"Kirchenräume neu denken"

"Wem gehören die Kirchen?" Diese Frage stellte der Architekt Gerald Klahr in der Schlussdiskussion der Tagung "Kirchenräume neu denken", zu der der Verein Forum Stadt nach Rottweil eingeladen hatte. Dass die Bedeutung von Kirchen, von Kirchenräumen, insbesondere in Dörfern, Klein- und Mittelstädten sich nicht allein in ihrer Bedeutung für die jeweilige religiöse Gemeinschaft erschöpft, hatten Referenten zuvor bereits deutlich gemacht – Kirchen sind den Menschen bedeutend als raumstrukturierende, identitätsstiftende Gebäude, als Orte, an denen sie zur Ruhe kommen und Zuflucht vor den Zumutungen des Alltags finden können. Demgegenüber bleibt der Befund, dass viele Kirchen nicht mehr gebraucht werden, dass sie leer stehen, anders genutzt werden müssen, wenn sie erhalten werden sollen. Dabei konnten Gerald Klahr ebenso wie die Theologin und Kunsthistorikerin Berkemann anhand von Beispielen aus Stuttgart, Kassel, Hamburg und anderen Städten zeigen, dass ein offenerer, sich von den starren Nutzungsformen lösende Umgang mit den Kirchen durchaus dazu führen könne, dass wieder mehr Menschen Kirchen besuchen. Dennoch bleibt für viele Kirchen die Frage, wem diese Häuser zur Verfügung stehen sollen, wer für ihren Erhalt aufkommen soll. Aus der Diskrepanz zwischen dem Wert, den Menschen den Kirchen beimessen und dem, den sie für die religiöse Praxis haben, müssen sich auch neue Koalitionen finden, die vor allem erst einmal die finanziellen Grundlagen für den Erhalt legen, auf deren Basis sich die Frage nach einer neuen Nutzung erst stellen kann. Und doch: So überzeugend die Beispiele der Umnutzungen, wie sie etwa von Klaus Block oder Rainer Fisch vorgestellt wurden, so überzeugend Jörg Beste Methoden und Strategien für gelingende Umnutzungsprozesse als sinnvolle Instrumente anbieten konnte – eine Diskussion ist unausweichlich, wie man damit umgeht, dass dennoch nicht alle Kirchen, die als Gotteshäuser überflüssig wurden, durch Umnutzungen vor dem Abriss bewahrt werden können. Das gilt insbesondere für Kirchen der Nachkriegszeit – und der Ruf nach der Denkmalpflege ist hier keine Hilfe, sie wird nur einen sehr kleinen Teil dieser Kirchen erfassen, für deren Erhalt sich einsetzen können. Dazu können auch die Amtskirchen beitragen, in dem sie offener darlegen, in welchem Zustand ihre Kirchen sind und in welcher Anzahl sie leer stehen oder zum Verkauf gestellt werden. Ohne die Bereitschaft aller, das Problem zu benennen anstatt davon zu schweigen, weil nicht sein kann, was nicht sein darf, wird die Herausforderung, Kirchenräume neu zu denken, nicht kleiner.
Es ist geplant die Beiträge der Tagung zu veröffentlichen. Format und Termin standen bei Abschluss der Tagung noch nicht fest.


