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Eine neue IBA für Berlin

Claus Käpplinger | 26.01.2011 | Personen, Preise, Pointen
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Bild: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Wer einen konkreten Zeitplan und Wettbewerbe erwartete, wurde bei der Eröffnung des IBA-Studios zur Vorbereitung der "IBAERLIN ZWANZIG ZWANZIG" enttäuscht. Berlins Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer stellte zunächst nur die Leitideen einer zukünftigen Internationalen Bau-Ausstellung vor, die eine siebenköpfige Expertengruppe erarbeitet hat und die nun auf verschiedenen Ebenen vor allem öffentliche Verbreitung finden sollen. Um die ressourceneffiziente Stadt, die Bürgergesellschaft, soziale Integration und regionale Ökonomien soll es demnach bei der dritten Berliner IBA unter den Schlagworten "Hauptstadt–Raumstadt–Sofortstadt" gehen, wozu man sich entgegen der letzten 20 Jahre Berliner Planungsgeschichte nicht allein auf die Innenstadt fokussieren, sondern auch die Stadtränder einbeziehen will.
Das Gelände des früheren Tempelhofer Flughafens soll nun nur ein Schauplatz unter vielen sein. Den Resträumen, den Frei- und Brachflächen der Stadt will man sich mehr zuwenden, die mithilfe privater Initiativen dauerhaft oder auch nur temporär neue Funktionen und Bedeutung erhalten sollen. Weshalb man bei ihr mehr auf Prozesse als auf Masterpläne oder Bauwerke setzen will, was so manchen Architekten bei der Eröffnung des IBA-Studios erst einmal skeptisch werden ließ. Zu wenig fassbar erschien ihnen das IBA-Programm, welches aber auch benennt, dass man noch am Anfang steht. Schließlich ist 2011 in Berlin ein Wahljahr und das IBA-Studio erst einmal ein politisches Bekenntnis zu einer neuen IBA, welche keinesfalls einer möglichen neuen Koalition zum Opfer fallen soll.
Vieles lässt so die kleine, sich verändernde Ausstellung in der alten Zollgarage des Flughafens Tempelhof offen, die mehr als Ort der Vermittlung denn als eine klassische Ausstellung verstanden werden will. Aktiv soll hier an einem neuen Stadtmodell gearbeitet werden, was jedoch nur ein kleiner Baustein sehr unterschiedlicher Veranstaltungsformate ist, welche in den nächsten Monaten die IBA ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit bringen will. Mit IBA-Dinner, IBA-Talk, IBA-Aktion (Ortserkundungen), IBA-Klausur und IBA-Modellbau möchte man für das Projekt werben und zugleich dessen Programmatik Schritt für Schritt präzisieren.
Pragmatisch und dennoch ambitioniert erscheint das Verfahren, das nicht zuletzt auf viele private Akteure setzen will, welche unter dem IBA-Mantel neue Ideen für Berlin entwickeln sollen, da der Staat und die Kommune nicht mehr die finanziellen Mittel der früheren Bauausstellungen besitzen. Dass Stars im Prä-IBA-Team fehlen und wahrscheinlich auch später kaum zum Zuge kommen werden, lässt sich verschmerzen, wenn es wirklich gelingt, neue stadträumliche Brückenschläge von der Hauptstadt bis in die Kieze zu schlagen, zu vermitteln und zu initiieren. Die früheren Instrumente der Stadt- und Gesellschaftsplanung haben hier zuletzt versagt, was aber an ihre Stelle treten wird, ist noch beunruhigend offen. Claus Käpplinger

Nach der Voreröffnung findet die offizielle Eröffnung am 26. Januar 2011, 19 h statt. Ort: Alte Zollgarage neben dem Haupteingang des Flughafens Tempelhof.

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