Mischnutzung eines Industriegebäudes

Industriecharme – neue Nutzung, elegante Interpretation – Steyr ist eine der ältesten Städte Österreichs, schon früh siedelte sich hier Industrie an, die die Wasserkraft des gleichnamigen Flusses nutzte. Auf einer von der Steyr umschlossenen Insel entstanden um 1900 zahlreiche Produktionsstätten und Fabriken. So auch in der Schaftgasse 2: Zunächst beherbergte der Gebäudekomplex eine Produktion für Gewehrschäfte, heute werden hier Pökelmaschinen, Räucherkammern und -öfen für die Wurstverarbeitung gebaut. Allerdings benötigt die Firma Inject Star inzwischen deutlich weniger Lagerfläche als früher. Aus diesem Grund suchte man gemeinsam mit dem Architekturbüro architektur-idee nach einer Lösung, den Leerstand zu reduzieren und Teilflächen für eine Umnutzung zu adaptieren.

Die zentrumsnahe Lage bot sich für das Berufsförderungsinstitut Steyr an, das auf der Suche nach zusätzlichen Räumlichkeiten für den Schulungsbetrieb und eigenen Verwaltungsbüros war. Ein kleineres Nebengebäude eignete sich sehr gut für die Büroflächen. Durch eine Glasbrücke ist dieses mit dem Schulungszentrum verbunden, das mit 880 m2 eine Hälfte des Obergeschosses der großen Produktionshalle einnimmt. Im Erdgeschoss befinden sich weiterhin die Produktion der Firma Inject Star und Lagerräume auf der zweiten Hälfte des Obergeschosses. So ist ein modernes Industriegebäude mit Mischnutzung entstanden.

„Der Zustand des Gebäudes war gut, eine Herausforderung in der Planung war aber trotzdem die Substanz“, berichtet Architekt Jürgen Hager. „Eine Bombe hatte im 2. Weltkrieg in der Mitte ein großes Loch gerissen. Rein äußerlich war dies nicht zu sehen, die Mauern sind dort jedoch dünner ausgeführt, statt der gusseisernen Säulen stehen dort quadratische Betonstützen und das Betongewölbe ist als einfache Ziegelträgerdecke ausgeführt.“ Diese unterschiedlichen Gegebenheiten mussten natürlich entsprechend in die Planung einfließen.

Zentraler Ansatzpunkt der Konzeption waren alternative Lernmethoden, die neben dem klassischen Frontalunterricht auch offenes und individuelles Lernen zulassen. Dabei ließ Arch.  Hager, der selbst als Professor an der HTL Linz – Bau und Design lehrt, auch eigene Erfahrungen einfließen: „Den schmalen Erschließungsgang haben wir zu einer breiten Kommunikationszone ausgebaut. An drei Stellen durchbrechen wir mit Nischen die bestehende Struktur und öffnen diese Zone bis hin zur Gebäudehülle. Durch große Fenster dringt so Tageslicht bis ins Herz des Schulungszentrums und Ausblicke ins Freie sind möglich.“

Diese „Lern-Mall“ offeriert den Zugang zu Wissen und Bildung, von hier aus gelangen die Lernenden auch in die einzelnen Seminarräume. Diese sind zum Teil sehr großzügig dimensioniert, so dass sich große und kleine Arbeitsgruppen realisieren lassen, aber auch unterschiedliche Sitzanordnungen, Gesprächsrunden, Gruppenarbeit und Frontalunterricht. Direkt angeschlossen ist fast immer ein separater Lehrmittelraum. Für kleine Grüppchen und individuelles Lernen stehen in der „Lern-Mall“ unterschiedlichste Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung, die sich individuell anpassen und nach Bedarf platzieren lassen.

„Sicht- und Schallschutz in der Lern-Mall waren ganz wesentliche Aspekte, denn eine ruhige Umgebung ist Grundlage für konzentriertes Lernen“, erklärt Arch. Hager weiter. So ist die offene Kommunikationszone schalltechnisch extrem gedämmt, die Nachhallzeit liegt bei nur 0,5 Sekunden. „Da wir das Betongewölbe in seinem ursprünglichen Zustand erhalten wollten, war eine klassische Deckenlösung nicht möglich. Wir haben daher an den Wänden ab 2,40 Metern Höhe Akustikplatten aus Gipskarton angebracht, die die mittleren und tiefen Frequenzen schlucken. Schwere Vorhänge nehmen die hohen Frequenzen auf, ebenso die Trennwände mit der markanten Magenta-farbenen Verkleidung aus Akustikfilz.“

„Wichtig war uns zudem, die wunderbare Bausubstanz mit ihrem alten Charme herauszuarbeiten. Wir haben das Gebäude von diversen Einbauten der letzten Jahrzehnte befreit, wie den großen Heizlüftern oder Kabeltassen, und die alte Industriearchitektur auf ihren Originalzustand zurückgebaut.“ Die ursprünglichen Wände, Decken und Säulen wurden mit all ihren Unebenheiten und Kratzern belassen und Weiß beziehungsweise Anthrazit gestrichen. Alle neuen Flächen stehen in gelungenem Kontrast dazu – extrem glatt und geradlinig ausgeführt. Dabei wurde jede Änderung im Detail mit der Altstadterhaltungsbehörde Steyr abgestimmt.

Eine intelligente Lösung brauchte es auch für einen gemeinsamen und doch getrennten Zugang zum Gebäude für die Mitarbeiter der Inject Star und die Lernenden des BFI. Dazu nutzen die Architekten den Portikus in der Gebäudemitte: Beim neuen Haupteingang wurde ein weiteres Treppenhaus eingebaut, von dem aus man direkt in das Schulungszentrum im Obergeschoss gelangt. Der Lastenaufzug wurde in einen zweiseitig begehbaren Lift umgebaut. So ist das gesamte Gebäude jetzt auch barrierefrei erschlossen.

Ein unschöner, aber umso wichtiger Aspekt bei der Planung von Schulungsräumen ist das Thema Vandalismus: Hier wurde ganz bewusst darauf geachtet, schöne Räumlichkeiten zu schaffen, um den Lernenden gegenüber eine Wertschätzung auszudrücken und zugleich die Freude am Lernen zu steigern. „Aus diesem Grund haben wir auch einen eleganten Designboden in dunkler Holzoptik von DLW Flooring gewählt“, erklärt der Architekt die gemeinsame Entscheidung. „Die Parkett-Anmutung wirkt edel und hochwertig, zeitgleich ist der Vinyl-Belag aber deutlich robuster und pflegeleichter als das Original.“

Auf eine flächige Verklebung des Bodens wurde verzichtet, der Designbelag wurde auf einer Siganfolie verlegt. Bei einer Beschädigung lassen sich so einzelne Planken später einfach  austauschen.  „Dies war aber bislang noch nicht nötig“, freut sich Prof.  Hager. „Nach einem Jahr Nutzung zeigt sich, dass es hier deutlich weniger Probleme mit Vandalismus gibt, als an anderen Standorten. Die Teilnehmer wissen die Qualität zu schätzen und bemühen sich die Materialien zu schonen.“

Etwa 900 Quadratmeter des DLW Luxury Vinyl Belags Scala 55 in einer rustikalen, dunklen Pinien-Optik hat die Firma Schaubschläger vor Ort verlegt. Verwendet wurde das Design rustic pine dark. Durch eine schroffe Sägezahnprägung wirken die Planken im Format 121,92 x 20,32 cm täuschend echt. Mit einer Nutzschichtdicke von 0,55 mm ist der Designbelag von DLW Flooring robust und langlebig, produziert werden die Scala Beläge nach höchsten Qualitätsstandards in Deutschland. Durch die werksseitige PUR Eco Vergütung können die Unterhaltskosten minimiert werden, denn der Belag lässt sich einfach und schnell reinigen, die Ersteinpflege und regelmäßige Grundreinigungsintervalle entfallen.
Ort
Steyr
2015
Kompetenz DLW Flooring
Luxury Vinyl Belags Scala

Architekt
architektur-idee, Linz

Tags
Educational, Learning Centers, Industry, Factories