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Ab in die Ferien, Teil 1

Ursula Baus | 27.06.2012 | Personen, Preise, Pointen
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Nalbachs neueste Erweiterung in Nakenstorf
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Der Gastraum im Charlottenhof Ahrenshoop
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Hardt Waltherr Hämers Schifferkirche in Ahrenshoop ...
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... der Innenraum, die Kirche wurde 1951 gebaut.
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Eine Badestube im Gutshof Tick
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Freier Blick auf Hafen und Meer: das Hotel Hafenspeicher Stralsund
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Für Wasserfreunde in Lauterbach: Jedes Häuschen ein Hotelzimmer
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Auf ursprünglichem Baufeld: der neue Zimmertrakt von Groß Schwansee

Wieso die vielversprechende Liaison zwischen Architektur und Tourismus so wenig genutzt wird, um einerseits zeitgenössische Architektur zu propagieren, andererseits dem Tourismus eine bislang unübliche Hotellerie zu bescheren, ist kaum zu erklären. Gewiss, es gibt "Design-Hotels", die aber rasch und oft zu Recht den Ruf bekamen, schick, teuer und funktional unzuverlässlich zu sein. Ein Blick nach Mecklenburg-Vorpommern erschließt dagegen, was Architekten als Hoteliers zum Nutzen und Frommen ihrer Gäste zustande bringen. An der Ostseeküste, sagen wir: zwischen Lübeck und Rügen und dort auch ein bisschen im Hinterland finden sich treffliche Beispiele dafür, wie sich beim "Wohnen auf Zeit" der Reiz zeitgenössischer Architektur offenbaren lässt. Außerdem besticht dieses Bundesland dadurch, dass es  – anders als Bayern – vom Tourismus nicht im Geringsten pervertiert ist.

Der Reihe nach, von West nach Ost. Östlich von Lübeck liegt nah an der Ostsee Klütz, ein Städtchen mit 3.200 Einwohnern, welches Uwe Johnson Vorlagen für seinen Roman "Jahrestage" bot. Hier kauften sich die Architekten Heselbach (er Architekt, sie Landschaftsarchitektin) ein Haus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und bauten es zu einem charmanten, kleinen 4-Zimmer-Gasthof mit einem traumhaft schönen, mit alten Staudensorten bestückten Garten um (www.gartenhotel-sophienhof.de). Zudem renovierten sie eine Villa, die mit zwei Ferienwohnungen als exzellenter Ausgangspunkt für erholsame Radtouren und Wanderungen gelten kann (www.villa-ruhnke.de).

Weiter nach Osten beginnt mit Wismar das Revier der Architekten Johanne und Gernot Nalbach. Ein Refugium der Extraklasse, in dem die beiden Berliner Architekten auch selbst ihre Freizeit verbringen, liegt auf dem Weg nach Rostock am Neuklostersee in Nakenstorf: Auf einem Gelände, dessen Größe Johanne Nalbach gar nicht benennen kann, bieten Ferienhäuschen, Seehotel, Badescheune, Kunstscheune, Restaurant, Gänsebar und neuerdings ein Wohlfühlhäuschen (dazu in Kürze mehr) gestressten Städtern naturnahe Erholung pur (www.seehotel-neuklostersee.de). Ein Abstecher südöstlich zur Mecklenburgischen Seenplatte führt zum Finckensee zwischen Plauer See und Müritz, wo Nalbach Architekten 2007 das Kavaliershaus in Fincken erwarben und in ein Suitenhotel verwandelten.

Bleibt man an der Küste, geht es zum Ostseebad Ahrenshoop – ein nobles Örtchen, in dem Volker Staab gerade ein Museum baut und der Blick in eine kleine Schifferkirche aus dem Jahr 1951 vom jungen Hardt Waltherr Hämer geboten ist. Im März 2012 öffnete der zentral, aber ruhig gelegene Charlottenhof mit 12 Zimmern. Die Münchner Innenarchitektin Heike Gebhard hatte die um 1860 gebaute Pension erworben und baute sie mit sicherem Gespür für die Synthese von unaufdringlicher, heller Eleganz und gut durchdachter Funktionalität um – wann immer sie Zeit hat, ist die Chefin vor Ort.

Weiter in Richtung Stralsund bietet sich ein Halt in Hermannshagen-Dorf an. Im Jahr 2000 begann der gelernte Schreiner, Schlosser und Architekt Bodo Tick damit, das ruinöse Gut Stück um Stück zu renovieren und Ferienapartments einzurichten. Die ländliche Behaglichkeit hat nichts Rustikales an sich, sondern eine überraschende Modernität: Ticks Vater besaß ein Möbelhaus mit den Sortimenten von Dieter Rams, Knoll und dergleichen, die Tick junior mit Trouvaillen des Gutshofes kombiniert. Demnächst kommt eine Sauna dazu, Gastronomie gibt es keine, aber der Bauherr und Hotelier befeuert abends schon mal den Grill und setzt sich mit ans Lagerfeuer. Die Nächte sind wunderbar still. www.gutshof-tick.de

Nächste Station könnte Stralsund sein – auch hier fand ein Architekt Gefallen am Beruf des Hoteliers. Joachim Geiling kaufte vorn am Hafen einen Getreidespeicher von 1874, nahm eine Geschossdecke heraus und richtete in dem so entstandenen, rund 4 Meter hohen Bereich großzügige Zimmer mit Galerien ein. Fantastisch: der Blick auf Hafen und Meer; etwas Besonderes ist außerdem die Lehmsauna im Erdgeschoss. Passend zur Bausubstanz wurden robuste Materialien für das neue Interieur ausgesucht – alles funktioniert bestens.

Freunde des erholsamen Wassersports fahren nicht nach Stralsund, sondern zweigen gleich zur Insel Rügen ab, genauer gesagt: nach Lauterbach, wo nach Vorbildern von den Malediven in kleinen, aufgestelzten Holzhäuschen je ein Hotelzimmer untergebracht ist (Drebing Ehmke Architekten). Wenn die (Hotel-)Nachbarn artig sind und keine Seemannslieder schmettern, ist es hier wunderbar still.

Bleibt für besondere Gelegenheiten ein Neubau des ruhig gelegenen Schlosshotels Groß Schwansee zu erwähnen, den die jungen Architekten Krause Feyerabend Sippel aus Lübeck in nobler Schlichtheit neben das klassizistische, 1745 gebaute Haupthaus gesetzt haben. Im teuersten der hier vorgestellten Hotels spaziert man aus dem Schlossgarten auf einer traumhaft schönen, alten Allee direkt zum Ostseestrand, speist ganz vorzüglich, findet im Zimmer jedoch keine Kofferablage und muss durchaus mit Kalamitäten beim Bedienen der komplizierten Zimmerlichttechnik rechnen – normale Lichtschalter hätten's hier wohl auch getan.

Nicht vergessen darf man, dass man sich hier im Kernland der norddeutschen Backsteingotik bewegt – über die Meisterwerke in Wismar, Stralsund, Greifswald, Güstrow, Doberan und andernorts informieren der Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.
Und wer die Reise sofort antreten möchte und Musikfreund ist: Bis zum 9. September sind Konzerte der Musikfestspiele Mecklenburg-Vorpommern zu hören.

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