Für eine neue Städtebauförderung

Simone Hübener | 29.02.2012
Dirk von Vopelius, Sonja Beeck, Dieter Bartetzko, Michael Fraas und Tobias Wulf (v.l.n.r.) diskutierten beim 17. Nürnberger Architekturclub. (Bild: Simone Hübener)
Bremen, Leipzig und Nürnberg haben erst bei genauerem Hinsehen viele Gemeinsamkeiten. Die drei Städte sind durch Handel und später die Industrie das geworden, was sie heute sind. Mit rund 500.000 Einwohnern leben in etwa gleich viele Menschen dort. Die Stadtstruktur ist kompakt, es gibt wissenschaftliche Institutionen, ein buntes kulturelles Leben und unterschiedliche urbane Milieus. Und nicht zuletzt haben alle drei Städte derzeit ein übergeordnetes Ziel: Stadtentwicklung. Planen und Bauen sollen zu einem öffentlichen Thema gemacht, Bürger und Wirtschaft stärker einbezogen werden. Deshalb wurde bereits im Jahr 2007 koopstadt als eines der Projekte ins Leben gerufen, die vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) ausgewählt und gefördert werden.
Seit November 2010 widmet sich der Nürnberger Architekturclub, der von der Bayerischen Architektenkammer veranstaltet wird, nun Themen, die für koopstadt relevant sind. Beim fünften Abend am vergangenen Donnerstag ging es um "Geld macht Stadt?". Mit zwei Impulsreferaten stimmten die Architekten Sonja Beeck aus Berlin und Tobias Wulf aus Stuttgart das Publikum ein. Während Beeck wichtige Aspekte der IBA Stadtumbau 2010 Sachsen-Anhalt an ausgewählten Städten wie Eisleben und Köthen präsentierte, fasste Wulf seine Position kurz und bündig in drei Thesen zusammen. So müssten Städtebau und Architektur wieder als Einheit betrachtet werden, die Planungsämter sollten von der Politik unabhängiger sein und die Stadtverwaltungen selbstbewusster gegenüber Investoren auftreten. Für die Diskussion unter der Leitung von Dieter Bartetzko aus Frankfurt saßen neben Beeck und Wulf auch Michael Fraas, Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg, und Dirk von Vopelius, Präsident der IHK Nürnberg/ Mittelfranken, auf dem Podium. Leider war die Zeit an diesem Punkt schon so weit fortgeschritten, dass das Gespräch etwas zu kurz kam, das Publikum nur noch wenige Fragen stellen konnte. Am Schluss war einmal mehr deutlich geworden, dass Wunsch und Wirklichkeit oftmals weit auseinanderklaffen und dass Stadtentwicklung Otto Normalverbraucher nicht besonders zu interessieren scheint. Denn zumindest an diesem Abend hätte man sich mehr Menschen im Saal gewünscht, die sich nicht beruflich mit solchen Dingen befassen. Trotzdem ist es wichtig, den Bürgern immer wieder die Gelegenheit zu bieten, sich aktiv zu beteiligen. Deshalb wird die Reihe mit weiteren vier Abenden fortgesetzt. Bereits fest steht der 14. Juni für den dann 18. Nürnberger Architekturclub mit dem Thema "Platz da! Öffentlicher Raum – wozu?". Auf dem Podium werden Andrea Gebhard (Landschaftsarchitektin aus München), Rita Lex-Kerfers (Landschaftsarchitektin und Stadtplanerin aus Bockhorn), Horst Förther (2. Bürgermeister von Nürnberg) und Bernard Lorenz (Landschaftsarchitekt aus Nürnberg) sitzen. Die Moderation übernimmt Gerd Aufmkolk (Landschaftsarchitekt aus Nürnberg).