muss, so Oberbürgermeister Dirk Elbers. Die Begründung dafür, warum diese mehr als 500 Meter lange Hochstraße plötzlich nicht mehr schützenswert ist, klingt hanebüchen: Sie habe erhebliche Schäden, wie verschiedene Ingenieure in Gutachten festgestellt hatten. Die notwendige, auch sicherheitstechnische Sanierung würde "das Gesamtkunstwerk Tausendfüßler nachhaltig bis zum Verlust wesentlicher Merkmale der Denkmaleigenschaft beeinträchtigt". Wer den Tausendfüßler also nochmals bestaunen will, der sollte sich in den nächsten Monaten auf den Weg nach Düsseldorf machen. Denn mit Rücksicht auf das Weihnachtsgeschäft und den Karneval beginnen die Abrissarbeiten erst im Februar 2013.
Unseren ersten Bericht zu dieser Sache vom August 2011 können Sie im Archiv nachlesen. Mehr über die Geschichte des Bauwerks erfahren Sie hier, einen ausführlichen Artikel hält die Webseite des WDR bereit, ein kurzes Video steht in dessen Mediathek.


