Notwohnhaus Vinzidorf

Das Obdachlosendorf „Vinzidorf“ wurde von Pfarrer Pucher 1994 auf einem Gelände der Pfarre St. Leonhard in Graz gegründet. Hier sind vierzig, ehemals obdachlose, Männer  sesshaft geworden und leben in ausgemusterten Baustellencontainern.

Im Zuge eines im März 1998 durchgeführten Wettbewerbs sind am westlichen Dorfrand vier neue Wohneinheiten entstanden. Ziel des Wettbewerbs war es, eine architektonische Position zum Mangelwohnen zu beziehen: ein Entwurf eines modularen Notwohnkonzeptes, welcher unter der Verwendung minimaler Ressourcen eine hohe Flexibilität und Variabilität aufweisen sollte.

Der vorliegende Entwurf eines Notwohnhauses füllt die Lücke zwischen Blechcontainer und herkömmlichem sozialen Wohnbau. Die Einsatzmöglichkeiten gehen vom Erschaffen temporärer Notunterkünfte über Einfamilienhäuser bis hin zum Wohnbau. Das Notwohnhaus ist der Situation eines einfachen Wohnens angepasst, geht aber unter Verwendung minimaler Ressourcen über die elementaren Forderungen des Wohnens hinaus und schafft einen angemessenen Lebensraum.

Sämtliche Wandelemente (Wand, Tür, Fenster) haben identische Abmessungen und sind im Raster von 1,20 m versetz- bzw. vertauschbar. Die Hauseinheiten können im Raster von 1,20 m nahezu beliebig übereinander angeordnet werden. Je nach Einsatz von zusätzlichen Stützen sind die Module mehrgeschossig stapelbar. Die vielfältigen Möglichkeiten der Anordnung erzeugen Bereiche mit unterschiedlichen Qualitäten: Freibereiche, halböffentliche, halbprivate, private Zonen.

Im konkreten Fall des Grazer Vinzidorfes wurde ein Modulsystem von acht Notwohnhäusern in einer zweigeschossigen Anordnung vorgeschlagen. Vier Einheiten konnten realisiert werden.
Ort
Graz
1998
Bauherr
KAVN: Veronika Dreier | Erwin Posarnig
Bernhard Wolf

Statik
Madjid Fazeli

Kenndaten
Nutzfläche (pro Einheit): 10 m²
Umbauter Raum: 26 m²
Aufbauzeit: 1 Tag

Tags
Residential