Die Kunst der Ingenieure

Simone Hübener | 25.05.2011
Aus ungewohnten Perspektiven konnten die Teilnehmer der Journalistenreise die Ingenieurbauwerke betrachten; oben das Fundament des Stuttgarter Fernsehturms, unten eine der Hallen der Stuttgarter Messe. (Bilder: Daniel Vieser)
Brücken, Türme und großflächige Überdachungen sind für jedermann sofort als Ingenieurbauwerke zu erkennen. Bei Kühltürmen für Kraftwerke – nicht nur für AKWs – und Hochspannungsmasten denkt man meist schon weniger an die Urheber. Und vieles, was aus der Feder von Bauingenieuren stammt, vergisst man völlig, da es entweder kaum sichtbar ist, wie Hochwasserrückhalte- und Regenüberlaufbecken, oder nicht tagtäglich in unserem Blickfeld liegt, beispielsweise Kläranlagen, Sturmflutwehre oder Talsperren. Und diese Liste mit Bauwerken, für die Bauingenieure verantwortlich zeigen, ist noch lange nicht vollständig.
Damit dieses Schattendasein möglichst bald ein Ende findet und die Arbeit der Bauingenieure ebenso in den Fokus von Presse und Öffentlichkeit rückt wie die der Architekten, veranstaltete die Ingenieurkammer Baden-Württemberg am vergangenen Wochenende die deutschlandweit erste Journalistenreise zu einer Reihe ausgewählter Ingenieurbauwerke in Stuttgart. In einem einführenden, kurzweiligen Referat sensibilisierte Stephan Engelsmann, der 1. Vizepräsident der Kammer, die Anwesenden für dieses Thema und bat die Medienvertreter darum, die Leistung von Ingenieuren und Architekten gleichwertig zu behandeln. Da kann man ihm nur recht geben. Wie sich während der gemeinsamen Besichtigungstour und der abschließenden Gesprächsrunde allerdings herausstellte, sind die Ingenieure an dieser Misere auch nicht unschuldig. Sie seien oftmals zu introvertiert und verstünden sich als reiner Dienstleister. Ein erster, wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist mit dieser Veranstaltung zumindest in Baden-Württemberg nun gemacht worden. Den anderen Länderkammern, die das Geschehen hierzulande aufmerksam beobachten, sei geraten, nun möglichst schnell nachzuziehen. Und die Ingenieurkammer Baden-Württemberg muss an ihrem Vorsatz festhalten, dieser Premiere spätestens in zwei Jahren an einem anderen Ort eine zweite Veranstaltung folgen zu lassen.

Nicht erst am Anfang, sondern bereits bei den Bänden 8 bis 10 ist eine wichtige Buchreihe in Sachen Ingenieurbaukunst angekommen: Historische Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland. Band 8 widmet sich dem alten Elbtunnel in Hamburg, der am 7. September ausgezeichnet wird, Band 9 blickt auf die Fleischbrücke in Nürnberg, Festakt ist am 10. Juni, und der zehnte Band hat den Flughafen Berlin-Tempelhof zum Thema. Gefeiert wird hier am 1. Juni. Weitere werden hoffentlich alsbald folgen. Denn die Liste der ausgewählten Bauwerke ist bereits lang. sh