Schmökern im Frühling

Petra Bohnenberger | 28.03.2012
Dass Frauen immer häufiger im Architektenberuf zu finden sind, ist jedem klar. Allerdings ist die Spanne zwischen dem inzwischen mehrheitlichen Anteil der Frauen in den Hörsälen und dem doch eher minderheitenmäßigen Anteil im Berufsleben noch groß. Und der Anteil derer, die tatsächlich Einfluss auf Lehre und Architekturentwicklungen nehmen können, ist im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen äußerst gering. Das Buch Architektur. Eine weibliche Profession ist eine Sammlung von Texten und Gesprächsauszügen von Frauen in der Architektur über Frauen in der Architektur und über Architektur. Es will nicht belehren oder aufzeigen, dass Frauen etwas besser könnten. Es zeigt einen anderen, bisher möglicherweise noch nicht entdeckten Blickwinkel auf Architektur, auf die Gesellschaft, auf die Kreativität.
Das Buch bietet zwei Möglichkeiten, sich damit zu beschäftigen. Zum einen kann man sich an den Stichworten wie "Strukturen", "Achtung und Selbstachtung", "Stararchitektensystem" und vielen weiteren entlang hangeln und so verschiedene Meinungen dazu lesen. Oder man folgt den ausgewählten Architektinnen und begleitet sie durch die verschiedenen Themen hindurch und lernt so interessante Menschen kennen.
Spannend und unterhaltsam, am Stück oder immer wieder zwischendurch gelesen.

Vom eigentlichen Arbeitsfeld eines Architekten ganz weit weg und doch ganz nah und unverzichtbar ist der Schreibtisch. Darum gehts im zweiten Buch. Begonnen hat alles mit einem Studienprojekt an der Köln International School of Design (KISD), das sich dann zu einer "Forschungsreise" an Schreibtische in allen fünf Kontinenten weiterentwickelte. Die Ergebnisse sind in My Desk is my Castle. Exploring Personalisation Cultures zusammengefasst. Dabei zeigt sich, dass es vollkommen egal ist, wo auf der Welt der (Schreibtisch-)Arbeitsplatz liegt, in welchem Geschäftsbereich oder ob Mann oder Frau daran arbeitet. Allen gemein ist, dass Privates in die Gestaltung und Nutzung einfließt. Das Buch kann als wirklich ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema "Wie sieht ein Schreibtisch in der Nutzung aus?" betrachtet werden oder man liest ein bisschen quer und amüsiert sich über die eine oder andere eigenwillige Sammlung von Plüschtierchen, Tassen und Pflanzen oder was sich sonst noch auf unseren Schreibtischen findet. Aber der ernsthafte Aspekt steht durchaus im Vordergrund. Der Leser kann sich intensiv darauf einlassen und herausfinden, ob nicht doch kleine oder große Unterschiede in den Berufsgruppen oder der kulturellen oder geschlechterspezifischen Gestaltung liegen. Ein aufschlussreiches Buch über Design und Ästhetik von Schreibtischen.

Architektur. Eine weibliche Profession. Tanja Kullak (Hg.), jovis Verlag, Berlin, ISBN 978-3-86859-114-9

My Desk is my Castle. Exploring Personalisation Cultures. Uta Brandes und Michael Erlhoff (Eds.), englisch, Birkhäuser, Basel, ISBN 978-3-0346-0774-2