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Retro spezial

Christian Holl | 21.03.2012 | Personen, Preise, Pointen
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Der Henninger Turm prägt die Silhouette von Sachsenhausen (Bild: Christian Holl)
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Wettbewerbssieger Meixner Schlüter Wendt schlagen den Neubau des Henninger Turms vor. (Bild: WPV Baubetreuung/ Architekten)

Es gibt einen Radklassiker, der bis 2009 "Rund um den Henninger Turm" hieß; inzwischen nennt sich das Radrennen "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt". Eine andere Verwandlung steht nun dem Henninger Turm selbst bevor. Er prägt seit 1961 die Silhouette von Sachsenhausen, war bis 1974 Frankfurts höchstes Gebäude und mit einem Drehrestaurant im Turmaufsatz bis zu dessen Schließung 2002 ein beliebtes Ausflugsziel. Den Namen wird der Turm wohl behalten, auch die Form soll bleiben. Der bestehende Turm allerdings wird abgerissen – jedenfalls dann, wenn das Ergebnis des eingeladenen Wettbewerbs, das am 13. März vorgestellt wurde, verwirklicht wird. Meixner Schlüter Wendt haben sich mit einem Vorschlag durchgesetzt. Auf dem Brauereiareal soll ein neues Ensemble aus Büros, Geschäften, überwiegend aber Wohnungen entstehen. Die Auslober hatten sich für das Verfahren etwas Besonderes einfallen lassen. Das Frankfurter Wahrzeichen, ein Silo mit Restaurant und Drehturm im – einem Bierfass nachempfundenen – Aufsatz, stellt einer Umnutzung hohe Hindernisse entgegen – um dennoch prüfen zu können, ob der beliebte Turm erhalten werden kann, sollten die Wettbewerbsteilnehmer zwei Entwürfe abliefern. Die "Pflicht" sollte den Erhalt des Wahrzeichens vorsehen, in der "Kür" durfte davon ausgegangen werden, dass das Gelände freigeräumt, der Turm also abgerissen werden würde.

Meixner Schlüter Wendt waren nun die einzigen, die auch für die Pflicht den vollständigen Abriss des Turms vorsahen. In einer gründlichen Untersuchung zeigten sie, dass aus wirtschaftlichen und konstruktiven Gründen der "Erhalt nicht nur unvernünftig, sondern auch unsinnig" ist, wie es die Jury bewertete. Sie bildeten den Turm mit einem Neubau nach, setzten damit konsequent um, dass der Turm zwar, wie sie es nennen, ein emotionales Denkmal ist, aber keine denkmalpflegerisch zu erhaltende physische Substanz bietet. Wirkungsvolle Abrissproteste dürften so kaum zu erwarten sein. Mit ihrer Entscheidung gelang es den Siegern, überzeugende Grundrisse vorzuschlagen, nicht zuletzt, weil zwar die Proportionen des alten Turms erkennbar wieder aufgenommen werden, das Volumen aber in Höhe, Tiefe und Breite vergrößert wurde; auch der Aufsatz mit Drehrestaurant wird etwas größer ausfallen. So konnten auch schon in der Pflicht große Luxuswohnungen bis zu einer Größe von über 600 Quadratmetern vorgeschlagen werden. Nicht zuletzt deswegen wird der Auslober mit dem Ergebnis zufrieden sein, denn in diesem Marksegment bestehen in Frankfurt keine Absatzschwierigkeiten. Hoffen wir, dass nicht Begehrlichkeiten dazu führen, dass die Proportionen am Ende doch noch deutlich verändert werden.
Mit dem Abriss könnte noch in diesem Jahr begonnen werden, die Fertigstellung des neuen Henninger Turms ist bis 2015 geplant.

Die Wettbewerbsergebnisse mit beiden Beiträgen aller Teilnehmer sind bis zum 1. April im Deutschen Architekturmuseum ausgestellt.

Die Vorgeschichte: Beitrag zur Wettbewerbsauslobung in der FAZ

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