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New York in 870.000 Bildern

Ursula Baus | 02.05.2012 | Personen, Preise, Pointen
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New York – das Tor nach Amerika im städtischen Bildarchiv

"Due to overwhelming demand, the New York City Municipal Archives Online Gallery is unavailable at present. Maintenance activities are underway to address this issue." Tja, so kann es gehen, wenn die Neugier darauf, wie es einmal war, viel größer ist als man anzunehmen wagte. Als die Stadt New York vor wenigen Tagen rund 870.000 Fotografien aus ihrem Archiv online stellte, brach kurz darauf ihr Server zusammen. Beklagen ließe sich mal wieder die Trägheit der "Generation Bildschirm", die statt, von Bild zu Bild zu klicken, doch lieber das Ränzl schnüren und sich auf die Socken nach New York machen sollte. Aber im New Yorker Fotoarchiv findet man eben etwas ganz anderes: Auskunft darüber, wie Situationen, die man womöglich gut kennt, früher einmal ausgesehen haben. Vollmundiger gesagt: Das Interesse an der Geschichte einer Stadt scheint zu wachsen, wobei hinter diesem Interesse kaum Sensationslust zu vermuten ist. Stattdessen könnte ein Teil der Netzgemeinde die Nase voll vom Palaver der Netz-Community haben, jener "Gemeinschaft derer, die über immer mehr Dinge sprechen, von denen sie immer weniger verstehen, und dies besonders, wenn diese Dinge eigentlich sprachlos machen" (Süddeutsche Zeitung, 27.4.2012).
Worauf die Neugier auf die Archivbilder noch zurückzuführen sein könnte, bleibt also spekulativ. Die Fotografien einer Stadt führen ja nicht allein Architektur- und Städtebau vor Augen, sondern auch Sozial-, Wirtschafts-, Natur- und sonstige Geschichte.
Vergleichsweise puristisch auf die bau- und kunstgeschichtlichen Motive spezialisiert ist hierzulande das Marburger Bildarchiv, auf das man immer wieder gern hinweist. Dort lässt sich in einem inzwischen reichlichen digitalisierten Bestand auch "stöbern": nach Ländern, Regionen und Orten, mit inzwischen 2 Millionen Bildern. Bis 2004 sind die Fotos nach altem System sortiert, jüngere Bestände sind über den Gesamtindex zu erschließen. Hervorragend ist zum Beispiel der Stuttgarter Hauptbahnhof vor dem jüngsten Abriss erschlossen, die Rekonstruktion der Dresdner Frauenkirche wäre ohne das Marbuger Archiv kaum möglich gewesen. Die Fotografie als Wissensquelle wissenschaftlich zu betreuen, ist bitternötig. Weil inzwischen Photoshop von jedem Laien angewendt werden kann, darf man eigentlich keinem Bilde mehr trauen.

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