Gebaut wird nicht

Christian Holl | 07.03.2012
Entwurf für das Thyssen-Haus Berlin von Schweger und Partner
Entwurf für das Stadthaus in Frankfurt am Main von Meurer Architekten. (Bild: Meuer Architekten/ DomRömer GmbH)
Der Grundstücksverkauf war dubios, der Wettbewerb dementsprechend umstritten. 2007 hatte ThyssenKrupp für schlappe 1,56 Millionen ein 737 Quadratmeter großes Areal in Berlins Mitte erworben. Ende 2011 wurde der Wettbewerb für einen Neubau auf diesem Grundstück entschieden, Schweger und Partner hatten sich durchgesetzt. Man hätte diesen Neubau in direkter Nachbarschaft zum künftigen Humboldt-Forum errichtet. Hätte. Denn nun hat ThyssenKrupp entschieden, hier nicht zu bauen. Das Netzwerk plattformnachwuchsarchitekten.de hofft nun auf einen Sinneswandel auch der Stadt: "Nun kann die Senatsverwaltung den für 2012 angekündigten Freiraumwettbewerb ausloben und das Grundstück von ThyssenKrupp öffentlich zugänglich in den archäologischen Parcours hin zum Archäologischen Besucherzentrum am Petriplatz einbinden. Dadurch erhält Berlins Mitte mehr Authentizität und eine ehrlichere Auseinandersetzung mit seiner historischen Vergangenheit."

Auch in Frankfurt ist ein prominentes Projekt in der Stadtmitte zumindest vorerst auf Eis gelegt. Die Stadt will das Geld für den Bau des Stadthauses sparen, das über dem archäologischen Garten errichtet werden soll (Meurer Architekten hatten sich im Wettbewerb durchgesetzt). Das Stadthaus gehört zu jener Frankfurter "Altstadt", die auf altem Stadtgrundriss mit einigen rekonstruierten Bauten auf dem Gelände des ehemaligen Technischen Rathauses entstehen soll. Die das Vorhaben organisierende DomRömer GmbH und der Altstadt-Gestaltungsbeirat um Christoph Mäckler kritisieren die Entscheidung der Stadt, weil so das Gesamtprojekt in Gefahr gerate, und Brandwände das Gesamtbild verunzierten. Doch die Altstadt, die man sich zum Vorbild genommen hat, ist nicht in wenigen Jahren in einem Rutsch entstanden, die Befürworter ihres Wiederaufbaus gehen mit ihr um, als handele es sich um ein einzelnes Gebäude – und nicht um den Parzellenstädtebau, der er nur dem Schein nach ist. Stadt muss sich in Diskussionen, Verhandlungen, zu denen auch Änderungen gehören, immer wieder neu erfinden können. Noch ist das Stadthaus nicht aufgegeben, der Beschluss noch nicht abschließend gefasst. Für die Architekten ist dieser Umgang mit ihrer Arbeit wenig erfreulich. Der Diskussion über die Stadt kann der Spritzer Realität aber guttun.